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Ustermer IV-Bezüger soll jahrelang simuliert haben

Ustermer IV-Bezüger soll jahrelang simuliert haben

Infolge eines Rückenleidens hat ein angeblich arbeitsunfähiger Serbe aus Uster Invalidengelder für rund eine halbe Million Franken kassiert. In Wahrheit konnte der Vater regelmässig reisen, arbeiten, seine Familie verprügeln und sogar eine Lastwagenprüfung bestehen.

Dienstag, 24. Mai 2011, 19:38 Uhr

Der zuständige Staatsanwalt richtete harte Worte gegen den heute 50-jährigen Angeklagten. Er bezeichnete den vor Obergericht unentschuldigt abwesenden Serben als einen «Schmarotzer des Sozialsystems» und als einen «Parasiten» mitten unter uns. Wegen mehrfachen Betrugs, Urkundenfälschung und weiteren Delikten verlangte der Ankläger eine hohe und unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Im Gegensatz zu einem Urteil des Bezirksgerichts Uster, das den arbeitslosen Familienvater vor über einem Jahr zwar für schuldig befunden, jedoch nur mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten bestraft hatte. Angeblich schwere Rückenleiden

Laut Anklage meldete sich der ehemalige Hilfsarbeiter im Sommer 2001 für eine Invalidenrente an. Mehrere Ärzte attestierten dem Mann chronische Rückenschmerzen und eine depressive Stimmungslage. Ein Mediziner rückte den Patienten in den Bereich eines Pflegefalles. So benötige der Vater täglich Hilfe. Sei es beim Duschen, Anziehen von Kleidern und sogar beim Gang auf die Toilette. Die Zeugnisse hatten schon bald die ersten IV-Auszahlungen zur Folge. Bis Ende 2008 bezog er eine Rente sowie eine Hilflosen-Entschädigung von über 191'000 Franken. Hinzu kamen Zusatzleistungen der Gemeinden Greifensee und Uster in der Höhe von 152'000 Franken sowie 119'000 Franken. Womit der Beschuldigte insgesamt rund eine halbe Million Franken erhielt.

Arbeiten, prügeln und tanzen

Als der Angeklagte im April 2009 für mehrere Monate in der Untersuchungshaft verschwand, hatten die Ermittlungsbehörden bereits einige Beweise gesammelt. So hatte eine Ueberwachung der angeblich schwerkranken Person ergeben, dass dieser achtmal pro Jahr mit einem Bus nach Serbien verreist war. Zudem wurde klar, dass der Mann Waren verladen, Pneus aus dem Keller tragen und Betten aus dem Fenster werfen konnte. Er tanzte auch, zog im Winter einen Schlitten, mähte den Rasen und reparierte Autos. Laut Anklage hatte er auch die Kraft und die Beweglichkeit, um mehrmals monatlich seine Frau und seine Kinder zu verprügeln. Zudem legte er eine Lastwagenprüfung ab.

Verteidiger für Freispruch und 30'000 Franken

Trotz diesen belastenden Indizien setzte sich die Verteidigung im Berufungsprozess vom Dienstag für einen vollen Freispruch ein. Der Anwalt verwies einerseits auf zahlreiche ärztliche Zeugnisse und verlangte zudem ein Gutachten, um den wahren Gesundheitszustand seines Mandanten abzuklären. Andererseits forderte er für die zu Unrecht erlittene Haft von 281 Tagen eine Entschädigung von 30'000 Franken. Der Beschuldigte soll sich heute im Rollstuhl fortbewegen, erklärte der Verteidiger. Allerdings konnte der Rechtsanwalt das Nichterscheinen seines Klienten auch nicht plausibel begründen.

Das Obergericht verzichtete deshalb auf eine sofortige Urteilseröffnung. Es wird seinen Entscheid den Parteien demnächst schriftlich zustellen.

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