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Distrelec wechselt in deutsche Hände

Elektronik-Händler aus Nänikon

Distrelec wechselt in deutsche Hände

Nach der Massenentlassung im 2017 steht die Firma Distrelec mit Sitz in Nänikon nun vor der nächsten grossen Weichenstellung: Der Mutterkonzern trennt sich von der Elektronik-Händlerin. Käuferin ist eine Beteiligungsgesellschaft aus München.

Jörg
Marquardt
Freitag, 03. Januar 2020, 18:45 Uhr Elektronik-Händler aus Nänikon
Distrelec mit Sitz in Nänikon gehört bald zur deutschen Aurelius-Gruppe.
Archivfoto: Christian Merz

Der Elektronik-Händler Distrelec mit Sitz in Nänikon und Manchester erhält eine neue Eigentümerin: die deutsche Aurelius-Gruppe. Dies vermeldete die Beteiligungsgesellschaft aus Grünwald bei München kürzlich in einer Medienmitteilung.

Damit bestätigt sich ein Bericht des «Boten der Urschweiz». Die Regionalzeitung hatte im August 2019 auf einen möglichen Verkauf hingewiesen – als Folge einer nachlassenden Konjunkturdynamik beim Urner Mutterkonzern Dätwyler Holding AG. Distrelec bildet dort den Geschäftsbereich «Technical Components».

Laut «Bote der Urschweiz» hätten unter anderem die Auswirkungen des Handelsstreits auf die Automobilindustrie zu einer Prüfung der «strategischen Optionen» für diesen Bereich geführt, inklusive Verkauf.

Weiterer Verkauf

Neben Distrelec tritt die Dätwyler auch ihren Geschäftsbereich Nedis an die Aurelius ab. Beide Einheiten erwirtschaften mit insgesamt circa 850 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 275 Millionen Euro, wie es in der Mitteilung heisst.

Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Vollzogen werden soll der Erwerb im ersten Quartal 2020.

Um einen nahtlosen Übergang der Geschäftstätigkeit zu ermöglichen, wolle Aurelius die Einheiten finanziell und operativ unterstützen. Ziel sei es, sie «zu erfolgreichen eigenständigen Unternehmen zu entwickeln und auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zu bringen».

Massentlassung im 2017

Im März 2017 hatte Distrelec angekündigt, rund ein Drittel seiner Stellen – 50 von insgesamt 155 – von Nänikon nach Manchester zu verlagern (wir berichteten). Betroffen waren die Bereiche Produkt-, Lieferanten-, Beschaffungs-, E-Commerce- und Marketingmanagement. Als Grund  nannte die Mutterfirma Dätwyler eine «effizientere Gestaltung der Arbeitsprozesse» am neuen Kompetenzzentrum in Grossbritannien.

Ab Juli 2017 wurden die ersten Kündigungen in Nänikon ausgesprochen. Im Rahmen des Konsultationsverfahrens, das bei Massenentlassungen gesetzlich vorgeschrieben ist, hatte der Betriebsrat dem ausgehandelten Sozialplan zugestimmt.

Nur noch 60 Mitarbeiter in Nänikon

Insgesamt beschäftigt Distrelec laut Mitteilung rund 600 Mitarbeiter. Der «Bote der Urschweiz» hatte die Zahl der Mitarbeiter am Standort Nänikon im August 2019 mit 80 angegeben. Gegenüber dem ZO/AvU sprach Guido Unternährer, Leiter Unternehmenskommunikation bei Dätwyler, jetzt von zurzeit 60 Mitarbeitern.

Zu möglichen Auswirkungen des Verkaufs auf die Belegschaft, etwa weitere Kündigungen, verweist Unternährer auf die neue Eigentümerin. Die Aurelius-Gruppe will sich ihrerseits dazu nicht äussern. Laut der Kommunikationsverantwortlichen Anke Banaschewski könne man vor Abschluss der Transaktion «keinerlei Aussagen» treffen.

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