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Pfäffiker Verkabelungsspezialist

Rekordergebnis befeuert Ambition von Huber+Suhner

Dem Würgegriff der Coronakrise entronnen: Huber+Suhner hat 2021 ein Spitzenergebnis eingefahren. Nur ein Markt blieb hinter den Erwartungen zurück.

Jörg
Marquardt
Dienstag, 08. März 2022, 16:24 Uhr Pfäffiker Verkabelungsspezialist

Von einer «positiven Dynamik» hatte Huber+Suhner bereits Anfang Dezember gesprochen. Wie positiv der Geschäftsgang des Pfäffiker Spezialisten für elektrische und optische Verbindungstechnik 2021 tatsächlich ausgefallen ist, zeigte sich am Dienstag:

Vor Medienvertretern und Analysten im Konferenzzentrum Six Conventionpoint in Zürich sowie im Live-Webcast führten CEO Urs Ryffel und Finanzchef Ivo Wechsler durch das «beste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte».

«Das ist das zweithöchste Ergebnis, das wir je erzielt haben.»
Urs Ryffel, CEO Huber+Suhner

Beim Auftragseingang verzeichnete Huber+Suhner einen Anstieg um 33,1 Prozent von 748,2 Millionen auf 995,6 Millionen Franken. «Das ist das zweithöchste Ergebnis, das wir je erzielt haben», sagte Ryffel auf Englisch.

Zurückzuführen sei dieser Sprung auf eine beständig hohe Nachfrage über die gesamte Berichtsperiode ohne grössere saisonale Schwankungen.

Überall zweistellig gewachsen

Der Nettoumsatz verbesserte sich um 16,9 Prozent auf 862,9 Millionen Franken (Vorjahr: 737,9 Millionen Franken). Bereinigt um Währungs- und Kupferpreiseffekte betrug das Wachstum 13,8 Prozent.

Alle drei Marktsegmente von Huber+Suhner legten jeweils im zweistelligen Prozentbereich beim Auftragseingang und Nettoumsatz zu. Mit 46,6 Prozent war der Anstieg der Aufträge im Segment Kommunikation am höchsten. Der Eingang belief sich dort auf 420 Millionen Franken. Treiber waren unter anderem der beschleunigte Ausbau von 5G-Mobilfunknetzen und von Festnetzinfrastruktur. Der Umsatz verbesserte sich um 18 Prozent auf 341,1 Millionen Franken.

«Trauriger Treiber»

Ebenfalls dynamisch entwickelte sich das Segment Industrie, das massgeblich zum starken Gesamtergebnis der Gruppe beigetragen hat. Der Auftragseingang verbesserte sich um 23,7 Prozent auf 296,6 Millionen Franken, während der Nettoumsatz gegenüber dem Vorjahr um 21,9 Prozent auf 275,4 Millionen Franken anstieg.

Der Bahnmarkt entwickelte sich nicht so, wie CEO Urs Ryffel es sich gewünscht hätte.
In allen Segmenten hat Huber+Suhner die Erwartungen übertroffen. Nur mit einem Segment ist CEO Urs Ryffel nicht so zufrieden.
Screenshot/jöm

Laut Ryffel haben der Kernmarkt Prüf- und Messtechnik und die Bereiche Luft-, Raumfahrt und Wehrtechnik zu gleichen Teilen zu diesem Wachstum beigetragen.

Dass die Wehrtechniklösungen von Huber+Suhner durch die Notwendigkeit, Aggressionen globaler Player zu kontern, zunehmend gefragt seien, bezeichnete der CEO als einen «traurigen Treiber».

Bahnmarkt stagniert

Auch das Marktsegment Transport war durch starke Zuwächse geprägt: So erhöhte sich der Auftragseingang um 25,7 Prozent auf 279 Millionen Franken, der Nettoumsatz um 10,6 Prozent auf 246,4 Millionen Franken.

