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Widersprüchliche Zahlen gefährden Deal

Volketswiler in «Die Höhle der Löwen»

Widersprüchliche Zahlen gefährden Deal

In der TV-Sendung «Die Höhle der Löwen» verstrickt sich Unternehmer Markus Hertig aus Volketswil in Widersprüche. Das schmeckt den potenziellen Investoren gar nicht. Bekommt er trotzdem einen Deal für seinen Schirm mit integriertem Ortsplan?

Jörg
Marquardt
Dienstag, 11. Juni 2019, 22:30 Uhr Volketswiler in «Die Höhle der Löwen»

Seine Kompost-Toilette brachte dem Wilemer Unternehmer Jojo Linder in der TV24-Sendung «Die Höhle der Löwen» keinen Erfolg. Von den fünf potenziellen Investoren, den Löwen, war niemand bereit, 1 Million Franken gegen 15 Prozent Firmenanteile zu investieren (wir berichteten).

Am Dienstagabend versuchte nun ein weiterer Unternehmer aus der Region sein Glück: Markus Hertig aus Volketswil war gekommen, die Löwen von seiner Kreation «Rainmap» zu überzeugen – einem Taschenschirm mit Ortsplan auf der Innenseite (wir berichteten). Hertig ist Inhaber der Hemag Lifestyle GmbH in Volketswil. Den Rainmap vertreibt er seit August 2017.

Der Auftritt von Markus Hertig aus Volketswil in der TV24-Sendung «Die Höhle der Löwen».

Anders als sein Vorgänger Linder setzte er die Messlatte für Investitionen deutlich tiefer. «Ich brauche 80'000 Franken und bin bereit, 20 Prozent Firmenanteile abzugeben», sagte er zu Beginn seiner Präsentation. Mit der Unterstützung der Löwen wolle er die Schirme «richtig pushen» in diesem Jahr, «und zwar im Bereich Onlinehandel, Hotel, Tourismus, Reisebranche, also wirklich querbeet.»

Damit hatte Hertig die verschiedenen Branchen der Löwen direkt angesprochen. Ein kluger Schachzug, der ihm die Aufmerksamkeit von Onlinehandel-Experte Roland Brack und Business-Apartment-Pionierin Anja Graf sicherte. Aber auch Nachhaltigkeitsunternehmer Tobias Reichmuth und Verleger Jürg Marquard zeigten sich interessiert und stellten eifrig Fragen. Nur Technologieunternehmerin Bettina Hein hielt sich zurück: «Ich sehe mich nicht im Schirmgeschäft und weiss nicht, was ich konkret beitragen könnte. Ich bin draussen.»

Wie am Schnürchen

Im ersten Teil der Fragerunde lief für Hertig alles wie am Schnürchen. Wie er denn überhaupt auf die Idee mit dem Schirm gekommen sei, wollten die Löwen von ihm wissen. Ob man auch ein Logo auf dem Rainmap anbringen können («Ja klar, auf jeden Fall») und ob sich der Schirm auch automatisch schliessen lasse («Jawohl»).

«Ich habe den Rainmap natürlich schützen lassen, zuerst einmal in der Schweiz, aber eine Ausweitung auf Europa kann man sofort machen.»

Markus Hertig, Hemag Lifestyle GmbH

Dann ging es langsam ans Eingemachte. «Aber da könnte ja jeder kommen und sagen: Ich bedrucke die Innenseite eines Schirms mit einer Stadtkarte von München oder Berlin», warf Reichmuth ein. Hertig wischte diesen Einwand sofort vom Tisch: «Ich habe den Rainmap natürlich schützen lassen, zuerst einmal in der Schweiz, aber eine Ausweitung auf Europa kann man sofort machen.»

Auch die Nachfrage von Marquard, wie es um das Copyright des verwendeten Kartenmaterials bestellt sei, konnte der Erfinder souverän beantworten: Für jeden verwendeten Ortsplan müsse er eine Linzenzgebühr entrichten.

Verstrickt in Widersprüche

Positiv überrascht reagierten die Löwen auch, als sie erfuhren, dass Hertig nicht als Einzelfirma angetreten war, sondern eine GmbH gegründet hatte und sich bereits einen Lohn auszahlt. «Darf ich fragen, wie viel Lohn Sie jetzt beziehen», wollte Marquard wissen. «Das sind 5200 im Monat», sagte Hertig frei heraus.

Dann aber verstrickte sich der Volketswiler in Widersprüche. Er behauptete, bisher 23'000 Schirme verkauft und im 2018 einen Umsatz von 220'000 Franken erzielt zu haben. Bei einem Einkaufspreis von 8 Franken und einem Wiederverkaufspreis von 23 Franken pro Stück hätte der Umsatz aber deutlich höher ausfallen müssen. «Etwa eine halbe Million», rechnete Marquard vor.

«Wenn Sie mir sagen würden, Sie hätten 23'000 Schirme verkauft, und ich würde nachher herausfinden, 12'000 sind am Lager, da möchten Sie lieber nicht mit mir zu tun haben.»

Jürg Marquard, Verleger und «Löwe»

Daraufhin musste Hertig kleinlaut zugeben, dass er von den eingekauften Schirmen nur etwas mehr als die Hälfte verkauft habe. Das Vertrauen in seine Person begann zu wanken. «Wenn ich Ihr Partner wäre und Sie würden mir sagen, Sie hätten 23'000 Schirme verkauft, und ich würde nachher herausfinden, 12'000 sind am Lager, da möchten Sie lieber nicht mit mir zu tun haben. Darum bin ich draussen», sagte Marquard sichtlich verärgert.

Zweifel an Person, Vertrauen ins Produkt

Auch die anderen Löwen zeigten sich befremdet über die falschen Zahlen. Trotzdem: Dem Beispiel Marquards wollten sie nicht sofort folgen. Stattdessen zogen sich Reichmuth, Brack und Graf für eine separate Absprache zurück. «Ich traue ihm nicht so ganz über den Weg», sagte Reichmuth unter sechs Augen. Dass der Rainmap aber eine gute Geschäftsidee ist, wollte keiner der drei bestreiten.

Und so nahm die Sendung für Hertig nochmals eine Wendung. Brack und Graf unterbreiteten ihm ein gemeinsames Angebot: 160'000 Franken für 70 Prozent Firmenanteile. Zudem verpflichtete sich Graf, 10'000 Schirme abzunehmen und über die nächsten zwei Jahre zu verkaufen, während  Brack seinen Online-Kanal zum Vertrieb des Rainmap nutzen würde. Reichmuth stieg jedoch aus.

Markus Hertig war die Erleichterung über diesen Deal anzumerken: «Vielen Dank für das Angebot. Ich finde das gut und würde es gern annehmen», sagte er und willigte per Handschlag ein.

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