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Persönlicher Aufstieg als Ansporn für Berufsanfänger

Konditorei Voland, Steg

Persönlicher Aufstieg als Ansporn für Berufsanfänger

Jörg
Marquardt
Montag, 01. Oktober 2018, 16:03 Uhr Konditorei Voland, Steg
Durch die Sparwut der Konsumenten sind René Schweizer, Geschäftsführer Konditorei Voland, punkto Lohnerhöhung die Hände gebunden. (Foto: PD)

Eines der besten Aushängeschilder für die Konditorei Voland mit Hauptsitz in Steg ist der Inhaber selbst: René Schweizer redet nicht nur leidenschaftlich über seinen Beruf. Wenn er in die Schulen geht, um für seinen Betrieb und seine Branche zu werben, dann kann er den Schülern auch die Geschichte seines persönlichen Aufstiegs erzählen. Aus einfachen Verhältnissen stammend (er ist auf einem Bauernhof gross geworden) leitet er heute ein Unternehmen mit insgesamt neun Filialen im Zürcher Oberland und knapp 150 Mitarbeitern. «Das ist doch ein schöner Ansporn für die jungen Leute», sagt Schweizer.

Breites Wissensspektrum

Anders als andere Bäckerei- und Konditoreibetriebe hat Voland bisher keine Nachwuchssorgen. Derzeit beschäftigt die Konditorei 16 Lernende. «Sonst sind es nur 14», sagt Schweizer. Zwei Lernende würden eine Zusatzlehre in der Fachrichtung «Confiserie» absolvieren. Diese Ausbildung sei sehr attraktiv, weil sie den Jugendlichen ein breites Spektrum an Wissen und Fertigkeiten eröffne – eine wichtige Voraussetzung für spätere Kaderstellen. Entsprechend hoch sei die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen, zumal die Zahl der Confiserien in der Region stetig abnimmt (erst im Mai gab das Café Frauenfelder in Wetzikon seine Schliessung bekannt).

 

«Bei uns arbeiten die Lernenden aber in der Regel von 8 bis 17 oder 18 Uhr.»

René Schweizer, Inhaber Konditorei Voland

 

Viele Berufskollegen von Schweizer haben Mühe, ihre Lehrstellen zu besetzen. Gerade die Nachtarbeitszeiten schrecken so manchen Berufsanfänger ab. «Bei uns arbeiten die Lernenden aber in der Regel von 8 bis 17 oder 18 Uhr», sagt der Voland-Chef. Zwar werde weiterhin oft nachts gebacken, aber im Unterschied zu früher könne man heute viele Arbeitsschritte tagsüber vorbereiten. Die wenigen Leute, die bei Voland ab Mitternacht arbeiten, würden dies bewusst und gern tun.

Problem der Entlöhnung

Ein gravierenderes Problem sieht Schweizer in der Entlöhnung: «Nach abgeschlossener Lehre liegt der Mindestlohn bei 4000 Franken. Damit kann man keinen Familienunterhalt bestreiten.» Damit der Beruf längerfristig attraktiv bleibe, müsste der Lohn angehoben werden. Aus wirtschaftlichen Gründen sei dies aber oft nicht möglich. «50 Prozent unserer Einnahmen fliessen bereits in die Löhne. Ohne Mehreinnahmen würden wir bei einer Lohnerhöhung schnell im roten Bereich landen.»

Was der Branche insgesamt zusetze, sei die Sparwut bei Lebensmitteln, die die Konsumenten in grosser Zahl in die Discounter treibe oder zum Einkaufstourismus verleite. So bliebe am Ende nur die Möglichkeit, die Produktion zu vergrössern und durch Automatisierung effizienter zu gestalten – auf Kosten von Mitarbeiterstellen. «Dadurch wären wir letztlich weniger flexibel», sagt Schweizer.

 

«Ohne Mehreinnahmen würden wir bei einer Lohnerhöhung schnell im roten Bereich landen.»

René Schweizer, Konditorei Voland

 

Laut dem Voland-Chef ist der Frauenanteil in der Bäckerei- und Konditorei-Branche stetig gewachsen. Waren es früher 65 Prozent Männer und 35 Prozent Frauen, habe sich das Verhältnis inzwischen umgekehrt. Der Grund: Viele körperlich anstrengende Aufgaben erledigen heute Maschinen.

Schweizer begrüsst diese Entwicklung: «In allen Bereichen sind Frauen den Männern punkto Fingerfertigkeit oft überlegen.» Allerdings würden viele gut ausgebildete Frauen als Führungskräfte ausfallen, sobald sie Kinder bekämen. «Dann sind sie leider weg vom Markt.»

Bereit sein für Innovation

René Schweizer sieht seine Branche gefordert, erfinderisch zu sein und neue Märkte zu erschliessen: «Wir müssen am Kunden dranbleiben und uns auf veränderte Ernährungsgewohnheiten, etwa bei der Zwischenverpflegung, einstellen. Dann haben wir eine gute Zukunft vor uns.»

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