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Einmalige Effekte belasten Bilanz der ZO Medien

Wetziker Verlags- und Medienhaus

Einmalige Effekte belasten Bilanz der ZO Medien

Die schlechte Performance der Wertschriften und der Kauf des «Tössthalers» haben das Unternehmensergebnis der Zürcher Oberland Medien AG mit Sitz in Wetzikon gegenüber dem Vorjahr halbiert. CEO Dani Sigel sieht darin aber keinen Grund zur Sorge.

Jörg
Marquardt
Freitag, 26. April 2019, 18:10 Uhr Wetziker Verlags- und Medienhaus

Trotz aller Lamenti in der Medienbranche stehe man gut da. So lautet das Fazit von Verwaltungsratspräsidentin Karin Lenzlinger zum zurückliegenden Geschäftsjahr der Zürcher Oberland Medien AG. Dabei haben sowohl der Konkurs des einstmals grössten Anzeigenvermarkters der Schweiz «Publicitas» als auch die anhaltend tiefen Erlöse beim «Winterthurer Stadtanzeiger» die Bilanz des Verlags- und Medienhauses mit Sitz in Wetzikon belastet.

Gegenüber dem Vorjahr verzeichnen die ZO Medien daher einen Erlösrückgang von 1,8 Prozent auf 25,9 Millionen Franken. Allerdings betrug der Rückgang im 2017 noch 7,8 Prozent. Dass die Einbussen geringer ausfielen, hatte auch mit dem Kauf des «Tössthalers» rückwirkend per 1. Januar 2018 zu tun. Denn schon im ersten Jahr steuerte diese Zeitung ein Plus von knapp 200'000 Franken bei, was einer Deckungsbeitragsmarge von gut 23 Prozent entspricht.

ZO Medien sind rentabler geworden

Beim operativen Ergebnis (Ebit), der Aufschluss über die Ertragskraft eines Unternehmens vor dem Abzug von Zins- und Steuererträgen gibt, verzeichnen die ZO Medien eine Trendwende: War der Ebit im Vorjahr noch um 28,4 Prozent auf 952’000 Franken zurückgegangen, so stieg er im 2018 um 24 Prozent auf knapp 1,2 Millionen Franken an.

Die Ebit-Marge, die prozentual widerspiegelt, welches operative Ergebnis durch einen Jahresumsatz erzielt wurde und wie rentabel ein Unternehmen somit ist, stieg demgegenüber nur leicht an: von 3,6 Prozent auf knapp 4,6 Prozent.

Der Ebitda, der aus dem Ergebnis zusätzlich noch die Abschreibungen herausrechnet, verzeichnet gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um 194’000 Franken auf knapp 1,9 Millionen Franken. Die Ebitda-Marge verbesserte sich im Berichtszeitraum von knapp 6,4 auf 7,2 Prozent.

Starke Verluste bei den Wertschriften

Trotz des Inserateneinbruchs im Printbereich hatten die ZO Medien ihr Unternehmensergebnis noch 2017 um 6 Prozent auf 1,35 Millionen Franken verbessern können. Die gute Performance auf dem hohen Wertschriftenbestand war dabei ein helfender Faktor gewesen.

2018 entwickelten sich die Wertschriften dagegen schlecht und sanken um 480’000 Franken. Dies belastete – neben dem Kauf des «Tössthalers» – auch das Unternehmensergebnis: Gegenüber dem Vorjahr sank es von 1,34 Millionen auf 631’000 Franken, was einem Rückgang von 53 Prozent entspricht.

Dani Sigel (links), CEO der ZO Medien, ist über den starken Rückgang des Unternehmensergebnisses nicht beunruhigt. Mit im Bild: Chefredaktor Christian Brändli.
Archivfoto: Marcel Vollenweider

«Ich bin über diese Entwicklung nicht beunruhigt», sagt Dani Sigel, CEO der ZO Medien. Der Rückgang beruhe auf einmaligen Effekten. Nachdem sich die Wertschriften wieder auf das alte Niveau zurückbewegt hätten, seien diese Anfang 2019 aufgelöst worden. «Damit können wir nun einen grossen Teil der Kosten für den geplanten Neubau unseres Medienhauses aus eigenen Mitteln stemmen.»

«Ich gehe davon aus, dass die Synergieeffekte in diesem Geschäftsjahr noch stärker zum Tragen kommen.»

Dani Sigel, CEO ZO Medien

Bei der Investition in den «Tössthaler» habe es sich um einen bewussten strategischen Entscheid gehandelt. Mit einem Deckungsbeitrag von fast 20 Prozent stehe die Zeitung heute schon gut da, obwohl deren Integration erst Mitte 2018 realisiert werden konnte. «Ich gehe davon aus, dass die Synergieeffekte in diesem Geschäftsjahr noch stärker zum Tragen kommen», so Sigel.

