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Sauber und der verkorkte Champagner

Die Flasche des Anstosses

Sauber und der verkorkte Champagner

Im Sauber-Werk Hinwil steht eine verschlossene Champagnerflasche. Dahinter versteckt sich eine spezielle Geschichte.

Redaktion
Züriost
Donnerstag, 06. Juni 2019, 12:57 Uhr Die Flasche des Anstosses
27 Flaschen, für jeden Podestplatz eine, stehen im Sauber-Werk in Hinwil. Eine davon ist ungeöffnet.
PD

Er dürfte jedem Sauber-Fan in bester Erinnerung sein, der 8. Juni 2008. Am GP von Kanada in Montreal siegte Robert Kubica vor seinem Teamkollegen Nick Heidfeld – es war der erste und bisher einzige Sieg für Sauber in der Formel 1. Jubel, Trubel, Champagnerdusche – ein wortwörtlich einmaliges Ereignis in der Geschichte des Rennstalls.

Nun steht wieder ein GP von Kanada an, und von Siegchancen kann man derzeit beim unterdessen unter dem Namen Alfa Romeo fahrenden Hinwiler Team nicht einmal mehr träumen. Zuletzt in Monaco lagen sogar die sonst wieder zur Gewohnheit gewordenen WM-Punkte ausser Reichweite. Vielleicht auch deshalb erinnert sich das Team in seiner Rennvorschau an das Highlight von vor elf Jahren – gepaart mit einer netten Anekdote.

Der aufgeregte Kubica

Es geht um eine Champagnerflasche. Davon stehen in Hinwil 27, für jeden Podestplatz eine, und sie sehen alle ähnlich aus – wie Champagnerflaschen eben. Diejenige, die es für den Sieg in Montreal gab, unterscheidet sich allerdings von allen andern. Sie ist die einzige, die noch verschlossen ist. Kubica sei auf dem Siegerpodest derart aufgeregt gewesen, dass er vergessen habe, seine Flasche zu öffnen. Und deshalb habe der Champagner auch in verschlossenem Zustand die Vitrine im Werk in Hinwil erreicht.

Eine hübsche Geschichte. Aber eine unwahre – zum Teil wenigstens. Denn Kubica hat auf dem Podest durchaus Champagner versprüht, sein erstes Opfer war der damalige Teamchef Mario Theissen.

So berichtete der ZO über den Sauber-Sieg. Klar zu sehen: Kubica (links) mit der geöffneten Champagnerflasche.

Wahr ist hingegen, dass in Hinwil tatsächlich eine verschlossene Flasche für den Sieg in Kanada steht. Der Grund: BMW. Der Autohersteller, der damals die Mehrheit an Sauber hielt, nahm Kubicas leere Sieges-Pulle mit nach München, wo sie noch heute im Musem steht. Und in Hinwil steht ein von der Formel 1 zur Verfügung gestelltes Duplikat – inklusive Korken.

«Flasche leer» in München

Man kann den beiden Flaschen notabene durchaus eine gewisse Symbolik zuschreiben: In München beschlossen sie nämlich rund anderthalb Jahre später den Ausstieg «Flasche leer» also, ganz salopp. Und in Hinwil kann man mit einer vollen Flasche weiter auf jenen Tag warten, an dem es wieder etwas zu feiern gibt (und womöglich auch eine neue Flasche).

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