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Erst Punkte-Jubel, dann Ernüchterung

Hinwiler in Hockenheim bestraft

Erst Punkte-Jubel, dann Ernüchterung

Zehn Punkte holten Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi im Regenrennen von Hockenheim für das Hinwiler Alfa-Team. Doch kurz vor 21 Uhr kam die Hiobsbotschaft.

Florian
Bolli
Sonntag, 28. Juli 2019, 22:17 Uhr Hinwiler in Hockenheim bestraft
Germany F1 GP Auto Racing
Im Regen fuhr Kimi Räikkönen stark, verlor aber seine WM-Punkte wegen einer Strafe.
Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi kamen in Hockenheim als 7. und 8. ins Ziel
  • Vier Stunden nach dem Rennen wurden die Alfa-Piloten bestraft
  • Das Team will den Entscheid anfechten


Es wäre eigentlich ein so erfolgreicher Tag gewesen für das Hinwiler Alfa-Romeo-Team. Am GP von Deutschland in Hockenheim fuhren beide Autos zum zweiten Mal in dieser Saison in die Punkte, Kimi Räikkönen als Siebenter und Antonio Giovinazzi als Achter.

Doch kurz vor 21 Uhr – rund vier Stunden nach dem Rennen – kam die Hiobsbotschaft: Weil Kupplungseinstellungen vor dem Start unerlaubt verändert wurden, kassierten die beiden Piloten nachträglich 30-Sekunden-Strafen. Damit fallen sie aus den Punkterängen und belegen neu die Plätze 12 und 13.

Umstrittene Kupplungseinstellung

In der Urteilsbegründung der Stewards heisst es, das Drehmoment am Start sei nicht im vorgeschriebenen Zeitraum freigesetzt worden, nachdem die Piloten die Kupplung lösten. Passieren muss dies laut Reglement innert 70 Millisekunden; gemessen wurden bei Räikkönen 200 Millisekunden, bei Giovinazzi 300. Das sei aufgrund der nassen Bedingung ein möglicher Vorteil am Start gewesen, heisst es.

«Wir werden diese Entscheidung anfechten.»
Alfa-Romeo-Teamchef Frédéric Vasseur

Alfa-Teamchef Frédéric Vasseur zeigte sich enttäuscht: «Wir werden diese Entscheidung anfechten», sagte der Franzose. Während der Aufwärmrunden hinter dem Safety Car habe es eine Fehlfunktion der Kupplung gegeben die man nicht habe kontrollieren können. 

«Wir respektieren die Arbeit der Kommissäre, aber wir glauben wir haben eine Begründung und Beweise, um die Entscheidung anzufechten.» Die ursprünglichen Klassierungen seien für die Fahrer «die richtige Belohnung für eine sehr gute Performance in schwierigen Bedingungen».

(K)ein schönes Geschenk für Zehnder

Es wäre das beste Teamresultat für den Hinwiler Alfa-Romeo-Rennstall in dieser Saison gewesen. Zehn Punkte – eigentlich ein schönes Geschenk für den Illnauer Beat Zehnder, der in Hockenheim sein 25-jähriges Jubiläum als Sauber-Teammanager feierte. Auch Peter Sauber gehörte zu den Gratulanten; der Teamgründer verfolgte das Rennen in der Box.

Peter Sauber und Beat Zehnder in der Alfa-Box.
Sauber Motorsport AG

Auch ohne die Strafe bleibt der Eindruck zurück, dass die Hinwiler eine grosse Chance auf einen Toprang verpassten. Im Regen-Chaos mit vier Safety-Car-Phasen, sieben Ausfällen und unzähligen Ausritten waren die Teamstrategen gefordert.

Der Poker der Konkurrenz ging auf

Sie mussten pokern – und das taten etwa Toro Rosso mit dem später sensationell drittplatzierten Daniil Kwjat und Racing Point mit Lance Stroll (4.) besser. Sie wechselten in der Schlussphase früher auf Trockenreifen und wurden dafür belohnt. Die beiden Alfa-Piloten hingegen fielen wegen der späteren Boxenstopps kurzfristig gar aus den Punkterängen, kämpften sich dann aber wieder zurück.

In der Konstrukteure-WM wäre das Punktekonto der Hinwiler eigentlich auf 36 Zähler angewachsen; der Rückstand auf das Renault-Werksteam hätte nur noch drei Punkte betragen. So aber ist Alfa Romeo statt Siebter nun Neunter und damit Zweitletzter vor Williams, für das Ex-Sauber-Pilot Robert Kubica den ersten Punkt der Saison holte. Der Pole war der Profiteur der Alfa-Strafe; er rückte auf Rang 10 vor.

Vettels Aufholjagd, Mercedes' Debakel

Den Sieg in Hockenheim holte sich Max Verstappen im Red Bull. Mann des Tages war aber Sebastian Vettel. In seinem Heimrennen kämpfte sich der Deutsche, dessen Ferrari in der Qualifikation streikte, vom letzten auf den zweiten Rang vor.

Ein Debakel setzte es für Mercedes ab – ausgerechnet in jenem Rennen, in dem sich der Hersteller für 125 Jahre Motorsport selber feiern wollte. Weltmeister Lewis Hamilton, von der Pole-Position gestartet, verlor bei einem Dreher den Frontflügel und musste lange an die Box. Er kam als Elfter ins Ziel, profitierte später aber ebenso von den Rückversetzungen der Alfa-Piloten und kam doch noch zu zwei Punkten. Sein Teamkollege Valtteri Bottas flog in der Schlussphase ab.

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