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Seit 100 Jahren Kollegen statt Konkurrenten

Seit 100 Jahren Kollegen statt Konkurrenten

Der Baumeisterverband Zürcher Oberland feiert sein 100-jähriges Bestehen. Gerade in der Lehrlingsproblematik sei der Verband seinen 64 Mitgliederfirmen heute eine grosse Hilfe, sagt Vizepräsident Marco Bereuter.

Redaktion
Züriost
Samstag, 15. September 2018, 18:36 Uhr

Es war während des Ersten Weltkriegs, als sich 25 Baumeister des Zürcher Oberlandes zusammenschlossen, um einen regionalen Verband zu gründen, der aufgrund der damaligen Situation auch als Selbsthilfeorganisation bezeichnet werden könnte. Als Berufskollegen und nicht als Konkurrenten sollten die schwierigen Arbeitsverhältnisse jener Zeit gemeistert werden.

Heute gehören zum Baumeisterverband Zürcher Oberland – kurz BVZO – 64 Firmen, die zusammengerechnet etwa 1’800 Mitarbeiter beschäftigen. Im Rahmen eines Festanlasses feiert der Verband heute sein 100-jähriges Bestehen und blickt auf die eindrücklichen Entwicklungen in der Branche zurück.

Gewirr von Abhängigkeiten

Nach der Gründung stand ganz oben auf der Traktandenliste die Einführung von verbindlichen Tarifstrukturen, auch wenn die Worte «Lohn-» und «Preisdumping» noch nicht den Weg in die deutsche Sprache gefunden hatten: Eine Waffe gegen «Preisdrückereien» hätten die Mitglieder durch die Verbandsgründung in die Hand bekommen, hiess es im Jahresbericht 1918.

Bereits in der Broschüre zum 75. Jahrestag der Gründung des BVZO schrieb Robert Keller, der damals das Amt des Präsidenten innehatte, dass sich die Baumeister in einem «Gewirr von Abhängigkeiten» befänden. Marco Bereuter, CEO der Bereuter Holding AG und Vizepräsident des Verbandes, kann nachvollziehen, was damit gemeint war. Dieses «Gewirr» sei ein Vierteljahrhundert später noch schlimmer geworden: «Nebst dem zunehmenden Konkurrenzdruck sehen wir uns in der Tat mit immer mehr Auflagen konfrontiert, die uns das Leben schwer machen; beispielsweise in den Bereichen Arbeitsrecht, Technik, Umweltschutz und Sicherheit», so Bereuter.

Hilfe bei Imagepflege

Der Verband hilft seinen Mitgliedern beim Umsetzen solcher neuen Vorschriften. Darüber hinaus werden die Unternehmen in der Imagepflege und dem Anwerben und Ausbilden von Lehrlingen unterstützt.

Um über den Verband hinaus Einfluss ausüben zu können, pflegt der BVZO einen engen Kontakt zur Wirtschaft, zu anderen baunahen Verbänden und zur regionalen Politik. Essenziell dabei sei ein gutes Image, das aus seriöser Arbeit resultiere, so Bereuter.

 

«In den Schulen und Lehrstellenberatungen sind teilweise noch immer Vorurteile gegenüber dem Baugewerbe vorhanden»

Marco Bereuter, Vizepräsident BVZO

 

Nahe bei den Mitgliedern

Der BVZO bietet ausserdem diverse Aus- und Weiterbildungskurse im Effretiker Baumeisterkurszentrum an. Dessen Einweihung vor genau 40 Jahren bezeichnet Bereuter als einer der wichtigsten Meilensteine in der Verbandsgeschichte. Das vor wenigen Jahren sanierte Zentrum umfasst ein halbes Dutzend modern eingerichtete Schulungsräume, ein Sitzungszimmer, zwei Aulen und mehrere Arbeits- und Ausstellungshallen.

Nicht zuletzt gehören zu den Aktivitäten und Angeboten des BVZO auch Ausflüge, die den Zusammenhalt und die Kollegialität unter den Mitgliedern fördern. Hier ist die Sektion Zürcher Oberland weitgehend unabhängig vom Schweizerischen Baumeisterverband, der in sehr vielen Themen Ziele und Strategien vorgibt. Dennoch sei es wichtig, dass es regionale Verbände gebe. Bereuter: «Wir sind nahe bei unseren Mitgliedern, kennen ihre Bedürfnisse und können schnell darauf reagieren.»

Gegen Vorurteile

Durch den engen Kontakt zu den Baumeistern in der Region weiss Bereuter ganz genau, was diese zurzeit am meisten beschäftigt: das Lehrlingswesen. «Wir können nicht alle Lehrstellen besetzen und haben eine hohe Ausfallquote – während der Lehre, aber auch an den Lehrabschlussprüfungen», sagt der Vizepräsiden des BVZO. Es sei schwieriger geworden, Jugendliche für einen traditionellen Handwerksberuf zu begeistern. Noch weniger einfach sei es, diese nach der Lehre für eine Weiterbildung zum Polier, Bauführer oder Baumeister zu motivieren. «Es ist natürlich bequemer aus der Sek A oder B das KV zu absolvieren. Ausserdem sind in den Schulen und Lehrstellenberatungen teilweise noch immer Vorurteile gegenüber dem Baugewerbe vorhanden», sagt Bereuter.

Der Schweizerische Baumeisterverband versucht die Vorurteile und den Mangel an Lehrlingen mit Werbekampagnen zu bekämpfen, indem er seinen Sektionen Flyer und Werbevideos zur Verfügung stellt. Der BVZO führt ausserdem mit den Lehrlingen jedes Jahr eine Projektwoche im Unterengadin durch. Weitere Aktivitäten wie ein nationaler Zukunftstag oder Schnuppertage auf einer Baustelle für ganze Klassen befänden sich in Planung. (Silvan Hess)

Der Baumeisterverband Zürcher Oberland begeht am heutigen Samstag sein 100-Jahr-Jubiläum mit einem Festakt in Altrüti, Gossau.
Weitere Informationen unter: www.baumeister-zo.ch

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Ich gratuliere dem Baumeisterverband ganz herzlich für das 100-jährige Bestehen und die gesetzten Ziele als Kollegen nicht Konkurrenten zu agieren.
Wie wir diese Woche erfahren haben muss die Hirzel Bauunternehmung ihre Bilanz deponieren und hat Konkurs angemeldet.

Hier ist der Verband gefordert speziell die Auszubildenden seines Verbandmitgliedes (gemäss Homepage) weiterhin beschäftigen zu können und den Betroffenen Möglichkeiten aufzuzeigen.

Bin sicher, dass das umgesetzt wird und freue mich über positive Rückmeldung