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«Kimis Körpersprache war einmalig»

Peter Sauber

«Kimis Körpersprache war einmalig»

Kimi Raikkönen kehrt zurück nach Hinwil. Teamgründer Peter Sauber erinnert sich an die verrückten Tage, als er dem Finnen 2001 eine Chance gab.

Redaktion
Züriost
Donnerstag, 13. September 2018, 09:31 Uhr Peter Sauber
Peter Sauber
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«So etwas habe ich nie mehr erlebt», sagte Peter Sauber gegenüber dem Blick.

Peter Sauber hat Kimi Raikkönen in die Formel 1 geholt. Gegenüber dem Blick erinnert er sich an diese Zeit und äussert sich zur Rückkehr des finnischen Piloten. Mit den Worten von Adolf Ogi sagte er: «Freude herrscht». Dass die Möglichkeit einer Rückholaktion bestehe, habe er schon bei seinem Besuch in Monza erfahren. Der Wechsel sei «ein tolles Signal». Kimi Raikkönen habe in Hinwil einen exzellenten Ruf und sei auch bei den Fans sehr beliebt. Seine Verpflichtung wird dem ganzen Team enormen Schub verleihen.

Raikkönen sei enorm ehrgeizig und spüre, dass es bei Sauber aufwärts geht. Vor einem Jahr hätte er diesen Schritt wohl nicht gemacht. Er werde mit seiner Erfahrung das Team in jeder Beziehung weiterbringen. Der finnische Pilot habe sich diesen Schritt sehr gut überlegt und werde nicht seinen guten Ruf verlieren wollen.

«Diesen Mann testen wir!»

Weiter erzählte Sauber, wie er den jungen finnischen Piloten Raikkönen entdeckte: 

Der englische Manager David Robertson kam in Winter 2001 nach Hinwil. Dessen Sohn Steve betreut Raikkönen heute noch. Robertson erzählte Sauber von einem Wunderkind in der Formel Renault. Ein Mann ohne Einsätze in der Formel 3 oder der Formel 3000, wie die Formel 2 damals noch hiess. Saubers Bauchgefühl sagte ihm: Diesen Mann testen wir. Das koste ja immer auch Geld.

«Als ich ihm zum ersten Mal begegnet bin, da hatte ich das Gefühl, er spaziert durch mich hindurch.»

«Dann sind wir für drei Tage mit zwei Autos nach Mugello.» Kimi sei scheu und wortkarg gewesen und habe kaum Englisch – also fast überhaupt nicht gesprochen. «Aber seine Körpersprache war einmalig», sagte Sauber gegenüber der Zeitung «Blick». «Als ich ihm zum ersten Mal begegnet bin, da hatte ich das Gefühl, er spaziert durch mich hindurch.» Er werde diese eindrückliche Begegnung nie vergessen. «Er machte den Eindruck von totaler Entschlossenheit.»

Gestartet wie ein Profi

Bei den Tests in Muguello hat Raikkönen gleich überzeugt. Kimi habe noch nie am Steuerrad gekuppelt und geschaltet. «Aber er ist zur Boxengasse rausgefahren, als ob nichts wäre», erzählte Sauber. Seine Rundenzeiten seien auf Anhieb sehr schnell gewesen und er war unglaublich konstant. Wenn man ihn mit 30 Kilo weniger Benzin auf die Strecke geschickt habe, dann war Raikkönen eine Sekunde schneller. Und mit neuen Reifen nochmals eine Sekunde. Wie ein Uhrwerk. So etwas habe Sauber nie mehr erlebt. «Wir waren fasziniert und haben ihn verpflichtet.»

AUSTRALIEN MELBOURNE GP
ARCHIVBILD ZUM ABGANG VON KIMI RAEIKKOENEN VON FERRARI UND WECHSEL ZU ALFA ROMEO SAUBER, AM DIENSTAG, 11. SEPTEMBER 2018 - Die beiden Formel-1-Fahrer von Sauber Petronas der Deutsche Nick Heidfeld, links, und der Finne Kimmi Raeikkoenen beim Fotoshooting
2001: Das erfolgreiche Sauber-Piloten-Duo Nick Heidfeld und Kimi Raikkönen.

Trotzdem wollte die FIA ihm als unerfahrenem Neuling keine Superlizenz geben. Sauber musste die anderen Teamchefs überzeugen, dass man diesem Quereinsteiger eine Superlizenz geben müsse. «Ich habe Sie aufgefordert: Geht hin und schaut ihm beim Fahren zu. Dann versteht ihr mich.»

Trotz dieser Erfahrung ist zwischen Raikkönen und Sauber keine richtige Vater-Sohn-Beziehung entstanden. Dafür sei Räikkönen zu unnahbar gewesen.

Einstand nach Mass

Saubers Entscheidung war denn auch Richtig. Raikkönen feierte in Australien einen Start nach Mass. Er fuhr auf Anhieb in die Punkte und wurde Sechster. Teamkollege Nick Heidfeld wurde Vierter.  Am Ende der Saison war Sauber in der Konstrukteuren-WM auf Platz vier. Es war die erfolgreichste Saison für das Sauber. Besser lief es nur noch mit BMW, als das Team einmal Zweiter und einmal Dritter wurde.

Sauber hofft, dass die Kimi-Rückkehr dem Team noch einmal weiteren Schwung verleiht. «Ein Weltmeister kehrt zurück in seine zweite Heimat. Das ist ein schöne Geschichte und für den Sauber-Rennstall ein tolles Signal.»

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