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Sie interveniert, bevor die Situation eskaliert

Case Managerin aus Effretikon

Sie interveniert, bevor die Situation eskaliert

Die Firma «R-Fahrenheit» aus Effretikon hilft Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Krisensituationen. Für die Geschäftsführerin und frühere Sozialarbeiterin Tanja Bartholdi spielt dabei auch ein neutraler Ort eine wichtige Rolle.

Redaktion
Züriost
Samstag, 18. August 2018, 17:09 Uhr Case Managerin aus Effretikon
Vermittlerin zwischen Patient, Arbeitgeber und Arzt: Case Managerin Tanja Bartholdi aus Effretikon. (Foto: Seraina Boner)

Mühelos schafft Tanja Bartholdi eine lockere, offene Gesprächsatmosphäre in ihrem Büro. Kein Wunder: Die ehemalige Sozialarbeiterin ist sich gewohnt, Gespräche zu führen und Menschen zusammenzubringen. Als Gründerin und Geschäftsführerin des Effretiker Beratungsunternehmens «R-Fahrenheit» übernimmt sie betriebliche Sozialarbeit, macht Kriseninterventionen, coacht und berät Non-Profit-Organisationen bei der Organisationsentwicklung.

Eine ihrer zentralen Aufgaben ist das sogenannte «Case Management» von erkrankten und verunfallten Personen. Dabei steuert und koordiniert sie die medizinische Versorgung von Patienten in enger Absprache mit dem Arbeitgeber sowie Ärzten und Versicherern. «Nicht die Unfälle, sondern die Krankheiten machen den grössten Teil der Arbeitsausfälle aus.»

Ausfälle sind kostspielig

Bartholdi verweist auf Zahlen von Dieter Kissling, Facharzt für Allgemein- und Arbeitsmedizin, wonach 87 Prozent der Arbeitnehmer im 2014 erkrankt gewesen seien. Das Bundesamt für Gesundheit sei zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. «Der Ausfall eines Mitarbeiters verursacht bei jedem Betrieb einen personellen und finanziellen Mehraufwand», sagt sie.

Um den Mehraufwand möglichst gering zu halten und um der betroffenen Person zu helfen, würden KMU einen externen Case Manager beanspruchen. «Grossbetriebe haben eine HR-Abteilung, die sich zusammen mit dem internen Sozialdienst der erkrankten Mitarbeiter annimmt. Mittleren und kleinen Betrieben fehlt diese Ressource oft.»

 

«Der Ausfall eines Mitarbeiters verursacht bei jedem Betrieb einen personellen und finanziellen Mehraufwand.»

Je früher eine Krise erkannt wird, desto leichter lässt sie sich bearbeiten, sagt Tanja Bartholdi. (Foto: Seraina Boner)

Das Case Management kommt oft dann zum Tragen, wenn Mitarbeiter immer wieder erkranken und Aussenstehende nicht genau wissen, was los ist. Die Unternehmerin berichtet von einem Arbeitnehmer, der sich alle paar Wochen für drei Tage krank meldete – also genau so lange, wie er einen Arztbesuch umgehen konnte und kein Arztzeugnis vorlegen musste. Der Arbeitgeber teilte ihm mit, dass er eine medizinische Fachperson hinzuziehen wollte. Dazu wandte er sich dann an R-Fahrenheit. Bartholdi organisierte ein Round-Table-Gespräch mit allen Beteiligten, um die erforderlichen Massnahmen zu erörtern und das konkrete Vorgehen zu besprechen.

Dass ein solches Gespräch nicht im Betrieb, sondern in ihrem eigenen Büro stattfindet, hält sie aus Gründen der Diskretion für besser: «Das Vertrauen zwischen mir und dem Arbeitnehmer spielt eine wichtige Rolle. Da ist ein externes, neutrales Büro ein grosser Vorteil.»

Krisen rechtzeitig angehen

Im genannten Fall stellte sich heraus, dass die Person private Probleme hatte, mental und körperlich an ihre Grenzen kam und so erschöpft war, dass sie eine immer längere Erholungszeit benötigte, als das Wochenende hergab. Bartholdi sprach mit dem Arbeitnehmer, half ihm bei der Lösung seiner Probleme und ermutigte ihn, zum Hausarzt zu gehen. «Ich weiss viel über Angebote, Therapien und Beratungen, die Menschen beanspruchen können, die in Not sind. Ich bin aber keine Therapeutin.»

 

«Bei der Betrieblichen Sozialberatung spreche ich mit Personen, bevor es zu einer Eskalation kommt.»

 

Bartholdi gründete R-Fahrenheit Anfang 2018. Zuvor war sie rund 30 Jahre in der Sozialarbeit, dem Coaching und der Schulung von Fachpersonal tätig. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung weiss sie: Je früher eine Krise erkannt wird, desto leichter lässt sie sich bearbeiten. Nicht selten würden Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor dem Friedensrichter landen, sich gegenseitig die Schuld zuweisen und sich beleidigt oder unverstanden fühlen. Mit fachlicher Unterstützung hätte sich dies vermeiden lassen: «Bei der Betrieblichen Sozialberatung spreche ich mit Personen, bevor es zu einer Eskalation kommt.»

Im Falle des an seine Grenzen kommenden Arbeitnehmers erreichte Case Managerin Tanja Bartholdi, dass er sich schliesslich eine Auszeit nahm, seine Probleme regelte und seine Depressionen behandelte. «Heute arbeitet diese Person mit einem reduzierten Pensum wieder im Betrieb. Der Arbeitgeber ist froh, dass die Schwierigkeiten so behoben und eine zeitintensive und kostspielige Personalrekrutierung vermieden werden konnte», sagt sie.

(Bruno Fuchs)

Weitere Informationen unter: www.rfahrenheit.ch

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Ich Danke dem Team des Zürcher Oberländers für den informativen Artikel. Es wird oft beklagt, dass Frauen in Ihren Unternehmungen zu wenig Unterstützung erfahren. Der ZO macht es möglich. Die positive Resonanz war erfreulich. FG T.Bartholdi