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Letzte Ausfahrt Weesen

Nikci wird Amateurfussballer

Der Ustermer Adrian Nikci beendet seine Profikarriere – und spielt schon bald gegen den FC Rüti in der 2. Liga interregional.

David
Schweizer
Donnerstag, 06. August 2020, 17:56 Uhr Letzte Ausfahrt Weesen

Die Nachricht vom Rücktritt als Profi kommt wenig überraschend. Adrian Nikci spielte beim FC Schaffhausen längst keine Rolle mehr. Sein letzter Kurzeinsatz datiert vom April 2019 gegen Chiasso. Der Ustermer zog sich in diesem Match einen Kreuzbandriss zu.

Operieren wollte er sein Knie allerdings nicht mehr – und setzte auf konservative Behandlungsmethoden. «Als 20-Jähriger hätte ich anders gehandelt, aber jetzt war ich einfach nicht mehr dazu bereit, dieses Opfer zu bringen», sagte Nikci gegenüber der «Linth-Zeitung».

Genug vom Fussball hat er deshalb aber nicht. Der Offensivspieler wechselt zum FC Weesen in die 2. Liga interregional – und trifft dort auch als Gegner auf den FC Rüti.

Entscheidenden Anteil daran hatte mit Pleurat Hoxhaj ausgerechnet ein ehemaliger Rütner. Anfang Jahr war dieser als spielender Assistenztrainer zum St. Galler Ligarivalen gewechselt und stellte nun den ersten Kontakt her. «Wir spielten zwar nie miteinander, dafür früher oft gegeneinander. Über die Jahre hat sich dann eine enge Freundschaft entwickelt», lässt sich Nikci zitieren.

Hilfe beim Berufseinstieg

Hoxhaj alleine ist aber nicht der Grund für den Transfer an den Walensee. Die Verantwortlichen des FC Weesen wollen dem einstigen KV-Absolventen nämlich nach insgesamt 12 Profijahren beim Wiedereinstieg ins «normale» Berufsleben behilflich sein.

«Wir sind stolz, dass Adrian unsere Farben tragen wird und wir unsere Zuschauer dieses Schmankerl präsentieren können.»

Hansjörg Gutknecht, Präsident FC Weesen

Dafür soll Nikci seinen Beitrag dazu leisten, dass sich die Weesner in der Interregio-Gruppe 6 zu einem Spitzenteam entwickeln. «Wir sind stolz, dass Adrian unsere Farben tragen wird und wir unsere Zuschauer dieses Schmankerl präsentieren können», sagt Präsident Hansjörg Gutknecht voller Vorfreude.

Doch zu welchen Leistungen ist Nikci überhaupt nach der langen Wettkampfpause noch fähig? «Klar hatte er zuletzt wenig Spielpraxis und gibt es eine lange Verletzungsgeschichte. Doch bei Schaffhausen hat er im Frühjahr voll trainieren können», wischt Sportchef Daniel Gmür allfällige Bedenken zur Seite.

Dem pflichtet Nikci bei. «Ich bin fit und beschwerdefrei. Zudem trainiert und spielt Weesen ja auf Naturrasen.» Gerade die Plastikunterlage hatte ihm in Schaffhausen wieder zugesetzt. «Wie schon in Thun und Bern tat mir der Kunstrasen nicht gut. Ich bekam immer wieder Adduktorenprobleme», sagt Nikci.

Nur noch wenige Einsätze

Ende Juni ist sein Vertrag nun beim Challenge-League-Klub ausgelaufen. Eigentlich hatte er in Schaffhausen im Sommer 2018 seine Karriere neu lancieren wollen.

Eine Saison lang war Nikci zuvor ohne Klub und Vertrag. Beim FCS bestritt er allerdings nur zehn Partien – acht davon als Einwechselspieler.

Es ist eine karge Ausbeute für den einstigen FCZ-Überflieger. Bei seinem Jugendklub steuert er in der Meistersaison 2008/09 vier Tore und sechs Assists zum Erfolg bei.

Nikci kann sich anschliessend auf der grossen Champions-League-Bühne gegen Real Madrid, Milan und Marseille präsentieren. Der Lohn dafür: 2012 wechselt er zu Hannover 96 in die Bundesliga.

Doch Nikci konnte bei den Niedersachsen nie Fuss fassen. Er wurde nach Thun und zu YB verliehen. Später erhielt er bei Nürnberg und Union Berlin einen nächsten Vertrag – und damit neue Chancen. Aber selbst in der 2. Bundesliga blieb er ein Kurzarbeiter – auch wenn Verletzungen immer wieder eine Rolle dabei spielten. Wie zuletzt in Schaffhausen.

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