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Ersatzwahl am 27. November

So haben Sich die Kandidaten auf den zweiten Wahlgang vorbereitet

Im Bezirk Pfäffikon findet am 27. November bei der Ersatzwahl für das Statthalteramt der zweite Wahlgang statt. Zur Wahl stehen: der Zeller Gemeindeschreiber Erkan Metschli-Roth (GLP), der Pfäffiker Gemeinderat Stefan Gubler (FDP) und der Baumer Kantonsrat Paul von Euw (SVP).

Redaktion
Züriost
Mittwoch, 16. November 2022, 17:58 Uhr Ersatzwahl am 27. November

Wer wird der neue Statthalter im Bezirk Pfäffikon? Diese Fragen müssen die Wählenden am 27. November beantworten. Dann findet der zweiten Wahlgang statt. Sowohl der Zeller Gemeindeschreiber Erkan Metschli-Roth (GLP), der Pfäffiker Gemeinderat Stefan Gubler (FDP) als auch der Baumer Kantonsrat Paul von Euw (SVP) wollen die Nachfolge von Hans Rudolf Kocher (EVP) antreten, der per Ende Jahr zurücktritt. 

Im ersten Wahlgang hatten alle Kandidaten das absolute Mehr verpasst und ähnlich gute Ergebnisse erzielt.

Paul von Euw holte mit 5344 die meisten Stimmen. Gefolgt von Erkan Metschli-Roth (GLP), der von der Mitte, SP und Grünen unterstützt wurde und 5193 Stimmen auf sich vereinigte. Rund 600 Stimmen weniger holte Stefan Gubler.

Keiner der Kandidaten erreichte am 25. September das absolute Mehr.
Grafik: Dominik Gut

Vor dem entscheidenden Wahlsonntag erklären die Kandidaten, wie sie sich auf den zweiten Wahlgang vorbereitet und die Zwischenzeit verbracht haben. (erh)

Ticker

14. November

Wie haben Sie sich auf den zweiten Wahlgang vorbereitet?

  • Paul von Euw: Der Vorsprung auf den zweitplatzierten Kandidaten, lag beim ersten Wahlgang bei lediglich 150 Stimmen. Das motivierte für einen extra Effort. Ich spreche zurzeit sehr viel mit interessierten Personen. Ich gehe auf der Strasse auf diese zu und beginne ein Gespräch. Die Leute schätzen das sehr, was mich wiederum erfreut. Passantinnen und Passanten erzählen dann vielfach, «wo der Schuh drückt». 

    Seit dem ersten Wahlgang lag meine Hauptbeschäftigung in meiner Arbeit und daneben in der Politik durch Teilnahme an den wöchentlichen Kantonsrats- und Kommissionssitzungen. Politisch ist der Herbst eine intensive Zeit. Diverse Gesetze gilt es auf die Zielgerade zu bringen oder diese zu verabschieden. Zudem brauchen die Direktionen und kantonalen Ämter für das Jahr 2023 wieder ein Budget. Dafür bin ich als Kantonsrat mitverantwortlich.

    Wenn man mich fragt, wie ich auf Stimmenfang gegangen bin, so musst ich sagen, dass das für mich ein unstimmiges Wort ist. Politiker müssen nicht auf Stimmenfang gehen, sondern ihren Job gut machen. So werden sie von der Bevölkerung wahrgenommen und erhalten deren Stimme. Natürlich braucht es auch noch das eine oder andere Bild von uns. Diese projiziere ich aber nicht in Form einer eines Bildertsunamis, sondern durch gezielte Publikationen.
     
  • Erkan Metschli-Roth: Meinen Jugendtraum als Statthalter habe ich den Menschen im Bezirk Pfäffikon in persönlichen Kontakten nähergebracht und Fragen beantwortet. So konnte ich meine intrinsische Motivation aus erster Hand vermitteln. Als lebenserfahrener Jurist und Gemeindeschreiber bin ich prädestiniert, Statthalter zu sein. Bei meinen Kontakten war eine lustige Wählerstimme in Anspielung auf meinen Vornamen: «Erkan(n) es!» 

    Auch mit ernster Kritik habe ich mich befasst. Rechtskonservative Kreise machen mir zum Vorwurf, ich sei zwar bestgeeignet, aber für sie zu links, weil mich – neben GLP und Mitte – auch SP und Grüne zur Wahl empfehlen. Die Vorbehalte links und rechts sind unangenehm. Sie haben jedoch meine Vision geschärft.