Anstieg der E-Paper-Abos

2018 entfielen 39,6 Prozent der Gesamterlöse auf die Einnahmen der Abonnements (im Vorjahr: 39 Prozent). Davon wiederum stellten die Printabos mit 96,7 Prozent den Löwenanteil gegenüber den Digitalabos (E-Paper und Züriost) mit 3,3 Prozent. Allerdings ist die Zahl der E-Paper-Abos im Berichtszeitraum um 18,8 Prozent von 814 auf 967 angestiegen. Dabei beobachtet die Geschäftsleitung auch eine Verlagerung von Züriost-Abos.

Im Falle der Printabos setzte sich die abnehmende Tendenz der letzten Jahre fort: Gegenüber dem Vorjahr sank die Auflage des ZO/AvU (ohne «Tössthaler») um knapp 1400 Exemplare.

«Was in einer Region gut funktioniert, muss nicht zwangsläufig auch in einer anderen funktionieren.»

Dani Sigel, CEO ZO Medien

«In der Medienbranche beginnt man erst langsam zu begreifen, dass der Erfolg in der digitalen Welt aus vielen Komponenten besteht, technologischen und inhaltlichen. Fixfertige Lösungen gibt es keine», sagt Sigel.

Jedes Verlags- und Medienhaus müsse individuell herausfinden, wie es seine Leser am besten erreicht. «Was in einer Region gut funktioniert, muss nicht zwangsläufig auch in einer anderen funktionieren.» Man befinde sich in einem laufenden Lernprozess, der eine Offenheit für Neuerungen voraussetze – und keine Angst, Fehler zu machen. «Wir sind auf einem guten Weg», sagt Sigel.

Die einzelnen Geschäftsfelder

Schlüsselt man die Erlöse aus den Abonnements, Inseraten und anderen Einnahmequellen auf die einzelnen Geschäftsfelder auf, zeigt sich folgendes Bild:

  • Die Tageszeitung hat 2018 den nominal grössten Anteil verloren. Der Nettoerlös sank um 4,3 Prozent von 22,5 auf knapp 21,6 Millionen Franken. Durch «gezieltes Kostenmanagement» habe man diese Abnahme jedoch überkompensieren können, wie die Geschäftsleitung mitteilt. So verbleibt eine Zunahme beim Deckungsbeitrag von 136’000 Franken.
  • Bei den Wochenzeitungen («Regio», «Glattaler»/«Volketswiler» und «Stadi») stieg der Nettoerlös insgesamt um 14,3 Prozent von 5,4 auf 6,2 Millionen Franken. Diese Entwicklung geht vor allem auf Restrukturierungen zurück, die zu guten Ergebnissen bei «Regio» und «Glattaler»/«Volketswiler» führten. Umgekehrt schrieb der «Stadi» 2018 wie schon im Vorjahr mehr als eine halbe Million Franken Verlust. Da sämtliche Massnahmen zur Aufwandreduktion oder Erlössteigerung ihre Wirkung verfehlten, entschloss sich die Geschäftsleitung zum Verkauf der Zeitung per Ende 2018. Der Erlös des «Tössthalers» in Höhe von 198’000 Franken ist nicht ins Ergebnis der Wochenzeitungen eingeflossen.
  • Das Profitcenter Digital verzeichnet einen Anstieg des Nettoerlöses um 9,1 Prozent auf 1,6 Millionen Franken. Parallel dazu haben die Aufwände um 6,4 Prozent zugenommen. Der Umsatz mit digitaler Werbung und Abos wuchs im Berichtszeitraum um über 40 Prozent auf 710‘000 Franken. Das entspricht rund 3 Prozent des gesamten Abo und Anzeigenumsatzes. Laut Geschäftsleitung entwickelte sich das Geschäftsfeld «erwartungsgemäss». Für das laufende Geschäftsjahr budgetiere man daher eine Erlös- beziehungsweise Margensteigerung.

Ausblick mit Zuversicht

Nach den grossen Einschnitten in den Vorjahren ist 2018 für CEO Sigel weit weniger von Sparmassnahmen als von inhaltlichen und strategischen Weichenstellungen geprägt gewesen. «Ich gehe davon aus, dass diese Entwicklung auch im laufenden Jahr anhält. Aber die Transformation unserer Branche schreitet natürlich voran.»

So sei der Schwund bei den Printabonnements bisher nicht gestoppt worden, und umgekehrt könne man auch noch keinen sprunghaften Anstieg bei den Digitalabos vorweisen. Der gute Geschäftsgang im ersten Quartal 2019 stimme ihn aber zuversichtlich, dass die ZO Medien wieder Abonnenten zurückholen und neue Leser gewinnen werden.

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