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Huber+Suhner gewinnt wichtige Marktanteile

Pfäffiker Kabelhersteller

Huber+Suhner gewinnt wichtige Marktanteile

Nach dem Gewinneinbruch 2017 hat Kabelhersteller Huber+Suhner mit Sitz in Pfäffikon wieder mehr Umsatz und Profitabilität erzielt. An der Medien- und Analystenkonferenz am Dienstag ging es aber auch um so delikate Themen wie den Umgang mit Huawei oder dem Brexit.

Jörg
Marquardt
Dienstag, 19. März 2019, 17:36 Uhr Pfäffiker Kabelhersteller

Vor einem Jahr musste CEO Urs Ryffel noch schlechte Nachrichten überbringen: Der Kabel- und Komponentenhersteller Huber+Suhner (H+S) mit Sitzen in Pfäffikon und Herisau hatte im Geschäftsjahr 2017 einen starken Gewinneinbruch erlitten, vor allem in der Sparte Fiberoptik (wir berichteten).

An der Medien- und Analystenkonferenz am Dienstagmorgen, 19. März, im Konferenzzentrum Six Conventionpoint in Zürich-West sprach Ryffel nun von einem Geschäftsjahr «mit wenig Schatten»: 2018 habe man «mit starkem organischem Wachstum geglänzt» und die Profitabilität deutlich steigern können.

Kontinuierlich gewachsen

So verbesserte sich der Umsatz von 774 Millionen Franken im 2017 auf neu 885 Millionen Franken. Das ist ein Plus von 14,3 Prozent. Nach dem Frankenschock 2015 sei man nun vier Jahre in Folge kontinuierlich gewachsen, so Ryffel. «Im letzten Jahr beschleunigte sich das Wachstum sogar.»

Beim Auftragseingang verzeichnet H+S einen Anstieg um 10,8 Prozent von 826,3 auf neu 915,2 Millionen Franken.

Lag der Konzerngewinn 2017 bei nur 41,1 Millionen Franken (knapp 21 Prozent weniger als im Vorjahr), so konnte H+S im Berichtsjahr den Gewinn wieder auf 61,4 Millionen Franken steigern. Das entspricht einem Wachstum von 45,6 Prozent.

Diese Entwicklung führte Ryffel auch auf operative Fortschritte zurück. So sei es gelungen, die Bruttomarge zu halten und den Anstieg der Kosten unterproportional zum Umsatzwachstum zu bremsen. In den Kernmärkten habe man die Marktposition ausbauen können. Zudem seien die wichtigsten Absatzmärkte des Unternehmens durch ein freundliches Marktumfeld und eine hohe Dynamik geprägt gewesen.

Zurück im Zielband

Das Betriebsergebnis (Ebit) erhöhte sich von 58,1 auf 82,5 Millionen Franken. Das entspricht einem Wachstum von 41,9 Prozent. Allerdings zeigt der Vier-Jahres-Rückblick, dass sich der Ebit nicht so linear nach oben entwickelte wie der Umsatz: Der Frankenschock 2015 und der Gewinneinbruch 2017 hatten jeweils für Rückgänge gesorgt.

Die Ebit-Marge verbesserte sich von 7,5 Prozent im Vorjahr auf neu 9,3 Prozent. Damit liegt H+S wieder deutlich im mittelfristigen Ebit-Zielband, das das Unternehmen vor zwei Jahren auf 8 bis 10 Prozent festgelegt hatte.

Zweistelliges Wachstum in allen Regionen

In allen drei Marktregionen ist der Umsatz von H+S zweistellig gewachsen: Das mit 11,3 Prozent niedrigste Wachstum verzeichnet die Region EMEA (Europa inklusive Schweiz, Mittlerer Osten und Afrika). Dennoch wurde hier mit insgesamt 44 Prozent der Löwenanteil des gesamten Umsatzes erwirtschaftet.

«Im Falle eines harten Brexit wird das Geschäft belastet, zumindest kurzfristig.»

Urs Ryffel, CEO Huber+Suhner

Auf Rückfrage erklärte Ryffel, dass sich die Unsicherheit mit dem Brexit bisher nicht negativ auf den Geschäftsgang im Vereinigten Königreich ausgewirkt habe. «Im Falle eines harten Brexit wird das Geschäft aber belastet, zumindest kurzfristig.» Man habe sich aber auf die wichtigsten Szenarien vorbereitet und zum Beispiel in gewissen Bereichen die Lager hochgefahren.

Das grösste Umsatzwachstum erzielt die Region Amerikas mit 18 Prozent. In der Region Asien-Pazifik, wo der Umsatz um 16,3 Prozent angestiegen ist, erwirtschaftete das Unternehmen 37 Prozent des gesamten Umsatzes.

Niederfrequenz als Treiber

H+S bedient drei Hauptmärkte: Kommunikation, Transport und Industrie. Das höchste Umsatzwachstum (24,6 Prozent) generierte das Unternehmen 2018 im Transport-Markt, vor allem getrieben durch das Technologiesegment Niederfrequenz. «Das ist der eigentliche Turbo für unser Wachstum», sagte Ryffel.

«Das ist mit Abstand der beste Umsatz, seit der Solar-Boom zum Erliegen gekommen ist.»

