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Ein Abend ohne Nebengeräusche

GV der ZO Medien AG

Ein Abend ohne Nebengeräusche

Am Freitagabend hielt die Zürcher Oberland Medien AG in Volketswil ihre diesjährige Generalversammlung ab.

Jörg
Marquardt
Freitag, 10. Mai 2019, 23:36 Uhr GV der ZO Medien AG

Nur eine Versammlung war die Zürcher Oberland Medien AG mit Sitz in Wetzikon von der runden 150. Generalversammlung entfernt. Aber schon die gestrige 149. im Volketswiler Parkhotel Wallberg sollte rund und ohne kritische Nebengeräusche verlaufen.

Die 190 anwesenden Aktionäre, die insgesamt 9886 Namensaktien auf sich vereinigten, nutzten die Gelegenheit zum Votum nicht. Damit schritt das Wahlgeschäft zügig voran.

Nur moderater Rückgang

Vorab hatte Karin Lenzlinger, Verwaltungsratspräsidentin der ZO Medien, einen kurzen Rückblick auf das Geschäftsjahr 2018 unternommen. Angesichts des Konkurses des Anzeigenvermarkters Publicitas und der anhaltenden Probleme mit dem (inzwischen verkauften) «Winterthurer Stadtanzeiger» wertete sie den Umsatzrückgang von 1,8 Prozent als noch «gut».

Viel erfreulicher sei aber die Entwicklung beim operativen Ergebnis vor Abschreibungen gewesen, das man auf 7,3 Prozent steigern konnte. Parallel dazu sei der Betriebsgewinn nach Abschreibungen um einen Prozentpunkt auf 4,6 Prozent gestiegen.

Für diese Entwicklung machte Lenzlinger mehrere Faktoren geltend: unter anderem den Kauf des «Tössthalers», den Rückzug aus dem Winterthurer Markt sowie ein konsequentes Sparen auf der Aufwandseite.

«Bleiben wir unverzichtbar.»

Benjamin Rothschild, stellvertretender Chefredaktor 

Lenzlinger informierte die Aktionäre auch über das Auslaufen des Aktionärsbindungsvertrags mit Tamedia per Ende 2019. Die Mediengruppe hält 37,6 Prozent des Aktienkapitals und stellt zwei Vertreter im Verwaltungsrat der ZO Medien. Aus «Compliance-Gründen» sei keine Erneuerung des Vertrages vorgesehen.

Es gebe aber eine schriftliche Zusicherung des Tamedia-Verwaltungsratspräsidenten Pietro Supino, dass die «gut funktionierende Zusammenarbeit» im gleichen Sinne der früheren Vereinbarung und im Sinne der aktuellen Statuten fortgeführt werden solle. Das schliesst auch ein Halten des derzeitigen Aktienanteils von Tamedia ein.

Daraufhin ergriff CEO Dani Sigel das Wort. Nach einem Überblick über die Entwicklung in den einzelnen Geschäftsfeldern kam er auf den digitalen Wandel zu sprechen. Dieser werde die ZO Medien weiter massiv beschäftigen. Sigel schlug jedoch vor, dem Wandel entspannter entgegenzusehen, da die Transformation inzwischen zum Alltag gehöre.

Es komme darauf an, die Arbeitsprozesse anzupassen sowie den Fokus auf das bewegte Bild zu verstärken und die Kundenansprache in der digitalen wie in der analogen Welt zu verbessern.

Alle Anträge angenommen

Ohne Wortmeldungen ging anschliessend das Wahlgeschäft über die Bühne.
Zunächst genehmigten die Aktionäre mit wenigen Enthaltungen den Jahresbericht und die Jahresrechnung 2018. 

Die Beschlussfassung über die Verwendung des Bilanzgewinns, der eine Dividende von 40 Franken pro Aktie vorsieht, nahmen die Aktionäre mit einer Enthaltung an.

Die Entlastung des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung erfolgt mit einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen.
Ueli Eckstein (Uster) als Vertreter der Tamedia und Theo Schaub (Zumikon) wurden ebenfalls wiedergewählt – beide mit einer Gegenstimme.

Vor der Ersatzwahl für Verwaltungsrätin Silvia Marti stellte sich der vom Verwaltungsrat vorgeschlagene Stefan Lenz den Aktionären vor. Der Unternehmensberater, der auch im Gemeinderat Wetzikon tätig ist – «mit hörbar blauer Farbe», wie er sagte – will dem Gremium dabei helfen, einen Mehrwert sowohl bei der lokalen Vernetzung als auch bei der Kundenerfahrung zu generieren. Mit einer Gegenstimme und wenigen Enthaltungen wurde Lenz gewählt.

Unabhängige Regionalmedien

Beschlossen wurde der offizielle Teil des Abends von Benjamin Rothschild, dem stellvertretenden Chefredaktor. Er setzte sich in seinem Referat mit der «Unverzichtbarkeit unabhängiger Regionalmedien» auseinander. Dabei bestimmte er die regionale Verankerung in Kombination mit unabhängigem Journalismus als Exklusivitätsmerkmal der ZO Medien.

Aus der Unabhängigkeit leitete er eine «moderierende Funktion» ab, die in Zeiten des Internets mit seinen digitalen Echokammern unverzichtbar sei. Nur so könne ein Forum entstehen, das unterschiedliche Milieus miteinander vernetze. «Bleiben wir unverzichtbar», lautete sein Schlussappell.

Rücktritt nach 17 Jahren im Verwaltungsrat

Seit 2002 gehörte Silvia Marti dem Verwaltungsrat der Zürcher Oberland Medien AG an. Nun hatte sie um einen frühzeitigen Rücktritt gebeten. Verwaltungsratspräsidentin Karin Lenzlinger dankte Marti an der 149. Generalversammlung für ihren «grossen und sehr zuverlässigen Einsatz», aber auch für ihre kritische Haltung: «Kritische Diskussionsteilnehmer sind manchmal unangenehm. Langfristig sind sie aber sehr wertvoll, muss man sich doch genau überlegen, wie man das Geschäft entsprechend vertritt.» Vermissen werde sie auch Martis dezidierte kritische Meinungen zu redaktionellen Leistungen. Sie hoffe, dass man damit auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat rechnen dürfe.

Als Ersatz für Marti wählten die Aktionäre Stefan Lenz. Den Unternehmensberater und Präsidenten der FDP Wetzikon sowie Gemeinderat in Wetzikon hatte Lenzlinger als«Wunschkandidat» vorgestellt. Mit ihm wolle der Verwaltungsrat die durch den Austritt Martis fehlende Finanzkompetenz zurückgewinnen. Geltend machte die Präsidentin dabei auch Lenz’ Kompetenzen beim digitalen Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft. (jöm)

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