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Mit Sauber verschwindet mehr als nur ein Name

Kommentar

Mit Sauber verschwindet mehr als nur ein Name

Die Namensänderung des Hinwiler Sauber-Teams kommt nicht völlig überraschend, sie irritiert aber. Der Kommentar von Züriost-Sportchef Florian Bolli.

Florian
Bolli
Freitag, 01. Februar 2019, 19:30 Uhr
Das Hinwiler Sauber-Team ist künftig nur noch als Alfa Romeo Racing unterwegs.
Keystone

Es ist das Ende einer Ära: Das in Hinwil beheimatete Formel-1-Team Sauber verliert den Namen seines Gründers. Ab sofort nennt sich der Rennstall nur noch Alfa Romeo Racing. Die italienische Automarke, 2018 als Titelsponsor zum Team gestossen, überstrahlt nun alles. Und sie verdrängt jenen Namen, der in der Formel 1 einst als Synonym galt für Präzision, Effizienz, Seriosität. Den Namen Peter Saubers.

Ohne Not, ohne Zwang

Völlig überraschend kommt die Namensänderung nicht. Schliesslich hatte der Teamgründer und langjährige Patron selber in Hinwil keine Funktion mehr inne, seit er sein Lebenswerk im Sommer 2016 an Longbow Finance verkaufte. Und doch irritiert es, dass sein Name verschwindet. Denn die neuen Besitzer hatten die Swissness gerne betont, auf dem Heckflügel der Boliden prangten die Worte «Schweiz Suisse Svizzera», getrennt von zwei Schweizer Kreuzen. Und nun streichen sie den Schweizer Bezug aus dem Teamnamen. Ohne Not, ohne Zwang, ohne Rücksicht auf die lange und bewegte Geschichte.

Identitätsstiftend war der Name – für die Fans sowieso, aber auch wer sich nicht sonderlich für die Formel 1 interessierte, kannte die sechs Buchstaben. Sauber war mehr als nur ein Teamname. Sauber, das hiess auch Hinwil, es hiess Windkanal, es hiess Arbeitsplätze, rund 450 sind es derzeit. Und Sauber stand in der Formel 1 für ein Privatteam, das allen Widerwärtigkeiten trotzte. Es durchlebte Höhenflüge wie den einzigen GP-Sieg 2008 in Kanada unter BMW-Ägide, es durchlebte Tiefpunkte wie die finanzielle Not, die schliesslich im Verkauf an Longbow gipfelte. Der Name verlor wohl an Glanz, das Team musste sich bisweilen Hohn und Spott anhören. Doch Sauber war immer da, fand einen Ausweg aus jeder noch so grossen Krise.

BMW sah es noch anders

Die letzte Saison und die Partnerschaft mit Alfa Romeo markierten auch sportlich die Wende zum Besseren. Sauber zog mit dem Sprung von den Niederungen der WM ins sichere Mittelfeld den Respekt der Konkurrenz auf sich. Die Ambitionen in Hinwil sind hoch, 2019 sollen Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi an der Spitze des Mittelfelds fahren. Es ist nicht undenkbar, dass es die beste Saison für das Team wird seit den Jahren unter BMW-Führung. Der damalige BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen begründete den Doppelnamen BMW-Sauber damit, dass das Team von BMW geführt werde, die Sauber-Leute aber den Kern der Equipe bildeten. Die aktuelle Sauber-Führungscrew sieht das nun offenbar nicht mehr so.

«Als Schweizer Team 25 Jahre in der Formel 1 zu überleben, ist eigentlich eine «Mission Impossible», sagte Peter Sauber einmal. Das Team lebt weiter. Sein Name hingegen ist Geschichte.

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