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Effretiker Jürg Bircher

Ex-Präsident des EHC Kloten muss ins Gefängnis

Der Ex-Präsident des Eishockeyclubs Kloten, Jürg Bircher, muss ein halbes Jahr ins Gefängnis. Das Bezirksgericht Zürich hat ihn wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Betrug, mehrfacher Urkundenfälschung und Misswirtschaft verurteilt.

Agentur
sda
Mittwoch, 13. Januar 2021, 14:49 Uhr Effretiker Jürg Bircher
Der Effretiker Jürg Bircher hinterliess beim EHC Kloten einen Scherbenhaufen.

Das Bezirksgericht Zürich verurteilte Jürg Bircher am Mittwoch zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Zwei Jahre davon wurden bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren verhängt. Die restlichen sechs Monate muss der 56-jährige Effretiker jedoch absitzen. Drei Tage, die er im Jahr 2014 in Untersuchungshaft sass, werden ihm dabei angerechnet.

Das Urteil wurde im abgekürzten Verfahren gefällt. Das bedeutet, dass Bircher komplett geständig war und das Gericht den Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft nur noch zum Urteil erklären musste. Ein langer Gerichtsprozess mit Plädoyers war nicht notwendig.

Innerhalb von etwas mehr als drei Jahren hatte Bircher den EHC Kloten finanziell in den Abgrund geführt und einen veritablen Scherbenhaufen hinterlassen. Im Juni 2012 stand der Club vor dem Konkurs und konnte nur mit neuem Geld von Gönnern und Sponsoren gerettet werden.

Im Januar 2014 leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den ehemaligen Präsidenten ein. Bircher hatte Geld zwischen dem Eishockeyclub und seinen eigenen Bauunternehmen hin- und hergeschoben und Zahlen geschönt.

Sportlich erfolgreiche Ära

Sportlich war die Ära von Jürg Bircher hingegen die beste des EHC Kloten in den letzten 25 Jahren und seit dem Gewinn von vier Titeln in Serie in den Neunzigerjahren (1993 bis 1996). Unter Trainer Anders Eldebrink erreichten die Zürcher Unterländer 2009 und 2011 den Playoff-Final, den sie jeweils gegen Davos verloren. 2010 standen sie immerhin in den Halbfinals.

Er wolle Kloten dauerhaft in den Top 4 etablieren, sagte Bircher bei Amtsantritt im Spätherbst 2008. Das gelang zwischen 2009 und 2012, weil die Zürcher auch über ein starkes - und teures - Kader verfügten. Trainer Eldebrink konnte auf Nationaltorhüter Ronnie Rüeger zurückgreifen sowie neben anderen auf Spieler wie Roman Wick, Romano Lemm und Félicien Du Bois oder die Finnen Kimmo Rintanen und Tommi Santala. Doch die Erfolge waren zu teuer erkauft.

Die Schweizer Eishockey-Liga hatte dem Club im Jahr 2012 die Spiellizenz nur noch unter Auflagen erteilt. Roman Wick verliess den Klub in Richtung Kantonsrivale ZSC Lions, der Vertrag mit Trainer Eldebrink, der noch zwei Jahre gelaufen wäre, wurde aufgelöst.

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