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Weshalb man in Hinwil von Platz 4 träumen darf

Vor der neuen F1-Saison

Weshalb man in Hinwil von Platz 4 träumen darf

Am Sonntag beginnt in Australien die Formel-1-Saison. Das Hinwiler Team heisst zwar nicht mehr Sauber, könnte aber zu alter Sauber-Stärke zurückfinden.

Florian
Bolli
Freitag, 15. März 2019, 23:29 Uhr Vor der neuen F1-Saison
Kimi Räikkönen im freien Training in Australien.
Keystone

Vierter will eigentlich niemand werden. Der Volksmund bezeichnet den 4. Rang als undankbar, sprichwörtlich wird eine «Ledermedaille» dafür verteilt. In der Formel 1 aber wollen viele Teams in der Konstrukteure-WM genau da hin, auf diesen vierten Platz. Denn wer dort ist, ist «Best of the rest», quasi der Weltmeister der Kleinen. Denn das Trio davor, Mercedes, Ferrari und Red Bull, wird nur schon wegen der deutlich höheren Budgets auch in der Saison 2019, die am Sonntag mit dem GP von Australien beginnt, unerreichbar bleiben.

Für ein Team wie den Hinwiler Sauber-Rennstall, der sich seit dieser Saison nur noch Alfa Romeo Racing nennt, muss dieser vierte Rang deshalb das Ziel sein, das Fernziel zumindest. Verwaltungsratspräsident Pascal Picci jedenfalls sprach diese Ambition letztes Jahr schon aus – wenn auch im Bewusstsein, dass er damit sehr hoch greift.

WM-Vierter – das war Sauber als Privatteam vor 18 Jahren. 2001, als noch nur die ersten sechs Fahrer Punkte erhielten, wurde Peter Sauber dafür belohnt, dass er das Risiko einging, den völlig unerfahrenen Kimi Räikkönen zu engagieren. Der Finne dankte es ihm – unter anderem mit zwei vierten Plätzen.

Nun war es für Teamchef Frédéric Vasseur alles andere als ein Risiko, Räikkönen zu verpflichten. 39-jährig ist der Finne unterdessen, 291 Rennen hat er absolviert – mehr als alle anderen derzeit aktiven Formel-1-Piloten. 21 Siege, 18 Pole-Positions und ein Weltmeistertitel stehen in seinem Palmares – logisch deshalb, dass Vasseur das Engagement des Finnen als «grossen Schritt für das Team» bezeichnet.

Kimi Räikkönen: Rückkehrer und Hoffnungsträger.
Sauber Motorsport AG

Die Hoffnungen auf den Erfolg sind stark mit Räikkönen verknüpft. Er soll eine tragende Rolle einnehmen, Teamchef Vasseur erhofft sich vom Finnen wichtige Inputs für die Weiterentwicklung des Autos. Und für Teamkollege Antonio Giovinazzi, der Italiener wurde aus der Ferrari-Talentschmiede zu Alfa Romeo befördert, ist Räikkönen ein Vorbild, von dem er in erster Linie viel lernen möchte.

«Ich bin hier, weil ich glaube, dass wir einen guten Job machen können
Kimi Räikkönen

«Ich bin hier, weil ich glaube, dass wir einen guten Job machen können», sagt Räikkönen selber. Für ihn ist es für eine Rückkehr in ein vertrautes Umfeld. Die Fabrik sei nun zwar grösser, das Team sei grösser, aber trotzdem habe er es wiedererkannt. Zwar bedauert auch er, dass der Name Sauber aus der offiziellen Teambezeichnung verschwunden ist. «Aber abgesehen vom Namen hat sich ja nichts geändert. Und für mich spielt es keine Rolle, wie das Team heisst, sondern dass wir Erfolg haben.»

«Es wäre perfekt, wenn wir so weitermachen könnten. Aber je höher man in der Rangliste steht, um so schwieriger wird es, sich zu verbessern
Teamchef Frédéric Vasseur

Doch was heisst Erfolg genau für das Hinwiler Team? In der letzten Saison konnte der achte WM-Rang als Erfolg gewertet werden. Damals galt Sauber zu Beginn als sicherer Kandidat für den letzten Platz, am Ende waren die Hinwiler im Mittelfeld eine feste Grösse und verpassten den 7. WM-Rang nur gerade um vier Punkte. «Es wäre perfekt, wenn wir so weitermachen könnten. Aber je höher man in der Rangliste steht, um so schwieriger wird es, sich zu verbessern», sagt Teamchef Vasseur.

Hat Alfa Romeo eine Chance auf Platz 4?

Ja, sicher! Der C38 ist ein schnelles Auto und Kimi Räikkönen ein Top-Fahrer. Die Kombination ist unschlagbar.
43%
Das Team ist im Mittelfeld zwar gut dabei, aber für den Platz gleich hinter der Spitze reicht es noch nicht.
52%
Nein, niemals. Die letzte Saison war eine Ausnahmeerscheinung. Das Team fällt wieder ans Ende des Feldes zurück.
5%
Total votes: 21

Doch im Gegensatz zu letzter Saison muss Alfa-Sauber heuer nicht von ganz hinten aufholen. Schon früh im letzten Jahr bezeichnete Vasseur 2019 als eine «grosse Chance», weil die Reglementsänderungen betreffend der Aerodynamik die Teams quasi dazu zwangen, komplett neue Autos zu konstruieren, statt das Vorjahresmodell weiterzuentwickeln.

Die Basis scheint gelegt

Es scheint, als wüssten die Hinwiler diese Chance zu nutzen. Der C38, das erste Auto, das unter dem im letzten Sommer verpflichteten ehemaligen Ferrari-Ingenieur Simone Resta entwickelt wurde, holte sich in den Vorsaisontests anerkennende Kommentare ab – für das gewagte Frontflügel-Design, aber auch für die Zuverlässigkeit und für die gefahrenen Zeiten. Die beiden Fahrer spulten das Testprogramm ohne grössere Komplikationen ab – mit 922 Testrunden gehörte Alfa Romeo zu den fleissigsten Teams.

Die Basis scheint also gelegt für eine neuerliche Steigerung. Und wenn es das Team schafft, eine ähnliches Entwicklungtempo an den Tag zu legen wie in der letzten Saison, darf man in Hinwil durchaus vom Platz hinter den Topteams träumen – wie eben 2001, als Räikkönen die Formel-1-Welt überraschte. Es wäre für das Team, das zwar Alfa Romeo heisst, in dem aber viel Ferrari und noch mehr Sauber drin ist, die definitive Rückkehr zu alter Sauber-Stärke.

Der Rennkalender

17. März: GP von Australien in Melbourne
31. März: GP von Bahrain in Sakhir
14. April: GP von China in Schanghai
28. April: GP von Aserbaidschan in Baku
12. Mai: GP von Spanienin Montmeló
26. Mai: GP von Monaco in Monte Carlo
9. Juni: GP von Kanada in Montreal
23. Juni: GP von Frankreich in Le Castellet
30. Juni: GP von Österreich in Spielberg
14. Juli: GP von Grossbritannien in Silverstone
28. Juli: GP von Deutschland in Hockenheim
4. August: GP von Ungarn in Mogyorod
1. September: GP von Belgien in Francorchamps
8. September: GP von Italien in Monza
22. September: GP von Singapur in Singapur
29. September: GP von Russland in Sotschi
13. Oktober: GP von Japan in Suzuka
27. Oktober: GP von Mexiko in Mexiko-City
3. November: GP der USA in Austin
17. November: GP von Brasilien in São Paulo
1. Dezember: GP der Vereinigten Arabischen Emirate in Abu Dhabi

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