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Fällander Firma stoppt Iran-Projekt

Wegen US-Sanktionen

Fällander Firma stoppt Iran-Projekt

Im Auftrag von Airbus sollte die Firma Bucher Leichtbau aus Fällanden Bordküchen für eine Fluglinie des Iran konstruieren. Als die USA das Atomabkommen mit Teheran aufkündigen, platzt das Projekt - mitten in der Entwicklung.

Jörg
Marquardt
Sonntag, 19. August 2018, 16:37 Uhr Wegen US-Sanktionen
Beat Burlet, CEO von Bucher Leichtbau, ist enttäuscht, dass das Projekt für Iran Air nicht zustande kommt. (Foto: Seraina Boner)

Ein Jahr Arbeit für den Papierkorb. Das ist die unerfreuliche Bilanz der Bucher Leichtbau AG. Von Ende Januar 2017 bis Ende Januar 2018 entwickelte das Fällander Unternehmen ein neues Küchensystem für acht Flugzeuge der staatlichen Fluggesellschaft des Iran (Iran Air). Auftraggeber war Airbus. Mit dem grössten europäischen Flugzeughersteller arbeitet Bucher Leichtbau seit vielen Jahren erfolgreich zusammen. Diesmal sollte die Zusammenarbeit nicht von Erfolg gekrönt sein. Schuld daran: Donald Trump.

Schon im Wahlkampf hatte der spätere US-Präsident keinen Hehl daraus gemacht, dass er das Atomabkommen mit dem Iran für desaströs hielt. Dieses war am 16. Januar 2016 in Kraft getreten und hatte überhaupt die Voraussetzungen für verbesserte Wirtschaftsbeziehungen geschaffen. Denn mit dem Abkommen wurden die westlichen Sanktionen aufgehoben. Im Laufe von 2017 – Trump hatte sein Amt am 21. Januar angetreten – mehrten sich die Zeichen, dass der US-Präsident wieder Sanktionen gegen Teheran verhängen würde.

Wachsende Sorge nach Projektstart

Kaum etwas fürchtet die Wirtschaft mehr als Unsicherheit. In Fällanden, wo ein eigenes Projektteam mit der Entwicklung und Konstruktion des Küchensystems beschäftigt war, verfolgte man die Entwicklungen in den USA mit wachsender Sorge – und zog dann die Reissleine: «Im Januar dieses Jahres haben wir Airbus und Iran Air ganz klar kommuniziert, dass wir das Projekt stoppen», sagt CEO Beat Burlet. «Der Entscheid ist auf Verständnis gestossen. Allen Beteiligten ist klar gewesen, dass es nicht mehr weitergeht.»

 

«Im Januar dieses Jahres haben wir Airbus und Iran Air ganz klar kommuniziert, dass wir das Projekt stoppen.»

Beat Burlet, CEO Bucher Leichtbau

 

Am 8. Mai 2018 kündigten die USA das Iran-Abkommen einseitig auf: Wer künftig mit dem Regime Handel treiben will, dem drohen Strafen für seine Geschäfte in den USA; US-Firmen müssen die Zusammenarbeit mit ihm beenden. Einen Monat später erklärte Guillaume Faury, Chef der Zivilflugzeugsparte von Airbus, dass man «sehr wahrscheinlich» nicht in der Lage sei, den Grossauftrag über insgesamt 100 Maschinen im Katalogwert von umgerechnet 18 Milliarden Euro abzuschliessen. Das Problem: Je nach Typ stammen ungefähr 30 Prozent der Komponenten von US-Zulieferern.

Seit dem 6. August sind die neuen US-Sanktionen in Kraft. Bisher hat Airbus nur drei Jets ausliefern können. Keiner mit einer Bordküche von Bucher Leichtbau.

Ende Januar 2018 stoppte Burlet das Projekt. Fast ein halbes Jahr später erklärte Airbus das Aus des Iran-Deals für «sehr wahrscheinlich». (Foto: Seraina Boner)

Grenzen der Risikoanalyse

Burlet hat nicht mit einer so raschen Wiedereinführung von US-Sanktionen gerechnet: «Bei solch grossen Projekten machen wir vorab eine Risikoanalyse», sagt er. Da auch die US-amerikanische Boeing einen milliardenschweren Deal mit dem Iran abgeschlossen hatte, sei man davon ausgegangen, dass die Abwicklung derartiger Grossprojekte auch im Interesse der USA gewährleistet sein würde.

 

«Wir haben schon für diverse A330-Versionen produziert.»