«Wir sind hinter unseren Erwartungen an das Transportsegment zurückgeblieben.»
Urs Ryffel, CEO Huber+Suhner

Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber ein gemischtes Bild: Während das Geschäft mit Elektrofahrzeugen die Aufträge und den Umsatz im Teilsegment Automotive ankurbelte, sorgte das corona-bedingt rückläufige Bahngeschäft, vor allem in China, für eine stagnierende Auftragslage und einen leichten Umsatzrückgang im Teilsegment Bahnen.

«Mit einer Ebit-Marge von nur 5,1 Prozent sind wir hinter unseren Erwartungen an das Transportsegment zurückgeblieben», sagte Ryffel selbstkritisch. Schuld daran seien unter anderem steigende Rohmaterialpreise gewesen, insbesondere beim Kupfer, die man im letzten Jahr noch nicht vollumfänglich an die Kundschaft habe weitergeben können.

Erstmals über Zielband

Einen Rekordwert vermeldet Huber+Suhner beim operativen Betriebsergebnis (Ebit). Dieses betrug 104,6 Millionen Franken, was einer Ebit-Marge von 12,1 Prozent entspricht. Im Vorjahr hatte die Marge noch bei 8,3 Prozent gelegen.

Damit liegt das Unternehmen erstmals oberhalb des mittelfristigen Zielbandes von 8 bis 10 Prozent.

Der Konzerngewinn verzeichnete einen Zuwachs um rund zwei Drittel und erreichte 87,3 Millionen Franken (Vorjahr: 52,3 Millionen). Zu diesem hohen Ergebnis habe auch eine tiefe Steuerrate beigetragen.

Die direkten Folgen des Ukraine-Kriegs auf den Geschäftsgang von Huber+Suhner sind aus Sicht von Ivo Wechsler überschaubar.
Finanzchef Ivo Wechsler gab auch eine Einschätzung zu den Folgen des Ukraine-Kriegs ab.
Screenshot/jöm

Mit dem Ziel, seine Innovationsführerschaft zu behaupten und auszubauen, hat Huber+Suhner seine Investitionen in Forschung und Entwicklung erneut erhöht. Sie lagen im Berichtsjahr bei 55,9 Millionen Franken, was einem Anstieg von 17 Prozent entspricht.

Chancen und Gefahren

Der hohe Auftragsbestand hat Huber+Suhner einen guten Start ins neue Jahr verschafft. Ryffel gab sich überzeugt: Jene Trends, die auch den Geschäftsgang 2021 begünstigt hätten, würden weiter anhalten. Dazu zählte er den wachsenden Bedarf an Kommunikationslösungen und höhere Datenmengen, ein steigendes Mobilitätsbedürfnis sowie eine vermehrte Nachfrage nach Sicherheitslösungen, wie die jüngsten Entwicklungen in der Ukraine gezeigt haben.

Vor diesem Hintergrund erwartet das Unternehmen in Zukunft eine höhere Ertragskraft. Deshalb hat es das mittelfristige Zielband für die Betriebsergebnismarge, die bisher bei 8 bis 10 Prozent angesetzt war, auf 9 bis 12 Prozent angehoben. Beim Umsatz strebt das Management ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich an.

«Die indirekten Folgen des Krieges könnten viel schwerer ausfallen.»
Ivo Wechsler, Finanzchef Huber+Suhner

All dies setzt aber voraus, dass andere Faktoren wie die steigenden Inflationsraten, der starke Franken oder globale Lieferengpässe keine erneute Verschärfung erfahren.

Angesichts der russischen Invasion in der Ukraine kam Finanzchef Ivo Wechsler zu der Einschätzung: «Die direkten Auswirkungen des Krieges auf Huber+Suhner sind bewältigbar.»

Nur 2 bis 3 Prozent des jährlichen Umsatzes würden auf Russland, Belarus und die Ukraine entfallen. Zudem gebe es keine Produktionsstandorte oder eine strategische Zulieferbasis in diesen Ländern. «Die indirekten Folgen des Krieges könnten aber viel schwerer ausfallen.»

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