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Neuer Sauber-Bolide

Die Swissness fiel einem Sponsor zum Opfer

Der Hinwiler Formel-1-Rennstall Alfa Romeo hat am Mittwochmorgen sein neues Auto präsentiert. Ein Schriftzug, der lange für Identifikation sorgte, ist darauf nicht mehr vorhanden.

Florian
Bolli
Mittwoch, 19. Februar 2020, 08:05 Uhr Neuer Sauber-Bolide

Andere machen darum ein unglaubliches Brimborium – Ferrari etwa richtete letzte Woche mit der ganz grossen Kelle an; die Italiener präsentierten ihren neuen Formel-1-Rennwagen in einer opulenten Show in einem Opernhaus.

Das von der Hinwiler Sauber Motorsport AG betriebene Team Alfa Romeo stellt sein Auto hingegen quasi einfach vor die Garage: Um 8.15 Uhr präsentierte der Rennstall seinen Boliden für die Saison 2020 in der Boxengasse des Circuit de Catalunya. Dort finden ab heute die ersten Vorsaisontests statt.

Mit diesem Video präsentierte das Team seinen Boliden auf Social Media. (Video: Alfa Romeo Racing)

Einen ersten Blick auf den C39-Ferrari hatte das Team seinen Fans via Social Media schon am letzten Freitag gewährt. Da kam das Auto noch in Schlangenoptik daher. Nun hat es sich quasi gehäutet – und sieht farblich wieder gleich aus wie im letzten Jahr.

«Für einen Neuanfang braucht es eine neue Haut», hatte das Team letzte Woche in einer Medienmitteilung geschrieben. Das bezieht sich also offensichtlich nicht auf die Farbgebung.

Polnischer Konzern statt Schweizer Kreuz

Neu ist der Co-Titelsponsor Orlen; der polnische Mineralölkonzern wechselte quasi zusammen mit Sauber-Rückkehrer Robert Kubica nach Hinwil. Simulatorpilot Kubica machte heute Vormittag in Barcelona die erste Ausfahrt mit dem C39 –  man kann das als Indiz deuten, dass von Orlen nicht eben wenig Geld fliesst.

Der neue Sponsor sorgt notabene auch für weniger Swissness: Die Worte «Schweiz – Suisse – Svizzera», die seit mehreren Jahren auf dem Heckflügel prangten, mussten dem Logo des polnischen Konzerns weichen. Immerhin: Der Schriftzug «Sauber Engineering» hat seinen Platz auf der Motorenabdeckung behalten dürfen und daneben ist doch noch ein kleines Schweizerkreuz aufgeklebt.

Der C38 verriet seine Herkunft. Der C38 verriet seine Herkunft. Der C39 ohne Schweizer Bezug. Der C39 ohne Schweizer Bezug.

«Wir müssen einfach einen besseren Job machen als in der letzten Saison.»
Teammanager Beat Zehnder

Für Teamchef Frédéric Vasseur war die Präsentation ein grosser Moment – und das Ende eines langen Prozesses. «Bisher ging alles gut», sagt der Franzose, «aber die Wahrheit zeigt sich jetzt in Barcelona und dann beim Saisonstart in Melbourne.» Am 15. März findet der erste GP des Jahres in Australien statt.

Für Alfa Romeo geht es darum, nach der Stagnation in der Saison 2019, als erneut nur der 8. WM-Rang resultierte, einen Schritt vorwärts zu machen. Zwar sehe das Auto seinem Vorgänger ähnlich, schreibt das Team, aber es sei «ein komplett neues Konzept, das uns dabei helfen soll, uns Richtung Spitze des Feldes zu bewegen».

Stabile Regeln erschweren Verbesserung

Diese Aufgabe ist ohnehin schon nicht leicht. Dass es keine Regeländerungen gab, erschwert sie zusätzlich – erst auf 2021 hin stehen im technischen Reglement grosse Änderungen an. «An stabilen Regeln hat man Freude, wenn man vorne mitfährt. Wenn man Aufholbedarf hat, macht es das schwieriger», sagte Technikchef Jan Monchaux bei der Präsentation. Kaum ein sichtbares Teil sei vom Vorgänger übernommen worden. «Wir haben hoffentlich einige Fehler ausgemerzt. Aber das eine Teil am Auto, das uns einen riesigen Schritt nach vorne bringt, gibt es nicht.»

Sechs Tage lang hat der Hinwiler Rennstall nun Zeit, um den C39 zu testen, seine Kinderkrankheiten zu eliminieren und die Basis für bessere Resultate als 2019 zu legen. Für den Illnauer Teammanager Beat Zehnder ist die Losung simpel: «Wir müssen einfach einen besseren Job machen als in der letzten Saison.»

Die ersten Impressionen des neuen Autos vom «Shakedown» in Fiorano. (Video: Alfa Romeo Racing)

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