×
Eishockey 1. Liga

Für Nüssli ist im EHCW kein Platz mehr

Trainer Thomas Nüssli muss den EHC Wetzikon per sofort verlassen. Der Verein begründet die Trennung mit Sparmassnahmen.

Oliver
Meile
Dienstag, 16. Februar 2021, 19:22 Uhr Eishockey 1. Liga
Die Zeit von Thomas Nüssli beim EHCW ist bereits wieder zu Ende.
Foto: EHC Wetzikon/Christian Merz

Diese Ehe hat nicht einmal ein Jahr gedauert. Der EHC Wetzikon und Thomas Nüssli gehen per sofort wieder getrennte Wege. Anfang April des letzten Jahres hatte der EHCW den 38-jährigen Appenzeller überraschend als Cheftrainer verpflichtet. Der über keinerlei Trainererfahrung verfügende Ex-Profi wurde mit einem Vertrag über zwei Jahre plus Option ausgestattet.

Er sehe das Engagement des langjährigen Nationalliga-Stürmers nicht so sehr als Risiko, viel eher als Chance, sagte Diego Piceci damals zur Wahl. Und noch vor wenigen Wochen erklärte der Sportchef, Nüssli führe seine Arbeit fort. Er sprach gar davon, diesen stark in die Kaderplanung einzubeziehen.

Mittlerweile hat sich die Situation bei den Wetzikern grundlegend geändert. Am Mittwochabend trennte sich der Oberländer Erstligist von Nüssli. In einer Medienmitteilung schreibt der Verein, es seien finanzielle Gründe, die den Vorstand zum Schritt bewogen hätten.

«Die Folgen der Pandemie, die den Verein, viele Sponsoren und Gönner hart treffen, führen dazu, dass Ausgaben auf allen Stufen neu überdacht und massiv Geld eingespart werden muss.»

Anpassung war kein Thema

Wie viel der EHCW genau sparen muss, kann Präsident Sahli auf Anfrage nicht beziffern. Der Entscheid, sich von Nüssli zu trennen, sei dem Vorstand aber schwer gefallen. Dennoch habe der Klub nicht versucht, den Vertrag mit Nüssli nach unten anzupassen. «Das wäre gegenüber Thomas schlicht nicht fair gewesen.»

Natürlich sei Nüssli enttäuscht gewesen, habe aber auch Verständnis für den Schritt gezeigt. Sahli hat für den Ex-Trainer nur lobende Worte übrig. «Er ist eine herzensgute Person, war sehr aktiv und hatte viele Ideen.»

Ob wie ins Feld geführt tatsächlich ausschliesslich finanzielle Gründe zur Trennung führten, lässt sich von aussen nicht beurteilen. Frei von Nebengeräuschen war Nüsslis Arbeit – wie die von jedem Trainer – allerdings nicht.

Wobei sich der Appenzeller bewusst war, Neuland zu betreten. Vor Saisonbeginn sagte er: «Nur weil ich lange gespielt habe, heisst das noch lange nicht, dass ich alles weiss. Ich werde Fehler machen.»

«Hockey lebt von Emotionen. Geredet wird viel. Was jeweils dran ist, wissen nur die Beteiligten.»

Hanspeter Sahli, Präsident EHC Wetzikon

Mit Beginn der Eistrainings keimten beim EHCW hinter vorgehaltener Hand denn auch einige kritische Stimmen auf. Man hört, Spieler hätten moniert, der neue Trainer habe in der seit Jahren erfolgreichen Mannschaft ohne Not alles auf den Kopf gestellt.

Von mangelnder Disziplin in den Trainings ist die Rede. Und von mehreren Seiten hiess es, der Ex-Profi tue sich schwer bei der Arbeit mit Amateursportlern.

Ob die Vorwürfe stimmen und angesichts der Unerfahrenheit Nüsslis angebracht sind, bleibt offen. Präsident Sahli sagt: «Hockey lebt von Emotionen. Geredet wird viel. Was jeweils dran ist, wissen nur die Beteiligten.»

Fakt ist zudem: Sportchef Piceci zeichnete in seiner Saisonbilanz zwar kein völlig makelloses Bild. Er fand dennoch, grundsätzlich habe die Zusammenarbeit zwischen Mannschaft und Trainer funktioniert.

Es gebe aber auch noch einiges zu verbessern, sagte Piceci vor einem Monat. «Man muss sich beidseitig die Möglichkeit dafür geben.»

Die magere Bilanz

Nüssli erhält die Chance, sein Profil als Trainer zu schärfen, nach der Trennung nun nicht mehr. Zumindest nicht beim EHC Wetzikon. Was aber bleibt von seinem kurzen Gastspiel?

Auf den ersten Blick eine sportliche ernüchternde Bilanz. Von den sechs Meisterschaftsspielen unter Nüssli verloren die Oberländer vier. Sie kassierten zudem am zweitmeisten Gegentore in der Ostgruppe.

Das ist für die breit besetzte und mit zahlreichen überdurchschnittlich guten Spielern besetzte Mannschaft, die in den letzten Jahren in der 1. Liga immer zur Spitze zählte, schlicht zu wenig.

Auch wenn man die Zahlen fairerweise relativieren muss. So hätte Nüssli keinen schlechteren Zeitpunkt erwischen können, um seine Trainerkarriere zu starten.

«Wir lassen erstmals ein wenig Luft durch, brauchen einen Moment der Ruhe.»

Hanspeter Sahli, Präsident EHC Wetzikon

Die Pandemie diktierte die Bedingungen. Immer wieder neue Einschränkungen stellten den Staff vor grosse Herausforderungen. Und erschwerten die Arbeit.

Kommt hinzu: Der EHC Wetzikon hatte sich zuletzt auch unter Vorgänger Roger Keller zu Beginn der Meisterschaft sehr schwer getan. Zudem kommunizierte Nüssli früh, der Fokus liege bis zu den Weihnachten nicht auf den Resultaten, sondern auf der Entwicklung.

Es gehe darum, die Neuerungen zu implementieren. Ob Nüsslis Plan aufgegangen wäre? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Der Meisterschaftsabbruch nahm dem einstigen NHL-Draft die Chance.

Suche nach einem Nachfolger hat Zeit

Wer Nüsslis Nachfolger wird, ist offen. Und dürfte auch nicht schon in den nächsten Tagen feststehen, wie Präsident Sahli sagt. «Wir lassen erstmals ein wenig Luft durch, brauchen einen Moment der Ruhe.»

Den Budgetrahmen für die Mannschaft hat man derweil festgelegt. Das Kader dürfte gegenüber der letzten Saison wohl etwas weniger gross werden.

An den sportlichen Zielen ändert der jüngste Entscheid des Oberländer Erstligisten gleichwohl nichts. Er strebt weiterhin den Aufstieg in die höchste Amateurliga MSL an. 

Kommentar schreiben