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Belimo erzielt Umsatzrekord

Jahresbilanz von Hinwiler Firma

Belimo erzielt Umsatzrekord

Erneut hat Belimo mit Sitz in Hinwil eine erfreuliche Jahresbilanz vorgelegt. Der Produzent von Antrieben für Heizungs- und Lüftungsanlagen ist noch profitabler geworden und erhöht die Dividende.

Jörg
Marquardt
Montag, 11. März 2019, 21:30 Uhr Jahresbilanz von Hinwiler Firma

Das «Li» in Belimo steht für «Liefern». Und geliefert – das hat die in der Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik (HLK) tätige Gruppe mit Hauptsitz in Hinwil im zurückliegenden Geschäftsjahr allemal. An der Medien- und Finanzanalystenkonferenz im noblen Hotel Widder in Zürich herrschte dann auch traute Eintracht. Kritische Rückfragen zu einzelnen Posten in der Jahresbilanz 2018 sollten weitgehend ausbleiben. Im Gegenteil. Einige Analysten leiteten ihre Wortmeldungen gar mit Glückwünschen ein.

Entsprechend gelassen und zufrieden gab sich das Management vor den etwa 30 Analysten und Medienvertretern. Von einer «erfreulichen Entwicklung» und einem «nachhaltigen, profitablen Wachstum» sprach eingangs Verwaltungsratspräsident Hans Peter Wehrli. Sein Auftritt war gleichzeitig ein Abschied: Im April zieht er sich von der Führungsspitze zurück, die er seit 1997 innehatte.

Mit einer Grafik, die den stetigen Aufwärtstrend bei der Aktienrendite seit 1995 darstellte, machte er deutlich, dass er seinem nominierten Nachfolger, Verwaltungsrat Patrick Burkhalter, ein gut bestelltes Haus übergibt.

Neues Rekordhoch

Im Geschäftsjahr 2018 konnte Belimo den Nettoumsatz um 10,8 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 642,4 Millionen Franken steigern. Währungsbereinigt entspricht dies einem Wachstum von 9,6 Prozent. Der Betriebsgewinn (Ebit) erhöhte sich von 92,6 Millionen Franken im 2017 auf rund 109,8 Millionen Franken. Das entspricht einer Ebit-Marge von 17,1 Prozent.

Gegenüber der Vergleichsperiode im Vorjahr stieg der Reingewinn um 11,3 Prozent auf 86,2 Millionen Franken.

Damit entwickelte sich der Ebit leicht besser als erwartet. Beim Reingewinn blieb das Unternehmen hingegen knapp hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Ursächlich hierfür ist ein negatives Finanzergebnis in Höhe von 4,9 Millionen Franken. Noch im Vorjahr hatte Belimo einen Ertrag von 1,8 Millionen Franken erwirtschaftet.

Den Rückgang begründete CEO Lars van der Haegen unter anderem mit Währungsverlusten bei der Bewertung von Finanzpositionen sowie mit Bankgebühren und Negativzinsen.

Schwierigkeiten auf Beschaffungsmärkten

Was Belimo ebenfalls im zurückliegenden Geschäftsjahr zu spüren bekam, waren höhere Komponenten- und Rohmaterialpreise sowie Bereitstellungskosten. Dies führte zu einer leichten Erhöhung des Materialaufwands auf 41,4 Prozent des Nettoumsatzes (gegenüber 41,2 Prozent im Vorjahr).

«Trotz schwieriger Bedingungen auf den Beschaffungsmärkten kam es im letzten Jahr zu keinem Lieferunterbruch.»

Lars van der Haegen, CEO Belimo

Markus Schürch, der als neuer CFO seinen Einstand an der Konferenz gab, sprach in dem Zusammenhang von «Schwierigkeiten auf vielen Beschaffungsmärkten», insbesondere im zweiten Halbjahr. Zwar habe sich die Lage inzwischen vielerorts entspannt. Einzelne Komponenten seien bei den Lieferanten aber weiterhin schwer erhältlich. Betroffen seien vor allem Elektronikkomponenten. «Trotz schwieriger Bedingungen auf den Beschaffungsmärkten kam es im letzten Jahr zu keinem Lieferunterbruch», versicherte van der Haegen.

Mehr als 1700 Mitarbeiter

Gegenüber 2017 nahm der Personalaufwand um 8,4 Prozent auf 171,2 Millionen Franken zu. Im Verhältnis zum Nettoumsatz resultierte mit 26,7 Prozent ein deutlich tieferer Wert (im 2017 lag dieser bei 27,2 Prozent).