    Als Statthalter will ich ein überparteilicher und objektiver Staatsdiener sein. Das gilt besonders im Umgang mit schwierigen Menschen. Einseitige Urteile über links und rechts belasse ich Menschen mit Vorurteilen.

     

  • Stefan Gubler: Im ersten Wahlgang wurden die Stimmen zu etwa je einem Drittel unter den drei Kandidaten aufgeteilt. Ich bin überzeugt, dass ich als lösungsorientierter und erfahrener Gemeinderat mit zahlreichen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem Bezirksrat und dem Statthalter eine gute Chance habe, diese Wahl zu gewinnen.

    Wir haben deshalb meinen Auftritt nochmals überarbeitet und ich stelle mich mit einem neuen Foto, Flugblättern, Plakaten, Inseraten, Filmen und über Social Media für dieses Amt vor, das ich gerne für die gesamte Bevölkerung im Bezirk Pfäffikon ausüben möchte.

    Mit frischem Wind möchte ich aufzeigen, dass ich die Aufgabe des Statthalters mit viel Kompetenz, Sachverstand und unter Einhaltung der rechtlichen Gegebenheiten bestens ausüben will und kann. Ich werde diese für mich neue Aufgabe mit grossem Engagement ausüben und danke für jede Stimme, die ich erhalte.

Fr 16.09.2022 - 10:03

Welche Motive haben Sie, künftig Statthalter zu sein?

  • Erkan Metschli-Roth: Politisch unterstützt werde ich durch Die Mitte, die Grünen, die SP und durch die portierende GLP. Der Statthalterberuf ist ein Jugendtraum: Seit ich als Teenager einen smarten Statthalter in Pfäffikon – im Rahmen einer Arbeit an der Kantonsschule Zürcher Oberland – befragen durfte, fasziniert mich das Statthalteramt, das unzertrennlich zusammen mit dem Bezirksrat funktioniert. Gut 25 Jahre breitgefächerte Berufserfahrungen im öffentlichen Sektor (Ombudsstelle, Statthalteramt sowie Gerichts- und Verwaltungsbehörden) bilden meine Grundlage für dieses verantwortungsvolle Amt. Vielleicht geht mein Traum in Erfüllung, was ich auf meiner Website metschli.ch näher ausgeführt habe.
     
  • Stefan Gubler: Nach meiner langjährigen Behördentätigkeit als Gemeinderat von Pfäffikon möchte ich mich nun gerne auf der Bezirksebene für die Bevölkerung engagieren. Dabei kann ich meine breiten und umfangreichen Erfahrungen in den verschiedensten Aufgabengebieten und Kommissionen einbringen. Als Sicherheitsvorstand von Pfäffikon habe ich auch die Bereiche Feuerwehr und Polizei, welche auch im Zuständigkeitsbereich des Statthalters liegen, im Detail kennen gelernt. Durch 28 Dienstjahre als Angehöriger der Feuerwehr Pfäffikon kenne ich die Feuerwehr auch von der Front.
     
  • Paul von Euw. Ich kann auf eine breite Erfahrung in verschiedensten Tätigkeiten zurückschauen. Mein beruflicher Weg von der Lehre bis zum eidgenössischen Diplom in Funktionen als Mitarbeiter, Abteilungsleiter, Geschäftsführer mit Gesamtverantwortung kenne ich alle Stufen. Meine politische Erfahrung als Gemeinderat, Kantonsrat, Mitglied einer Altersheimkommission, Mitglied der Planungsregion Zürcher Oberland bringt mir breite Erfahrung und ein grosses Netzwerk. Nicht zuletzt gilt es zu erwähnen, dass ich vor meinem politischen Weg aktives Mitglied der Feuerwehr war. Ich kenne in jede Richtung die Aufgaben und Herausforderungen und kann lösungsorientiert sowie vermittelnd agieren.
     

Eine Wahl bedeutet für Sie ein Rollenwechsel: Bisher wurden Sie beaufsichtigt, neu wollen Sie beaufsichtigen. Was bedeutet dieser Wechsel für Sie?

  • Erkan Metschli-Roth: Der Rollenwechsel bedeutet für mich eine berufliche und persönliche Weiterentwicklung: Beruflich erhalte ich eine Rundumsicht. Dabei entwickle ich mich weiter, indem ich vom Beaufsichtigten zum konstruktiven Beaufsichtiger werden darf. Beim Rollenwechsel ist mir auch das Rollenverständnis bedeutsam. Dieser Vorgang und die Arbeit im Statthalteramt und im Bezirksrat bilden eine wunderbare Chance, mich als «Public Servant», also als öffentlicher Dienstleister zu vervollständigen. Ich will diese Chance als langgehegten Herzenswunsch mit der Zustimmung der Stimmberechtigten packen und verwirklichen.
     