CEO Beat Burlet

 

Schon im Sommer 2016 hatte Bucher Leichtbau Kontakt mit Iran Air aufgenommen. Es sei bekannt gewesen, dass die Fluglinie dringend neue Maschinen benötigte, so Burlet. Als Airbus im vierten Quartal 2016 den Grossauftrag über 100 Flugzeuge publik machte und dazu eine Ausschreibung für die Küchensysteme von acht Flugzeugen des Typs A330-200 lancierte, reichte Bucher Leichtbau umgehend seine Bewerbung ein. «Wir haben schon für diverse A330-Versionen produziert», sagt Burlet.

Platzeffizient, robust, möglichst leicht

Ende Dezember 2016 erhielt Bucher Leichtbau den Zuschlag. Einen Monat später nahm das Projektteam die Arbeit auf. «In der Entwicklungsphase geht es darum, die Küchensysteme gemäss der Wünsche der Airline und der Gegebenheiten der Maschine zu konzipieren», sagt Burlet. Die platzeffizienten, robusten und möglichst leichten Monumente mit Arbeitsflächen, Verstaumöglichkeiten, Auszugstischen und Waschbecken werden «Galleys» genannt.

 

«Nach dem Test dürfen wir an der Konstruktion nichts mehr verändern.»

CEO Beat Burlet

 

Mitte 2017 erreichte das Projekt die nächste Phase: «In der Zulassungsphase bauen wir die physischen Einheiten der Bordküche auf und testen sie», sagt Burlet. Dabei handele es sich genau genommen nicht um einen Prototypen, sondern um eine Null-Serie. «Nach dem Test dürfen wir an der Konstruktion nichts mehr verändern, ansonsten müssen wir alles nochmals testen.» Die verschiedenen Testeinheiten seien bereits komplett aufgebaut gewesen, als sich Bucher Leichtbau zum Projektstopp entschied.

Die fertigen Testeinheiten wird Burlet einlagern lassen. Man könne das Projekt aber jederzeit wieder aufnehmen. (Foto: Seraina Boner)

Auslastungslücke im 2019

Der geplatzte Auftrag ist für Burlet «unschön». Eine Entschädigung für den entstandenen Aufwand bekomme man voraussichtlich nicht. Zudem sei es nicht möglich, sich gegen einen solchen Ausfall zu versichern. Von einem «grossen Impact» auf die Firma könne man aber nicht reden. «In der Vergangenheit haben wir schon Schlimmeres erlebt.» Er erinnert an die Insolvenz der Swissair.

Gravierender als die mehreren Tausend vergeblich investierten Arbeitsstunden findet der CEO etwas anderes: «Durch den Projektstopp ist die volle Produktionsauslastung im 2019 noch nicht gegeben.» In diesem Jahr habe man den Ausfall durch kurzfristige Projekte kompensieren können. Jetzt arbeite man verstärkt daran, neue Aufträge zu akquirieren, um Umsatzeinbussen auszugleichen. Dass er Mitarbeiter in die unbezahlten Ferien schicken oder gar entlassen muss, hofft Burlet so vermeiden zu können. Eine Verunsicherung spüre er in der Firma jedoch nicht: «Zurzeit haben wir sehr viel Arbeit, sodass der Fokus unserer Mitarbeiter darauf liegt.»

 

«Durch den Projektstopp ist die volle Produktionsauslastung im 2019 noch nicht gegeben.»

CEO Beat Burlet

 

Demnächst werden die undekorierten Testeinheiten für Iran Air eingelagert. «Wir werden sie weder zerstören noch für ein anderes Projekt verwenden», sagt Burlet. Noch hat er die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, dass das Projekt zu einem späteren Zeitpunkt zustande kommt. «Es ist aber fraglich, ob es sich dann noch um denselben Flugzeugtyp handelt.» Je schneller die USA die Sanktionen wieder aufheben, umso grösser die Chance, dass es beim aktuellen Typ bleibe. «Wir haben das Projekt so gestoppt, dass wir es jederzeit wieder aufnehmen können.»

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Wer schlussendlich weiss, dass es ein Geschäfft mit dem Iran ist, muss so oder so damit rechnen, dass alles ohne Profit, bzw nur für die Katz ist.
Für dieses unternehmetisches Risiko habe ich wenig verbarmen mit der Firma.
Entscheid Trump ist Top, den da geht es um internationale Sicherheit - Das hat Vorrang, egal wie der Präsidet oder eine Firma heisst.