Erstmals beschäftigt Belimo mehr als 1700 Mitarbeiter weltweit. So wurde die Zahl der Vollzeitstellen im Berichtsjahr um 109 erhöht, davon allein 44 in der Schweiz. Der sonstige Betriebsaufwand, der den operativen Aufwand ohne den Personalaufwand umfasst, erhöhte sich im selben Zeitraum um 6,3 Prozent auf 71,3 Millionen Franken. Im Verhältnis zum Nettoumsatz verringerte sich der Betriebsaufwand aber um 0,5 Prozent auf 11,1 Prozent.

Weniger Forschungsgelder

Gemessen am Nettoumsatz hat Belimo im 2018 etwas weniger in Forschung und Entwicklung investiert: Der Anteil sank hier von 7,7 Prozent im Vorjahr auf 7,4 Prozent. In absoluten Zahlen erhöhten sich die Aufwendungen von 44,4 auf neu 47,2 Millionen Franken. Auf Nachfrage kündigte Finanzchef Schürch an, dass sich die Investitionen im laufenden Jahr wieder auf das frühere Niveau zubewegen würden.

Mit seinen Aufwendungen fokussiert sich Belimo auf vier Wachstumsfelder: Neben dem angestammten Segment der Klappenantriebe und Regelventile zählen dazu auch die neuen Produktbereiche Sensorik und Performance Devices.

Die vierte Wachstumsinitiative zielt auf den Raum Asien-Pazifik ab, insbesondere China, wo das Unternehmen im 2018 in mehreren Städten Verkaufs- und Trainingsbüros eingerichtet hat und seine Präsenz bis Ende dieses Jahres um drei weitere Städte erweitern will.

Insgesamt verzeichnet Belimo in Asien-Pazifik ein Umsatzwachstum von 13,4 Prozent (währungsbereinigt 13,8 Prozent) auf gut 82,2 Millionen Franken. Am stärksten trug der Umsatzanstieg in China zu diesem Wachstum bei.

Keine Angst vor dem Brexit

Die meisten Umsätze generiert das Unternehmen aber weiterhin in Europa. Im 2018 stiegen diese um 12,9 Prozent (währungsbereinigt 9,5 Prozent) auf 317 Millionen Franken. Fast alle europäischen Märkte wiesen ein überdurchschnittliches Wachstum auf. In der Schweiz, aber auch in Grossbritannien, Polen, Frankreich und Norwegen vermeldet Belimo zweistellige Wachstumsraten.

«In England sind wir allen Unkenrufen zum Trotz gut gewachsen.»

Lukas Eigenmann, Leiter Konzernbereich Europa

Der Brexit bereitet dem Management offenbar keine Sorgen. «In England sind wir allen Unkenrufen zum Trotz gut gewachsen», reagierte Lukas Eigenmann, Leiter des Konzernbereichs Europa, auf eine Nachfrage aus dem Saal. Zudem verfüge man über ausreichend Lager vor Ort. «Wir werden aber eventuell die Bestände hochfahren.»

Zweifel am Marktpotenzial von Lateinamerika

In der Marktregion Amerika verzeichnet Belimo ein Umsatzwachstum von 7,3 Prozent (währungsbereinigt 8,4 Prozent) auf rund 243 Millionen Franken. Den Löwenanteil mit 193,8 Millionen Franken generierten dabei die USA. Van der Haegen legte aber Wert auf die Feststellung, dass die 39,4 Millionen Franken Umsatz in Kanada – gemessen an der Bevölkerungsgrösse – recht hoch ausfielen.

«In Lateinamerika ist der Technisierungsgrad vergleichsweise niedrig.»

CEO Lars van der Haegen

Weit zurück fällt der Markt in Lateinamerika mit einem Anteil von nur 9,6 Millionen Franken. «In Lateinamerika ist der Technisierungsgrad vergleichsweise niedrig», sagte der CEO. Vielerorts würden Anlagen gänzlich ohne Regelung oder nur mit ungenügender Regelungstechnik realisiert. «Daher schätzen wir das Marktpotenzial in diesen Ländern als nicht so gross ein.»

Erhöhung der Dividende

Laut dem CEO ist Belimo gut ins neue Jahr gestartet. Allerdings machte er hohe «Basis-Effekte» als Folge des starken Wachstums im letzten Jahr geltend. «Ich gehe davon aus, dass das Umsatzwachstum im langfristigen Mittel, etwa bei 6 Prozent, bleiben wird.»

Grund zur Freude haben die Aktionäre. Sie kommen in den Genuss einer höheren Dividende. Der Generalversammlung wird eine Ausschüttung von 100 Franken je Aktie beantragt. Das sind 15 Franken mehr pro Aktie als im Vorjahr.

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