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Kurzarbeit läuft bald aus

Ab Mai drohen Massenentlassungen – diese Jobs könnte es treffen

Bald dürfen viele Firmen ihre Angestellten nicht mehr in Kurzarbeit schicken. Sie fordern nun eine rasche Verlängerung.

Redaktion
Züriost
Freitag, 16. April 2021, 12:40 Uhr Kurzarbeit läuft bald aus

Tausende Firmen sind noch immer auf Kurzarbeitsentschädigung angewiesen. Kein Wunder, denn grosse Teile der Wirtschaft sind derzeit geschlossen. Restaurants, Hotels, Teile der Industrie und Eventveranstalter haben bereits im März 2020 zum ersten Mal Kurzarbeit angemeldet.

Mehr als ein Jahr später hat sich ihre Lage nicht grundlegend verändert. In vielen Branchen hat sie sich sogar noch deutlich verschärft. Und die Unterstützung mittels Kurzarbeit läuft schon bald aus.

Das macht den betroffenen Branchen Sorgen: «Bei unseren Mitgliedern macht sich Nervosität breit», sagt Christoph Kamber, Präsident von Expo Event Swiss Livecom Association, dem Verband der Eventbranche. Denn: «Die Firmen brauchen Planungssicherheit. Bereits Mitte Mai müsste der Entscheid getroffen werden, wenn Unternehmen Mitarbeitende entlassen müssten», so Kamber.

Kündigungsfrist ist entscheidend

Das Problem: Bei jenen Firmen, deren Mitarbeitende bereits seit März 2020 in Kurzarbeit sind, läuft Ende August die Bezugsdauer von 18 Monaten aus. Bei der üblichen Kündigungsfrist von drei Monaten müssen die Chefs also schon bald entscheiden, ob sie ihr Personal weiterbeschäftigen – oder entlassen.

«Bei Kadermitarbeitenden mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten stellte sich das Problem bereits», sagt Kamber. Offenbar haben dort die Firmen aber auf den Bundesrat und eine Verlängerung vertraut. Aber: «Wir haben bisher nur vage Zeichen vom Bund erhalten, dass das Thema auf dem Radar sei, nicht aber, wann entschieden wird.»

Dabei sei ein Entscheid dringend, sagt Kamber. «Wir brauchen für unsere Mitarbeitenden die Sicherheit, dass wir auch über den August hinaus Kurzarbeit beziehen können.» Niemand wisse, wie sich die Pandemie entwickle. Entsprechend sei das unternehmerische Risiko gross, und nach über einem Jahr Pandemie wollten dieses nur noch wenige Firmen eingehen.

«Je länger der Bundesrat zuwartet, desto mehr Firmen sind möglicherweise gezwungen, Stellen abzubauen.»

Ivo Zimmermann, Swissmem-Sprecher

Unterstützung erhält die Eventbranche von Swissmem, dem Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Er fordert, dass der Bundesrat möglichst rasch die Verlängerung der maximalen Bezugsdauer für Kurzarbeitsentschädigung auf 24 Monate beschliesse.

«Je länger er zuwartet, desto mehr Firmen sind möglicherweise gezwungen, Stellen abzubauen», sagt Sprecher Ivo Zimmermann. Potenziell betroffen seien rund 200 Industrieunternehmen, die bereits seit Frühling 2020 Kurzarbeit abgerechnet hatten. «Ein rascher Entscheid schafft Planungssicherheit und dämpft den unmittelbaren Druck, einen Stellenabbau vorzunehmen.»

Verunsicherung herrscht auch im Tourismus und in der Luftfahrt. Der Hotelierverband Hotelleriesuisse betont, die Betriebe seien aufgrund der «bereits erlittenen massiven Einbussen im Jahr 2020 und der düsteren Aussichten für das gesamte Jahr 2021» nach wie vor auf Kurzarbeit angewiesen, um eine Entlassungswelle zu verhindern.

Bereits im Februar warnten Gewerkschaften im Umfeld der Luftfahrt, dass eine baldige Verlängerung der Kurzarbeit nötig werde. Ansonsten drohten Massenentlassungen. Ebenso pocht die Flugzeugwartungsfirma SR Technics laut SRF auf eine Verlängerung.

Völlig offen, wann der Bundesrat entscheidet

Was den betroffenen Firmen nicht gefallen wird: Es ist offen, wann der Bundesrat über eine Verlängerung befindet. Das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung bereite zurzeit einen entsprechenden Antrag zuhanden des Bundesrats vor, heisst es vonseiten des Staatssekretariats für Wirtschaft. Der Bundesrat werde zu gegebener Zeit darüber entscheiden.

Wann dies ist, bleibt jedoch offen. Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit, sagte diese Woche, ein Entscheid dürfte in den kommenden Monaten fallen. Die Unternehmen und ihre Angestellten müssen also weiterhin zittern.

1,6 Milliarden Franken wurden ausbezahlt

Lange ging es gar nicht vorwärts beim Auszahlen von Härtefallgeldern für die am stärksten betroffenen Firmen. Bis Mitte März gelangten über diese Hilfsmassnahme knapp 500 Millionen Franken vor allem an Firmen im Gastgewerbe, Detailhandel und in der Beherbergung.

Nun gab es aber einen Schub. Die neusten Daten des Bundes zeigen: Bis zum 6. April wurden insgesamt fast 1,6 Milliarden Franken an À-fonds-perdu-Zahlungen ausbezahlt. Und das für insgesamt fast 20’000 Firmen. Hinzu kommen rund 140 Millionen Franken in Form von Darlehen, Bürgschaften und Krediten für rund 1700 Betriebe.

Allein im Kanton Zürich sind rund 580 Millionen Franken à fonds perdu an rund 4600 Firmen ausbezahlt worden. Im Kanton Bern waren es etwas über 100 Millionen Franken an fast 1500 Unternehmen. Baselland und Basel-Stadt zahlten je rund 30 Millionen aus, an insgesamt 430 (Baselland) beziehungsweise 371 (Basel-Stadt) Firmen. (phf)

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