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Neuauflage des Traumfinals

Wetzikon trifft wieder auf Arosa

Neuauflage des Traumfinals

Der Weg zur Titelverteidigung führt für den Erstligist EHC Wetzikon über den EHC Arosa. Ein Favorit im Duell zwischen dem Qualifikationssieger aus dem Oberland und dem Zweitklassierten ist nicht auszumachen.

Oliver
Meile
Mittwoch, 06. März 2019, 21:28 Uhr Wetzikon trifft wieder auf Arosa
Die Wetziker (Timon Vesely, links) wollen im Final den EHC Arosa erneut in die Knie zwingen.
Archivfoto: Christian Merz

Über 350 Partien absolvierte Roger Keller in der zweithöchsten Liga für den HC Thurgau. Der TV-Sender My Sports hätte ihn gestern darum gerne bei der Übertragung des Playoff-Viertelfinals zwischen Thurgau und Ajoie als Gast in Weinfelden begrüsst.

Der 48-Jährige aber verzichtete auf den Fernseh-Auftritt – als Trainer des EHC Wetzikon hatte er am Mittwoch Wichtigeres zu tun.

Keller bereitete sein Team im Abschlusstraining auf das erste Spiel im Playoff-Final vor. Die Wetziker treffen ab Donnerstag in der Best-of-5-Serie auf Arosa.Es ist die Reprise des Traumfinals aus dem Vorjahr, den der EHCW damals 3:0 für sich entschied.

«Wer weniger Fehler macht und mehr Bereitschaft zeigt, wird sich durchsetzen.»
EHCW-Trainer Roger Keller

Wetzikon gegen Arosa ist nicht nur aus sportlicher Sicht die bestmögliche Paarung in der Erstliga-Ostgruppe, da der Qualifikationssieger EHC Wetzikon auf den Zweitklassierten trifft.

Es ist zusätzlich das Duell zweier Traditionsvereine, die einst auf der nationalen Bühne Schlagzeilen produzierten und seit Jahren auf Amateurstufe eine treue Fanbasis besitzen.

Über 1200 Zuschauer verfolgten am Dienstag das fünfte und entscheidende Halbfinalspiel zwischen Arosa und Bellinzona im Schanfigg, das die Bündner 4:0 gewannen. Keller hofft auf eine ähnliche Kulisse in Wetzikon. Er sagt: «Mein Team hätte sie verdient.»

Die Serie, die nichts zählt

Wie vom Trainer gefordert, hat sich der EHCW in den Playoffs gegenüber dem Auf und Ab in der Qualifikation gesteigert. Die Startniederlage zuhause gegen Prättigau war ein lehrreicher Weckruf. Seither haben die Oberländer in der K.o.-Phase sechs Siege aneinander gereiht.

Zuletzt eliminierten sie in den Halbfinals Herisau souverän. Auffallend dabei: Nur zwei Gegentreffer kassierten die Wetziker gegen die Appenzeller bei numerischem Gleichstand. Überhaupt liess Wetzikon in den Playoffs bisher nur einmal mehr als zwei Gegentore zu. Und die Quote (rund 96 Prozent) im Penaltykilling ist ebenfalls hervorragend. 

Die defensive Stabilität hat zahlreiche Ursachen. Eine davon heisst Yannik Peter. Der 21-Jährige ist der statistisch beste Goalie der Ostgruppe. Daneben zählen Kleinigkeiten zu den Erfolgsfaktoren wie schnelle Wechsel oder simple Lösungsansätze – beispielsweise den Befreiungsschlag einer riskanten Angriffsauslösung vorzuziehen.

Keller streicht zudem die grosse Opferbereitschaft der Feldspieler in der Defensive heraus. «Jeder stellt nun das Team in den Vordergrund, jeder arbeitet hart.» 

Das wird auch gegen Arosa nötig sein. Mit rein spielerischen Mitteln, über die die Wetziker in grossem Masse verfügen, wird die Titelverteidigung kaum möglich sein. «Wer weniger Fehler macht und mehr Bereitschaft zeigt, wird sich durchsetzen», ist Keller überzeugt. 

«Die Karten werden neu gemischt.»
EHCW-Coach Roger Keller

Gleich siebenmal hintereinander hat der EHC Wetzikon die Aroser zuletzt bezwungen. Die letzte Wetziker Niederlage gegen die Bündner datiert aus dem Jahr 2017. Diese Zahlen dürften auf beiden Seiten bekannt sein.

Der Respekt also ist dem EHCW sicher. Einen mentalen Vorteil für sein Team, in dem 18 Spieler stehen, die schon letztes Jahr dabei waren, sieht Keller dennoch nicht. «Das ist alles Vergangenheit, die Karten werden neu gemischt.»

Erholung vs. Rhythmus

Ein Favorit ist nicht auszumachen. Die ausgeglichen besetzten, spielstarken und offensiv ausgerichteten Mannschaften dürften sich auf Augenhöhe begegnen. Keller sagt: «Beides sind Teams, die in der Lage sind, sich in einen Rausch zu spielen.»

Unterschiedlich sind derweil ihre Ausgangslagen. Nach ihrem Durchmarsch in den Halbfinals hatten die Wetziker zuletzt eine Woche Pause. Sie nutzen sie unter anderem dazu, kleine Blessuren zu pflegen und die Energiespeicher wieder zu füllen. Personell kann Keller aus dem Vollen schöpfen.

«Genau für diese Momente haben wir lange hart gearbeitet, geschwitzt und geflucht.»
EHCW-Coach Roger Keller

Arosa musste dagegen in den Halbfinals über die volle Distanz gehen, war am Dienstag noch im Einsatz. Die vom Effretiker Marc Haueter gecoachten Bündner merken allenfalls eine gewisse Müdigkeit.

Dafür sind sie im Rhythmus und nach dem Erfolg in der «Belle» sicher voll Euphorie. Ihre Revanchegelüste dürften ebenfalls gross sein.  

Keller erwartet darum einen aggressiv und körperbetonten Gegner. Der Start in die Partie sei extrem wichtig, sagt der Trainer, der zugleich hofft, dass sein Team die nötige Leichtigkeit an den Tag legen kann.

«Sie soll mit Begeisterung auftreten», sagt er. «Denn genau für diese Momente haben wir lange hart gearbeitet, geschwitzt und geflucht.»

Stehen die Aufsteiger fest?

Mit dem Finaleinzug in der MSL hat der HC Sierre den Aufstieg in die Swiss League geschafft. Deshalb können nun gleich zwei Erstligisten in die höchste nationale Amateurliga aufsteigen. Seit dieser Saison müssen sie nicht mehr ihr Aufstiegsinteresse deponieren, sondern bis Ende Januar dem Verband melden, falls sie nicht aufsteigen wollen. Wer das getan hat, gibt der Verband auf Anfrage nicht bekannt.

Keinen Hehl aus ihren Plänen machen die beiden Qualifikationssieger: Wetzikon will nicht aufsteigen will, sein Westschweizer Pendant SC Lyss hingegen schon. Der EHCW-Finalgegner Arosa bestätigt auf Anfrage aufsteigen zu wollen. Franches-Montagnes hingegen strebt mutmasslich nicht nach Höherem. Gut möglich also, dass die Aufsteiger eigentlich bereits feststehen. Sicher ist das aber erst, wenn der Verband dann hochoffiziell gratuliert. (fbo)

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