  • Stefan Gubler: Durch die langjährige Behördentätigkeit habe ich schon verschiedenste Fragestellungen und Konflikte in kommunalen Behörden und Verwaltungen miterlebt und auch selbst gelöst. Durch den Wechsel in die Aufsichtstätigkeit auf Bezirksebene könnte ich nun diesen Erfahrungsschatz gewinnbringend für die Bevölkerung aller Bezirksgemeinden einsetzen. Durch meine bisherige Tätigkeit und mein öffentlich-rechtliches Fachwissen sind mir die Aufgaben und Kompetenzen dieser unterschiedlichen Rollen klar und bewusst.
     
  • Paul von Euw: Aus meiner beruflichen Erfahrung kenne ich beide Rollen. In jeder Position gibt es eine übergeordnete Stelle aber auch Stellen, welche man selber beaufsichtigt. Mitarbeiter – Vorgesetztensituation. Zudem hatte ich als Qualitätsleiter in einem Gemeindebetrieb regelmässig mit Aufsichtsorganen zu tun, musste jedoch gegenüber dem Betrieb meine Aufgabe als interne Aufsicht wahrnehmen. Somit ist diese Position für mich nicht neu.
     

Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger?

  • Erkan Metschli-Roth: Statthalter Hansruedi Kocher ist geschätzt als versierter Fachmann und liebenswürdiger Mensch mit Durchsetzungskraft. Er ist mir ein Vorbild in seinem Verhalten und gleichwohl werde ich trotz vielen gemeinsamen Werten und Haltungen, einiges anders machen: Mit meiner juristischen Grundausbildung sowie meiner Berufserfahrung aus der Ombudsstelle, dem Bezirksgericht und dem kommunalen Bauwesen bringe ich berufliche Vorprägungen mit, die in meiner Statthalterfunktion nützlich zum Tragen kommen werden. Nicht das Arbeitsergebnis an sich, sondern der Weg zum Ziel sowie mein Stil und meine Perspektiven sind anders und das ist auch für das Statthalteramt und die Bezirksgemeinden gut so.
     
  • Stefan Gubler: Ich möchte mich um schnelle Verfahren und Entscheidungen bemühen, natürlich immer in der notwendigen Qualität. Für die Betroffenen sind Verfahren, welche sich über viele Monate oder sogar Jahre hinziehen, eine grosse Belastung wegen der andauernden Ungewissheit. Weiter würde ich die Öffentlichkeit mehr über die Tätigkeit des Bezirksrates und des Statthalteramtes informieren, soweit dies der Datenschutz zulässt.
     
  • Paul von Euw: Ich lernte den amtierenden Statthalter, Hansruedi Kocher, von den Visitationen in meiner Rolle als Gemeinderat kennen. Erfreulicherweise hatte ich sonst nie Berührungspunkte mit dem Bezirksrat/Statthalteramt. Demzufolge wäre es vermessen, bereits Änderungsvorschläge zu präsentieren.
     

Als Statthalter sind Sie für die Konfliktlösung zwischen Bürger und Staat zuständig, was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

  • Erkan Metschli-Roth: Rechtsvorschriften können im Anwendungsfall im Spannungsfeld zur Gerechtigkeit stehen. Gerechtigkeit fordert immer einen notwendigen Ausgleich in einer konkreten Situation und sie bringt dabei eine nicht selbst verursachte Ungleichheit wieder ins Lot. Ich baue in meinem Berufsalltag eine positive und verständnisvolle Grundhaltung zum Mitmenschen auf, wobei ich in Form und Inhalt adressatengerecht bleibe. Ich kenne das Wesen von Konflikten, genauso wie ein Mechaniker seine Maschine, die manchmal gewartet werden soll. Mein Fachwissen als juristischer Praktiker dient mir. Besonders wichtig ist mir die Berücksichtigung der konkreten Lebensrealität der Mitmenschen. Nur so gelingen gute Lösungen.
     
  • Stefan Gubler: Eine Hauptaufgabe des Statthalters besteht in der Durchsetzung des geltenden Rechts. Dabei ist mir die Anwendung von gesundem Menschenverstand wichtig, soweit es die Vorgaben des Gesetzgebers zulassen. Jeder Fall muss unvoreingenommen und unabhängig von den involvierten Personen sorgfältig geprüft und danach entschieden werden. Gleichzeitig müssen die Abläufe schlank und effizient gehalten werden, damit die Entscheide rasch erfolgen und keine grossen Pendenzenberge entstehen.
     
