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Heisses Eisen

Gewerkschaftsbund fordert Teuerungsausgleich und höhere Löhne

Nicht nur gefühlt wird zur Zeit vieles teurer. Für so manchen heisst es deshalb, den Gürtel enger zu schnallen. Doch das allein wird nicht reichen, findet der Gewerkschaftsbund und hat massive Forderungen.

Agentur
sda
Dienstag, 15. November 2022, 11:23 Uhr Heisses Eisen
Mann mit Maske schweisst etwas zusammen.
Beschäftigte mit Lehrabschluss sollten aber mindestens 5000 Franken verdienen, fordert der Gewerkschaftsbund.
Foto: Pixabay

Den vollen Teuerungsausgleich und Reallohnerhöhungen braucht es nach Ansicht des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) um Kaufkraft-Verluste von Arbeitnehmenden einzudämmen. In der Schweiz sollte es laut SGB keine Löhne unter 4500 Franken mehr geben.

Hohe Teuerung, steigende Energiekosten und hohe Krankenkassenprämien würden Arbeitnehmenden bei stagnierenden Löhnen immer weniger zum Leben lassen, stellt der SGB fest. Das Problem sei nicht neu, aber die finanzielle Situation von Menschen mit tieferen und mittleren Einkommen sei zunehmend angespannt.

Der Tieflohnsektor in der Schweiz wachse. Rund 500'000 Berufstätige erhalten laut SGB-Chefökonom Daniel Lampart derzeit bei Vollzeit einen Lohn von weniger als 4500 Franken im Monat. 

Beschäftigte mit Lehrabschluss sollten aber mindestens 5000 Franken verdienen. Mit 5000 Franken Lohn sei es heute kaum mehr möglich eine Familie zu haben. Die Geschäftslage der Firmen sei gut bis sehr gut und Lohnerhöhungen für die Arbeitnehmenden überfällig, erklärte Lampart.

SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard, erklärte vor den Medien, die von den Gewerkschaften formulierten diesjährigen Lohnforderungen von 4 bis 5 Prozent, das heisst vollen Teuerungsausgleich und Reallohnerhöhungen, seien stark, aber gerechtfertigt. Der Wert der Arbeit müsse in der Schweiz wieder angemessen anerkannt werden.

Laufende Lohnrunde

In einigen Branchen hätten die Gewerkschaften in der aktuellen Lohnrunde den vollen Teuerungsausgleich und reale Verbesserungen bereits ausgehandelt, sagte Unia-Präsidentin Vania Alleva. Beispiele dafür seien das Gastgewerbe, die Reinigungsbranche in der Deutschschweiz sowie die Uhrenindustrie.

Andere Arbeitgeber wollten sich trotz gutem Geschäftsgang aus der Verantwortung stehlen, so Alleva. Sogar in gewissen Betrieben, wo im Gesamtarbeitsvertrag der volle Teuerungsausgleich verankert sei, versuchten Arbeitgeber diesen zu verwehren.

Für Normalverdiener-Familien hat sich laut dem Gewerkschaftsbund die Kaufkraft-Krise über Jahre hinweg aufgebaut und spitzt sich jetzt rasch zu. In den Jahren 2000 bis 2020 habe die Steuer- und Abgabenpolitik hohe Einkommen begünstigt. Bei den unteren und mittleren Einkommen habe die Politik hingegen weg geschaut.

Lohnfortschritte seien durch eine ungerechte Steuer- und Abgabenpolitik zu einem grossen Teil zunichte gemacht worden, kritisiert der SGB. Ein Beispiel sei der Wegfall des Solidaritätsprinzips bei der Arbeitslosenversicherung auf Löhnen über 148'200 Franken. Diese Lohnempfänger zahlten so unter dem Stich weniger Sozialversicherungsbeiträge.

Arbeitgeberverband will keine Mindestlöhne

Ein voller Teuerungsausgleich ist laut dem Schweizerischen Arbeitgeberverband trotz sehr guter Auftragslage nicht in allen Branchen möglich. Realistisch ist laut dessen Chefökonom Simon Wey aufgrund der grossen Herausforderungen vor denen Firmen derzeit stünden, eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 2,2 Prozent.

Bei 2,2 Prozent müssten sich die Firmen aufgrund des Fachkräftemangels, Lieferengpässen bei Vorprodukten und der Unsicherheit angesichts einer möglichen Energiemangellage immer noch nach der Decke strecken, sagte Wey. Die Forderung der Gewerkschaften seien illusorisch. Das sei von den Margen her nicht möglich.

Als nicht zielführend bezeichnete er die gewerkschaftliche Forderung nach Mindestlöhnen von 4500 Franken respektive 5000 Franken nach einem Lehrabschluss. Der Arbeitgeberverband sei grundsätzlich gegen Mindestlöhne.

Der Markt werde selbst dazu beitragen, dass Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger diesen Lohn bekommen würden. Firmen würden sich ja schon heute um Lehrabgänger reissen.

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