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Alternative Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen

Alternative Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen

Fast 70 Prozent der Schweizer KMU finanzieren sich ohne Bank. Gemäss einer Seco-Studie haben rund 35 000 Unternehmen unbefriedigten Finanzierungsbedarf. Darum zeigen sie grosses Interesse an alternativen Finanzierungsquellen. Es geht darum, überhaupt an eine Finanzierungsquelle zu gelangen oder die die Abhängigkeit von einer einzigen zu verringern.

Lennart
Langer
Mittwoch, 17. April 2019, 09:42 Uhr
KMU profitieren von alternativen Finanzierungsmöglichkeiten.
Bild: PD/Shutterstock

Autor: Alwin Meyer, Mitgründer Swispeers (Bild: Swisspeers)

Ying und Yang der Unternehmensfinanzierung: Eigenkapital und Fremdkapital

Für die Finanzierung von Unternehmen und ihren Vorhaben bestehen zwei Formen: Eigenkapital und Fremdkapital. Eigenkapital ist voll im Risiko, partizipiert dafür am Erfolg des Unternehmens und gibt dem Kapitalgeber ein Mitspracherecht. Fremdkapital hat dieses nicht. Der Fremdkapitalgeber erhält Zinsen und sein Kapital über die vereinbarte Laufzeit zurück. Zum richtigen Mix zwischen den Kapitalformen gibt es viele Theorien und Meinungen. Der Anteil von Eigenkapital am Gesamtkapital von Schweizer Unternehmen schwankt branchenabhängig zwischen 10 und 70 Prozent und liegt im Durchschnitt bei rund 30 Prozent. Neue alternative Finanzierungsformen setzen sich vor allem für den Fremdkapitalanteil durch.

Wie alternativ sind alternative Finanzierungsformen?

Ein Drittel der Schweizer KMU verlässt sich auf die Fremdfinanzierung durch Banken. Innerhalb dieser Gruppe nutzen 75 Prozent nur diese eine Finanzierungsquelle und sind stark abhängig von ihrer Hausbank. Zwei Drittel der Unternehmen nutzen keine Bankfinanzierung, wissen sich aber mit alternativen Finanzierungsformen zu helfen. Alternative Finanzierungformen unterteilen sich in traditionelle und neue Finanzierungsquellen.

Traditionelle Finanzierungsformen für KMU sind weit verbreitet

Familie und Freunde: Familie und Freunde werden am häufigsten genutzt zur Finanzierung von jungen und kleineren Unternehmen. Sie stellen Eigenkapital oder Darlehen in unterschiedlichster Ausprägung zur Verfügung.

Lieferantenkredite: Lieferantenkredite sind kurzfristiges Fremdkapital und eignen sich für den Ausgleich von Kreditoren und Debitoren. Mit den eigenen Lieferanten werden längere Zahlungsziele vereinbart, um Liquidität für das Unternehmen zu schaffen.

Factoring/Debitorenvorfinanzierung: Die eigenen, ausgestellten Rechnungen werden von Factoring-Firmen vorfinanziert. So verkürzt das Unternehmen die Debitorenausstände.

Industriegüterleasing: Gewerblich genutzte Objekte wie Maschinen und Fahrzeuge werden vom Leasinggeber erworben und anschliessend der Firma entgeltlich zur Nutzung überlassen.

Verschiedene Investment- & Fondsgesellschaften offerieren Finanzierungen für Fremdkapital, Eigenkapital oder Zwischenformen. Diese stehen typischerweise ab einem Finanzierungsbedarf von einer Million zur Verfügung.

Digitale Finanzierungsformen eröffnen Unternehmen neue Möglichkeiten

Familie und Freunde stellen die beliebteste Finanzierungsform von jungen oder kleineren Unternehmen dar. Sie basiert auf dem eigenen Netzwerk des Unternehmers und dem Vertrauen Nahestehender. Neue Technologien erlauben es, diese Finanzierungsform auszubauen, sodass der Unternehmer auf «Freunde» zugreifen kann, die weder von ihm wussten noch er von ihnen. Diese «Freunde» sind auf digitalen Plattformen Investoren, die nach sinnvollen Anlagemöglichkeiten für ihr Geld suchen. Auf Online-Marktplätzen treffen Unternehmen mit Finanzierungsbedarf auf diese Investoren mit Anlagebedarf. Geld wird ohne Umwege produktiv eingesetzt, da wo es benötigt wird. Angebot und Nachfrage in finanziellen Belangen werden über den Online-Marktplatz abgewickelt und machen die Geschäfte einfacher, transparenter und effizienter für alle Beteiligten.

Weltweit sind solche Plattformen für die Unternehmensfinanzierungen im Vormarsch. Die grösste KMU-Finanzierungsplattform hat ihren Ursprung in England, heisst Funding Circle und hat Kredite im Umfang von über 8 Milliarden Franken an KMU vermittelt. In der Schweiz waren es 2017 bei starkem Wachstum erst 112 Millionen Franken. Plattformen für die KMU-Finanzierung mit unterschiedlicher Ausrichtung stehen im Internet zur Verfügung unter den Schlagworten Direct Lending oder KMU Crowdlending.

Die Plattformen eignen sich für Unternehmen mit einem Finanzierungsbedürfnis in folgenden Bereichen:

  • Wachstums-/Investitionsfinanzierung
  • Übernahme- und Nachfolgefinanzierungen
  • Betriebskredit für die Sicherstellung der Liquidität
  • Ablösung bestehender Finanzierungen

Investitionen über solche Marktplätze in Schweizer KMU eignen sich für private Investoren oder Freunde des Unternehmers mit Anlagebedarf in Schweizer Franken im festverzinslichen Bereich. Sie möchten Direktinvestition in Branchen oder Themen ihrer Wahl tätigen.

Die Digitalisierung der Finanzindustrie bringt viele Vorteile für KMU

Über die letzten Jahre sind Fintech-Firmen (Abkürzung für Financial Technology) entstanden, die einfachere und günstigere Lösungsmöglichkeiten für Problemstellungen in der Finanzindustrie hervorbringen. Die Swisscom Fintech Map zählt aktuell 320 solcher Unternehmen. Lösungen für KMU findet man auf der Finanzierungsseite, aber auch im Bereich Buchhaltung.

Generell entstehen neue digitale Lösungen für viele firmenübergreifenden Themenstellungen wie Personalmanagement, Marketing, Vertrieb oder eben Finanzen und Buchhaltungen. Sie vereinfachen dem Unternehmen diese Funktionen und decken sie günstig und mit hoher Qualität ab. Die Hürde, solche Lösungen zu nutzen, ist die eigene Motivation, sich damit auseinander zu setzten. Fangen sie heute damit an!