  • Paul von Euw: Im Zentrum steht die Gleichbehandlung aller Einwohnerinnen und Einwohner. Dabei kommt mir sicherlich meine objektive Beurteilungsgabe zugute, auf welche ich bspw. als Verantwortlicher für Baubewilligungen als Gemeinderat ab und zu zurückgreifen musste. Weiter wird mir attestiert, dass ich gut zuhören kann und entscheide nicht emotional fälle. Diese beiden Eigenschaften sind essenziell für eine bestmögliche Konfliktlösung.
     

Der Schulgrenzen-Streit in Turbenthal beschäftigt den Bezirk schon länger. Welche Strategie werden Sie als neu gewählter Statthalter verfolgen? Wie wollen Sie den Streit lösen?

  • Erkan Metschli-Roth: Mein Wissen beruht nur auf der Medienberichterstattung und meinem Gedankenaustausch mit einzelnen Betroffenen. Dieser Streit ist meines Erachtens nicht aufsichtsrechtlich zu entscheiden, weil dieses Vorgehen einer politischen Bevormundung gleichkäme. Als demokratischer Rechtsstaat beachtet der Kanton Zürich die Urnengänge. Demokratie ist der erprobte Weg, wonach am Ende alles gut kommt. Und wenn es aktuell noch nicht gut ist, dann sind wir nicht am Ende angelangt. Gut Ding will Weile haben. Den Gesprächen zwischen den kommunalen Organisationen sowie den Bezirksverwaltungen Pfäffikon und Winterthur sehe ich zwecks Ausarbeitung einer allgemeinverträglichen Lösung zuversichtlich entgegen.
     
  • Stefan Gubler: Der Bezirksrat, dessen Präsident der Statthalter gleichzeitig ist, muss und darf keine Strategien für die Gemeinden und deren Zusammenarbeit entwickeln. Seine Aufgabe ist bei Rekursen oder im Rahmen der Aufsicht die Rechtmässigkeit einzelner Beschlüsse zu überprüfen und zu beurteilen, soweit sie Gemeinden des Bezirks betreffen. Die Gemeinde Turbenthal liegt im Bezirk Winterthur, während Wildberg und Wila zum Bezirk Pfäffikon gehören. Da sollten pragmatische Lösungen im Interesse der betroffenen Schülerinnen und Schüler möglich sein.
     
  • Paul von Euw: Konflikte sind Herausforderungen. Und Herausforderungen sind da um zu lösen. Im Sinne beider Gemeinden ist es ein Vorteil und bringt eine Entlastung, wenn ein Streit beigelegt wird. Welches die richtige Lösung ist beurteile ich zum Zeitpunkt nicht. In einem ersten Schritt ist eine komplette Analyse der Ausgangslage vorzunehmen. Mittels Gesprächen mit den «Streitparteien» sind Gespräche zu führen, in welchen einerseits ihre Vorstellungen zur Thematik, aber auch die emotionalen Befindlichkeiten erfragt werden müssen. Ich kann mir vorstellen, dass eine Lösung in einem Kompromiss endet. Wie dies so viel der Fall ist.

14. September: Metschli-Roth erfährt überparteiliche Unterstützung

Seit dem 7. September ist bekannt, dass nicht nur die SP und die Grünen die Kandidatur von Erkan Metschli-Roth unterstützen, sondern auch Die Mitte. Dies teilt die GLP Bezirk Pfäffikon in einer Medienmitteilung mit.

Die unterstützenden Parteien seien überzeugt, dass Metschli-Roth mit seiner langjährigen Erfahrung im öffentlichen Sektor wie etwa im Hinwiler Statthalteramt und Bezirksgericht, an der Stadtzürcher Ombudsstelle und im Rechtsdienst beim Tiefbauamt der Stadt Zürich die besten Voraussetzungen für dieses Amt besitze. Der 52-Jährige Pfäffiker hat nach Erlangung seines Lizenziats in Rechtswissenschaften fast 25 Jahre Erfahrungen im öffentlichen Sektor sammeln können. (lda)

1. September: Grüne Bezirk Pfäffikon unterstützen Metschli-Roth

Die Grünen des Bezirks Pfäffikon verkünden ihre Wahlempfehlung für das Statthalterhamt, wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist. Es ist dies der Kandidat der GLP, Erkan Metschli Roth. 

Als Gemeindeschreiber sei er prädestiniert für dieses anspruchsvolle Amt. (erh)

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