Urs Ryffel, Huber+Suhner

Insgesamt betrug der Umsatz in diesem Segment 291,4 Millionen Franken. «Das ist mit Abstand der beste Umsatz, seit der Solar-Boom zum Erliegen gekommen ist», so der CEO.

Dabei sei die Niederfrequenz einmal das Sorgenkind des Unternehmens gewesen. In den Vorjahren habe man aus Kapazitätsgründen nicht vom Wachstum profitieren können. Inzwischen könne H+S eine hohe Lieferfähigkeit trotz hoher Auslastung vorweisen.

Ryffel begründete den Wachstumssprung (die Ebit-Marge hat sich von 5,1 auf 9,8 Prozent nahezu verdoppelt) neben der hohen Auslastung auch mit der Dynamik in Asien und Europa in den beiden Teilmärkten Bahnen und Automobil.

Hochfrequenz: Abhängigkeit vom Kommunikationsmarkt

Im Technologiesegment Hochfrequenz erzielte H+S einen Umsatz von 255,4 Millionen Franken, was einem Anstieg von 10,5 Prozent entspricht.

Jenen Kritikern, die dem Unternehmen zuletzt immer wieder dessen starke Abhängigkeit vom Kommunikationsmarkt vorwarfen, entgegnete er, dass man in der Hochfrequenz neue Hightech-Nischen erschlossen und die Abhängigkeit reduziert habe. Diese Diversifikation verleihe H+S Rückenwind.

«Mir liegen keine detaillierten Informationen der Geheimdienste vor.»

Urs Ryffel, Huber+Suhner

Zum umstrittenen Ausbau der 5G-Technologie durch den chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei wollte Ryffel nicht ins Detail gehen: Politisch könne er wenig sagen, man sei zu weit weg vom aktiven Teil.

Konkret wird Huawei eine grosse Nähe zur chinesischen Regierung vorgehalten. Ihre Technologie könnte zu Spionagezwecken missbraucht werden, warnen Kritiker, vor allem aus den USA. «Mir liegen dazu keine detaillierten Informationen der Geheimdienste vor», sagte der CEO. H+S sei ein hoher Zulieferer von Huawei und hätte viel zu verlieren, sollte das Unternehmen den 5G-Marktanteil einbüssen. Er rechne sich aber auch gute Chancen bei den Konkurrenten aus.

Fiberoptik hinkt hinterher

Beim Technologiesegment Fiberoptik, das 2017 mit in stark gesunkenen Margen massgeblich für den Gewinneinbruch verantwortlich war, blieb das Umsatzwachstum von H+S nur einstellig (6,9 Prozent). Auch die Ebit-Marge verbesserte sich nur leicht von 5,6 auf 5,9 Prozent.

Dennoch gab sich Ryffel überzeugt, dass beim Ausbau von Kommunikationsnetzwerken in Schwellenländern der Zenit noch nicht überschritten habe. Dazu verwies er auf den hohen Umsatzbeitrag, der in Indien mit Mobilfunkinfrastrukturprojekten erzielt worden sei. Zudem würden Geschäfte mit Rechenzentren stark wachsen.

Weniger Investitionen

Punkto Investitionen verzeichnet H+S 2018 nur unterdurchschnittliche Ausgaben. Sie betrugen 3,1 Prozent vom Umsatz (im Vorjahr: 4,9 Prozent).

Finanzchef Ivo Wechsler begründete diesen Rückgang auch mit Vorlaufzeiten von zwölf Monaten für die Realisierung neuer Projekte. Er könne aber versichern, dass in den nächsten zwei Jahren etwa 5 Prozent vom Umsatz investiert würden.

Kein Stellenabbau in Pfäffikon

In dem Zusammenhang ging Wechsler kurz auf die geplante Zusammenlegung der beiden Kabelproduktionen Dorf und Witzberg in Pfäffikon ein, wo man eine «höhere Automatisierung» anstrebe.

Auf Rückfrage erklärte Ryffel, dass es sich dabei vielmehr um eine «Konsolidierung» der Standorte handle, um eine höhere Effizienz zu erzielen. Er rechne mit keinen grösseren Auswirkungen auf den Personalbestand – vorausgesetzt, dass sich der Bereich Niederfrequenz wie geplant entwickle. Zudem seien die Fertigungsprozesse in Pfäffikon ohnehin «sehr anlagengetrieben» und die Zahl der Mitarbeiter auf einem entsprechend tiefen Niveau.

Ausblick: Umsatz wie im 2018

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet man bei H+S mit einem Umsatz in der Grössenordnung von 2018. Das mittelfristige Zielband für die Ebit-Marge wird weiterhin bei 8 bis 10 Prozent veranschlagt. Laut Ryffel dürfte sich die Betriebsergebnismarge 2019 in der oberen Hälfte des Zielbandes bewegen.

Auf die Frage eines Analysten, wie denn das Geschäft in den ersten beiden Monate angelaufen sei, antwortete der CEO knapp: «Auf Kurs.»

Die jüngste Entwicklung und die Anfang März angekündigte Ausschüttung einer Jubiläumsdividende von 1 Franken pro Aktie (zusätzlich zur regulären Dividende von 1,50 Franken pro Aktie) machten sich auch an der Börse bemerkbar: Erstmals seit dem Jahr 2000 stieg der Aktien-Kurs am Dienstag wieder auf 80 Franken.

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