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Kein Happy End für Kindlimann

Eidgenössisches Schwingfest

Kein Happy End für Kindlimann

Die Enttäuschung sass bei Fabian Kindlimann tief. Gleich zwei Chancen im 7. und 8. Gang für den eidgenössischen Kranz liess er beim ESAF in Zug buchstäblich liegen.

Redaktion
Züriost
Sonntag, 25. August 2019, 11:12 Uhr Eidgenössisches Schwingfest

Nach der Blitzniederlage gegen Joel Strebel im siebten Kampf schien die letzte Hürde mit dem Südwestschweizer Teilverbandskranzer Johann Borcard durchaus lösbar. Doch die Sekunden und Minuten zerrannen unerbittlich, ohne dass sich Fabian Kindlimann Vorteile verschaffen konnte.

So blieb am Ende nur eine riesengrosse Enttäuschung im Lager des Schwingklubs Zürcher Oberland. Davor hatte Roman Schnurrenberger seinen letzten Gang gegen Sven Lang verlor.

Das fehlende Wettkampfglück

Insgesamt darf der Sternenberger mit seiner Leistung mehr als zufrieden sein, der Kranzausstich schien zu Beginn noch in weiter Ferne. Das Wettkampfglück war im entscheidenden Moment aber nicht mehr auf der Seite der Oberländer. Statt Jubel blieb nur Frust.

Nicht nach Wunsch ist das Trio des Schwingklubs Zürcher Oberland ins Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) in den Wettkampf gestartet. Der Hinwiler Nicola Funk musste den Sieg dem Innerschweizer Kranzer André Muff überlassen.

Wenigstens ein Unentschieden erreichte Kindlimann gegen den Eidgenossen René Suppiger (Sursee). Eine Chance verpasste Schnurrenberger, der gegen Marco Rohrer (St. Niklausen) Vorteile hatte, aber ausgekontert wurde.

In der Folge konnte Kindlimann den starken Berner Fritz Ramseier mit seiner Spezialwaffe Kopfgriff bezwingen. Schnurrenberger kam gegen den Südwestschweizer Sven Hofer (Kerzers) nicht über ein Unentschieden hinaus und hatte noch viel Luft nach oben. Mit 17,50 Punkten blieb er unter seinen Erwartungen.

«Roman ist ein Stimmungsschwinger, der einen guten Einstieg in den Wettkampf braucht.»
Daniel Spörri, Präsident des Schwingklubs Zürcher Oberland

Dies sah auch der Präsident des Schwingklubs Zürcher Oberland, Daniel Spörri, so: «Roman ist ein Stimmungsschwinger, der einen guten Einstieg in den Wettkampf braucht, und das ist nicht passiert. Sein Hang, die Flinte zu früh ins Korn zu werfen, wenns mal nicht läuft, ist gross.»

Praktisch in allerletzter Sekunde konnte Teamleader Kindlimann Damian Egli aus Steinhuserberg mit Kreuzgriff bezwingen. Damit blieb der Teamleader aus Fischenthal weiterhin im Fahrplan.

Newcomer Funk konnte gegen den Südwestschweizer Luc Gottofrey mit dem Unentschieden ein kleines Erfolgserlebnis feiern. Gegen den Romand aus Echallens gab es nach zwei Niederlagen ein Unentschieden. Weiterhin nicht auf Touren kam Schnurrenberger. Allerdings bekam er mit Thomas Hurschler aus Grafenriet einen schweren Brocken vorgesetzt.

Die Anfeuerungsrufe des Ersatzmannes

Da nützten auch die Anfeuerungsrufe des Ersatzmannes Benjamin Nock wenig: «Chumm, Schnurri, du chasch es, dra bliibe.» Entsprechend enttäuscht zeigte sich der Sternenberger auch nach diesem dritten sieglosen Kampf.

