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Homeoffice

Arbeitgeber muss sich an Wohnungsmiete beteiligen

Das Bundesgericht hat eine Firma zu einer Entschädigung fürs Homeoffice verknurrt. Das Urteil dürfte grosse Auswirkungen haben.

Redaktion
Züriost
Sonntag, 24. Mai 2020, 13:43 Uhr Homeoffice
Firmen, die auf Homeoffice setzen, müssen sich an den Mietkosten beteiligen.
Symbolfoto: Pixabay

Schweizer Unternehmen müssen Angestellten einen Anteil an die Wohnungsmiete zahlen, wenn sie diese im Homeoffice arbeiten lassen. Das hält das Bundesgericht in einem aktuellen Fall fest, wie die «Sonntagszeitung» berichtet. Ein Mitarbeiter einer Zürcher Treuhandfirma hatte die Entschädigung geltend gemacht.

Die Firma wandte zwar ein, dass sie mit dem Angestellten nie eine entsprechende Entschädigungsvereinbarung getroffen habe. Doch die Richter liessen das nicht gelten. Die Firma muss die Entschädigung sogar rückwirkend zahlen.

Coronakrise sei Grenzfall

Thomas Geiser, Professor für Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen betont im Interview mit der Zeitung, dass dieses Urteil jedoch nicht bedeute, dass jeder Anspruch auf eine Mietbeteiligung durch den Arbeitgeber habe. Nur wenn man unfreiwillig im Homeoffice arbeite, könne man den Anspruch geltend machen. «Wer auf eigenen Wunsch zu Hause arbeitet, hat diesen Anspruch nicht.»

Die Coronakrise, die zahlreiche Arbeitnehmer ins Homeoffice schickte, sei ein Grenzfall. Das Homeoffice sei nur vorübergehend. Gerichte könnten deshalb seiner Ansicht nach argumentieren, «dass die vorübergehende Phase noch keinen Grund für eine Entschädigung darstellt». Wenn das Homeoffice allerdings eine starke Einschränkung mit sich führe, dann wäre eine Entschädigung wieder denkbar.

«Mietentschädigungen für Homeoffice werden in Zukunft selbstverständlich sein.»

Thomas Geiser, Professor für Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen

Mit starker Einschränkung meint Geiser beispielsweise die Situation, wenn ein Arbeitnehmer von einer kleinen Vierzimmerwohnung aus arbeiten müsse – zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern. Das «kann schon über eine kurze Zeitdauer einen grossen Verzicht bedeuten».

Grunsätzlich, so Geiser, dürfte das Urteil schweizweit grosse Auswirkungen haben. Er glaubt, dass Mietentschädigungen für Homeoffice in Zukunft selbstverständlich werden – «ähnlich wie das heute bei Generalabonnements im öffentlichen Verkehr oder bei Privatautos, die teilweise geschäftlich genutzt werden».

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