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Gewerkschaft kündigt GAV

Swissport-Mitarbeitende wollen in den Sommerferien streiken

Am Zürcher Flughafen brodelt es: Die Gewerkschaft wirft dem Luftfracht-Unternehmen vor, sie behalte Corona-Kürzungen auch jetzt noch bei. Für Reisende könnte die Auseinandersetzung nicht folgenlos bleiben.

Uwe
Mai
Donnerstag, 23. Juni 2022, 10:24 Uhr Gewerkschaft kündigt GAV
Galsfassade am Flughafen in der sich ein Flugzeug spiegelt.
Die Aufgaben der Swissport-Mitarbeiter am Flughafen sind vielfältig. Ohne sie steht der Airport still.
Foto: flughafen-zuerich.ch

Corona und der Lockdown liessen den Flugverkehr im Frühjahr 2020 implodieren. Das sahen auch die Swissport-Arbeitnehmenden ein, entsprechend waren sie bereit, temporäre Zugeständnisse bei den Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. Sie machten das unter der Bedingung, dass die Mitarbeitenden umso stärker beteiligt würden, wenn es Swissport Zürich wieder besser gehe. 

Nur: Das geschah bislang nicht, obwohl der Flugverkehr wieder stark zugenommen hat. Die VPOD Luftverkehr meldet nun, dass die Swissport sich nicht an die in der Coronakrise getroffene Abmachung hielte. «Im Gegenteil, sie will die Einsparungen der Krisen-Massnahmen auch künftig beibehalten», schreibt die Gewerkschaft in einer Mitteilung.

«Ein Problem ist auch, dass Swissport wegen der schlechten Arbeitsbedingungen keine guten Leute mehr findet», sagt Stefan Brülisauer vom VPOD Luftverkehr. Die Firma rekrutiere deshalb fast nur noch über Temporärbüros. «Mitarbeitende sagen mir, die Neuen seien deshalb mehr Belastung als Entlastung. Swissport nehme jeden, der kommt – egal wie qualifiziert die Person ist.»

6-Tage-Woche die Regel

Arbeitnehmende und Arbeitgeber haben sich weit voneinander entfernt, wie Gewerkschafter Brülisauer sagt: «Am Dienstag war der Stationsmanager bei den Angestellten vor Ort. Diese haben ein Foto gemacht und im internen Chat dazu geschrieben: Ein Alien von einem anderen Planeten ist zu Besuch.»

Zu den Arbeitsbedingungen bei Swissport erwähnt er, dass 6-Tage-Wochen heute die Regel seien, Wochenendarbeit ebenso. Und die Überstunden häuften sich. «Ein Familien- oder Sozialleben ist so kaum mehr möglich.»

Die Gewerkschaften entschieden sich nun, den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) zu kündigen. Damit sind sie vom Streikverbot entbunden. Diese Freiheit wollen sie bald nützen: Sie kündigen für die Sommerferien erste Protestaktionen an.

«Der Wortbruch von Swissport Zürich wird nicht unbeantwortet bleiben.» Die Swissport-Mitarbeitenden sind nicht die ersten in der Flugbranche, die diese Massnahme ergreifen, wie «10vor10» am Dienstag berichtete: In Brüssel streikte jüngst das Sicherheitspersonal, alle Abflüge fielen aus. In Spanien kündigt das Easyjet-Personal an, tagelang zu streiken.

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