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Forschungszentrum in Kemptthal

Fleisch aus dem Labor soll marktfähig werden

Die Nahrungsmittelindustrie will nachhaltiger werden. Neue «Food-Technologien» sollen deshalb vorangetrieben werden. Das Forschungszentrum dafür soll in der Region entstehen.

Agentur
sda
Donnerstag, 30. Juni 2022, 12:12 Uhr Forschungszentrum in Kemptthal
Gewolftes, rotes Fleisch. Hackfleisch.
Noch stammt das Hackfleisch von Rind und Schwein – aber schon bald soll es in Reaktoren gezüchtet werden.
Foto: Pixabay

Die Landwirtschaft und vor allem die Viehzucht hat einen grossen Anteil an den globalen CO2-Emissionen. Um den Fussabdruck zu verringern, braucht es mit Blick auf die wachsende Bevölkerung und die nach wie vor steigende Nachfrage nach Fleisch neue Lösungen.

Die Branchengrössen Givaudan, Bühler und Migros haben sich deshalb zusammengeschlossen, um in der Schweiz Start-up-Unternehmen bei der Entwicklung von kultiviertem Fleisch zu unterstützen.

Hub in Kemptthal

Zu diesem Zweck bauen sie in Kemptthal ein gemeinsames Entwicklungszentrum. Wir rechnen damit, dass wir den Betrieb im kommenden Jahr aufnehmen können», sagte der Leiter des Gemeinschaftsunternehmen Yannick Gächter. Verschiedene Pionier-Firmen könnten das Forschungslabor nutzen, um sogenanntes «Cultered Meat» aus Zellkulturen zu entwickeln.

Bezüglich den verwendeten Zelltypen ist das Zentrum offen konzipiert. Denkbar ist sowohl die Entwicklung von künstlichem Hühner-, Rind-, oder Schweinefleisch als auch von Fisch oder Seafood. Studien gehen davon aus, dass der Markt für solche Produkte bis im Jahr 2050 auf etwa 10 Milliarden US-Dollar anwachsen wird.

Gegenüber herkömmlichen Fleisch sieht Gächter zahlreiche Vorteile, etwa wegen des geringeren Verbrauchs von Wasser und Landflächen. Und der Ausstoss von Treibhausgasen könne drastisch reduziert werden. Auch komme die Technologie ohne den Einsatz von Antibiotika, Schlachtung oder Massentierhaltung aus.

Zahlreiche Herausforderungen

Bis zur Entwicklung der ersten marktfähigen Produkte dürften aber noch Jahre verstreichen. Bisher könnten nur kleine Mengen zu hohen Preisen produziert werden, so Gächter. 

Die Bewilligung zum Betrieb des Forschungszentrums haben die drei Betreiberfirmen vor Kurzem erhalten. Der Maschinenbauer Bühler wird seine Expertise in der Lebensmittelverarbeitung in die Kooperation mit einbringen, während Aromen- und Riechstoffhersteller Givaudan für den Geschmack und die Migros für die Marktbearbeitung zuständig sind. 

Offene Fragen bestehen aber noch bezüglich der Regulierung. So fehlen in der Schweiz wie in der EU und den USA derzeit die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Durchführung von Tests bei den Endkonsumenten. (maiu)

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