Ende gut, fast alles gut. Auf diesen Nenner durfte man den ersten Tag aus Oberländer Sicht bringen. Schnurrenberger konnte den Kopf mit einem Sieg im vierten Gang gerade noch aus der Schlinge ziehen.

Eine weitere Topleistung lieferte der Fischenthaler Kindlimann im vierten Gang ab. Mit einem blitzsauberen Kurz liess er den Berner Konrad Steffen aus Koppigen in die Sonne schauen.

Damit war er mit drei Siegen und einem Unentschieden und dem Punktezwischentotal von 38,25 im 5. Rang in Tuchfühlung mit der Spitze.

Schnurrenbergers Hoffen

Trotz mehrheitlich überlegen geführtem Gang konnte Schnurrenberger gegen den Berner Maël Staub (Tavannes) nicht zum siegbringenden Wurf ansetzen. So musste er für den Weiterverbleib im Wettkampf weiter hoffen.

Keine Überraschung war dann das Remis zwischen Kindlimann und dem Berner Hünen Jonas Lengacher. Kindlimanns Schwingweise ist für jeden Schwinger unbequem und blieb auch für Lengacher eine Knacknuss.

Fabian Kindlimann und Roman Schnurrenberger kamen immer besser in Fahrt. Schnurrenberger stieg mit viel Selbstvertrauen gegen den Innerschweizer Pascal Nietlisbach (Buonas) in den Ring, hatte er diesen schon am Rigi-Schwinget im ersten Zug besiegt und blieb auch diesmal siegreich.

Mit der Maximalnote hatte er die Teilnahme am Kranzausstich doch noch gesichert.

Auch Klubkollege Kindlimann stand ihm in nichts nach. Gegen den Innerschweizer Jonas Brun (Entlebuch) liess er nichts anbrennen und entschied das Duell mit Kreuzgriff schon in der Anfangsphase des Kampfes für sich. Damit war der Oberländer auf Kranzkurs.

Kein Vergleich zur letzten Austragung

Kein Vergleich zum letzten «Eidgenossen», wo er nach sechs Gängen mit fünf Gestellten und einem Sieg den Kranzausstich klar verpasste.
Nach vier Siegen und zwei Unentschieden erwischte es Fabian Kindlimann im 7. Durchgang. Im Kampf gegen den Nordwestschweizer Strebel (Aristau) wurde er im ersten Zug auf dem falschen Fuss erwischt und verlor nach wenigen Sekunden.

Roman Schnurrenberger bekam mit dem Urner Andi Imhof eine schwierige Aufgabe vorgesetzt. Nach rund vier Minuten – die Gangdauer für den Kranzausstich wurde um eine Minute auf acht verlängert – musste er seine zweite Niederlage akzeptieren.

Die eingangs geschilderte Dramaturgie des missglückten Ausgangs und dem Verpassen des Kranzes für Kindlimann war ein echter Stimmungskiller für die vielen mitgereisten Fans. (Franz Steiner, Zug)

Christian Stucki ist Schwingerkönig

Der neue Schwingerkönig heisst Christian Stucki. Der Berner aus Lyss besiegte nach wenigen Sekunden im Schlussgang in Zug den jungen Innerschweizer Joel Wicki. Stucki ist mit 34 Jahren der älteste Schwingerkönig der Geschichte.

Die Entscheidung fiel knapp aus. Stucki, dem die Einteilungskampfrichter das mit Abstand härteste Pensum von allen Favoriten zugemutet hatten, stieg mit einem Rückstand von 1,25 Punkten in den letzten Kampf. Mit dem Sieg vermochte er Wicki einzuholen. Als Schlussgang-Sieger wurde Stucki als Schwingerkönig ausgerufen. Für den Co-Festsieger Wicki bleibt der Titel des Erstgekrönten.

Gegen das Ende seiner Karriere ist Stucki, der Publikumsliebling über die Verbandsgrenzen hinweg, als zweiter Schwinger nach Jörg Abderhalden auch Inhaber des Grand Slam. (sda)

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