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Der EHC Dübendorf muss sich nichts vorwerfen

Kommentar

Der EHC Dübendorf muss sich nichts vorwerfen

MSL-Titelverteidiger EHC Dübendorf scheitert im Playoff-Halbfinal an Sierre. Eine Schande ist das nicht. Doch der Meistertitel könnte für die Glattaler auch künftig vorerst unerreichbar bleiben.

Florian
Bolli
Dienstag, 05. März 2019, 22:03 Uhr
Hängende Köpfe bei den Spielern des EHC Dübendorf: Die Saison ist nach der dritten Playoff-Niederlage gegen Sierre zu Ende.
Archivfoto: Christian Merz

Der Meister ist entthront. Der EHC Dübendorf scheitert im Playoff-Halbfinal auf kürzestem Weg und muss demnächst zusehen, wie «sein» Meisterpokal woanders in die Höhe ­gestemmt wird. Ihren Platz in der Dübendorfer Garderobe muss die Trophäe bald verlassen. So bitter sich das im ersten Moment anfühlen muss, so erwartbar war es letztlich. Eine gute Visitenkarte haben die Dübendorfer abgegeben, schliesslich forderten sie Sierre in beiden Qualifikations-Duellen und in zwei der drei Playoff-Partien stark. Dennoch stehen sie nun mit leeren Händen da.

Dass die Mission Titelverteidigung eine Mission impossible sein würde, wusste man eigentlich schon, seit bekannt wurde, dass es wieder einen Aufsteiger in die Swiss League gibt. Der EHCD strebt die Promotion nicht an, das ist nur schon aufgrund seiner Rolle in der Lions-Pyramide logisch. Und auch die finanziellen Möglichkeiten sind anderswo grösser.

Sierre, der designierte Auf­steiger, investiert mithilfe von Genf-Servette eine Million Franken allein in das Fanion­team. In Dübendorf hingegen fliesst der grösste Teil des Gesamtbudgets von 1,4 Millionen Franken in den Nachwuchs.

So gesehen ist es alles andere als eine Schande, gegen Sierre auszuscheiden. Die Walliser waren nur nominell der Aufsteiger aus der 1. Liga. Von der Equipe, die vor Jahresfrist das Finalspiel gegen Wetzikon ­verlor, standen nun gegen ­Dübendorf gerade noch drei Akteure auf dem Eis.

Zu wenig konstant, um erst im Final auf Sierre zu treffen

Die Dübendorfer müssen sich höchstens den Vorwurf gefallen lassen, dass sie nicht erst im Final auf die Walliser trafen. Das durchaus vorhandene Potenzial für einen Platz in den Top 3 riefen sie in der Qualifikation zu wenig konstant ab. Sie zeigten gegen Spitzenteams zwar bisweilen sehr gute Leistungen, verloren dann aber wiederum Spiele gegen Teams aus den hinteren Ranglistenregionen.

Das hat auch mit der Breite des Kaders zu tun. Vier komplette Linien brachte der EHCD selten aufs Eis. Gerade in einer Liga wie der MSL, wo auch gegen auf dem Papier schwächere Teams Tempo und Kondition gefragt sind, ist es auf längere Sicht ein Nachteil, wenn ver­letzungsbedingte Absenzen personell nicht aufgefangen werden können. Automatismen greifen dann nicht, die Eingespieltheit fehlt. Das – gerade im Vergleich mit Sierre – schwache Dübendorfer Powerplay ist eine Folge davon.

Der Titel könnte länger unerreichbar bleiben

Womöglich muss sich der EHCD daran gewöhnen, dass die Meistertrophäe in nächster Zeit für ihn unerreichbar bleibt. Denn aufstiegswillige Klubs wird es auch in den nächsten Jahren geben. Der EHC Basel hat dieses Ziel weiterhin sicher, womöglich startet auch Valais Chablais einen neuen Versuch, nachdem dem Fusionsklub die Swiss-League-Lizenz für die nächste Saison verweigert wurde. Manche befürchten deshalb eine Preistreiberei auf dem Spielermarkt.

Mitziehen wird der EHC Dübendorf dabei nicht können, auch wenn er es wollte. Der Klub muss vorab Geld generieren, um Schulden zu tilgen. Insofern leistete das Team einen wichtigen Beitrag, indem es sich zum sechsten Mal in Serie für die lukrative erste Cup-Hauptrunde qualifizierte. Im ersten Moment nach dem ­Playoff-Out ist das womöglich ein schwacher Trost – es bringt aber immerhin die Gewissheit, die nächste Saison mit einem Highlight beginnen zu können.

Gross verändern wird sich das Gesicht der Equipe bis dahin nicht. Nicht nur Trainer Reto Stirnimann hat seinen Vertrag verlängert, sondern auch das Gros der Spieler. Für Konti­nuität ist also gesorgt – auf verschiedenen Ebenen.

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