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Geschäftsgang von Meier Tobler in Schwerzenbach

Lichtblicke nach Pandemie und Cyberangriff

Meier Tobler mit Sitz in Schwerzenbach schlägt sich wacker in der Coronakrise. Trotz geringerem Umsatz steigt der Gewinn. Hoffnung auf nachhaltiges Wachstum machen drei Trends.

Jörg
Marquardt
Freitag, 05. März 2021, 07:00 Uhr Geschäftsgang von Meier Tobler in Schwerzenbach

Kein Nobelhotel, sondern ein kleines Studio bot am Donnerstagmorgen die Kulisse für die Konferenz von Meier Tobler. In einem Live-Webcast präsentierte der Klimatechnikkonzern mit Sitz in Schwerzenbach seinen Jahresabschluss 2020. CEO Roger Basler trat erstmals seit dem Amtsantritt im letzten September vor die Medienvertreter und Analysten. Ihm zur Seite: Finanzchef Lukas Leuenberger.

Erwartungsgemäss war der Geschäftsgang belastet von den Folgen der Pandemie. So hatte der erste Lockdown für stillgelegte Baustellen, einen eingeschränkten Zugang zu Gebäuden sowie Unterbrüche in der Lieferkette gesorgt. Infolgedessen fiel der Umsatz im ersten Halbjahr um 6,3 Prozent. «Der Rückgang der Tagesumsätze bewegte sich teilweise im zweistelligen Bereich», sagte Leuenberger.

Besser durch zweite Welle

Trotzdem sei man «vergleichsweise gut» durch das Corona-Jahr gekommen. Der Grund: Ein Wiedererstarken der Nachfrage sowie geringere Restriktionen während der zweiten Welle bescherten Meier Tobler im zweiten Halbjahr ein Umsatzplus. Dadurch ergab sich für das gesamte Jahr nur ein Rückgang von 1,7 Prozent auf neu 487 Millionen Franken.

Eine ähnliche Dynamik reklamierte der Finanzchef auch für den Betriebsgewinn (Ebitda). Trotzdem lag dieser mit 26,6 Millionen Franken deutlich unter dem Vorjahreswert (27,4 Millionen). Zwar habe man den Rückgang im Bruttogewinn durch Einsparungen bei den operativen Ausgaben ausgleichen können. Aber zwei Faktoren kassierten diesen Effekt wieder ein: erstens Kunden, die in Zahlungsschwierigkeiten gerieten und so die Forderungsverluste erhöhten; zweitens höhere IT-Projektkosten.

Zur Erinnerung: Ein Cyberangriff im Juli 2019 hatte dem Unternehmen einen Millionenschaden zugefügt. Für den Neuaufbau und den besseren Schutz seiner IT-Infrastruktur, auch im Zusammenhang mit der Fusion von Walter Meier und Tobler Haustechnik, fallen weiterhin hohe Kosten an.

Weniger Verschuldung

Die Ebitda-Marge verschlechterte sich im Berichtszeitraum von 5,5 auf 5 Prozent. Beim Ebit, der auf 8,6 Millionen Franken zurückging (Vorjahr: 11 Millionen), macht Meier Tobler die jährliche Goodwill-Abschreibung aus der Fusion geltend.

Zufrieden zeigte sich Leuenberger dagegen mit der Entwicklung der Bilanz: Die Nettoverschuldung konnte um 48,4 Millionen auf 33,6 Millionen Franken reduziert werden. Dadurch verringerte sich auch der Finanzaufwand um 1,8 Millionen Franken. Für das Geschäftsjahr 2020 ergibt sich so eine deutliche Gewinnsteigerung: von 1,3 auf 3,9 Millionen Franken.

Keine Dividende

Die Aktionäre profitieren davon aber nicht. Auch 2021 verzichtet Meier Tobler auf eine Dividende. Erst ab nächstem Jahr wird wieder eine Ausschüttung in Betrachtung gezogen – so ganz genau wollte sich das Management diesbezüglich nicht in die Karten schauen lassen. Da der Investitionsbedarf vorerst jedoch überschaubar bleibe, bestehe grundsätzlich die Möglichkeit, einen hohen Anteil des Gewinns weiterzugeben, so Leuenberger. Ihm zufolge strebt das Unternehmen eine stabile und nachhaltige Dividendenausschüttung bis 2024 an.

«Wir bewegen uns immer noch auf einem guten Level.»

CEO Roger Basler

Im selben Zeitraum will man auch die Ebitda-Marge auf ein Niveau von mindestens 8 Prozent anheben. An der Erreichbarkeit dieses Ziels gibt es Zweifel. Denn die Pandemie hemmt die Baukonjunktur, von der das Wachstum abhängig ist. Dass die Baugesuche und Baubewilligungen rückläufig sind, räumt CEO Basler auch ein. «Aber wir bewegen uns immer noch auf einem guten Level.»

Rückenwind erwartet

Sein Optimismus gründet sich auf mehreren Trends, die Meier Tobler Rückenwind verleihen würden: die Energiewende, die Digitalisierung und die Energieeffizienz. Ausführlich stellte er an der Konferenz neue Produkte vor, um die Zukunftsfähigkeit des Konzerns zu veranschaulichen. Vor allem das wachsende Geschäft mit Wärmepumpen spielt künftig eine tragende Rolle. Sie sollen alte Öl- und Gasheizungen ersetzen – eine Entwicklung, die der Bund im Rahmen der Energiewende auch gezielt fördert. Zugleich muss Meier Tobler die Verluste im Bereich Öl und Gas auffangen.

Für 2021 gibt das Management keine detaillierten Prognosen zur finanziellen Entwicklung bekannt. Dafür sei das laufende Jahr durch zu viele Ungewissheiten gekennzeichnet. Sofern sich die Pandemie-bedingten Restriktionen in Grenzen halten und die Baukonjunktur stabil bleibt, rechnet Leuenberger mit einem Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres. Bei der Profitabilität sieht er sogar Luft nach oben.

Bei den Anlegern sorgte die jüngste Bilanz zumindest für gute Laune: Der Kurs von Meier Tobler verbesserte sich am Donnerstag um knapp 7 Prozent.

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