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«Ich wäre gerne mit einem Pokal abgetreten»

EIE-Kultfigur Dieter Wieser

«Ich wäre gerne mit einem Pokal abgetreten»

Länger als er war niemand Trainer des EHC Illnau-Effretikon. Nach insgesamt 13 Jahren hört Dieter Wieser beim Zweitligisten auf. Der 58-Jährige blickt zurück – und sagt, ob der Rücktritt diesmal wirklich definitiv ist.

Florian
Bolli
Donnerstag, 28. Februar 2019, 07:58 Uhr EIE-Kultfigur Dieter Wieser
«Man muss Dompteur sein», sagt der zurücktretende EIE-Trainer Dieter Wieser.
David Kündig

Dieter Wieser, eine Woche ist es her, seit der EIE im Playoff-Viertelfinal gegen Dürnten ausschied. Wie fühlt sich das Leben als Trainer im Ruhestand bisher an?
Dieter Wieser: Ich bin ja noch nicht ganz im Ruhestand. Wir treffen uns am Freitag noch zum Bierfässlimatch, am Montag geben wir die Garderobe ab. Vielleicht wird es dann noch einmal emotional. Über das Weekend war es schon etwas heavy. Aber eigentlich bin ich befreit. Denn sonst denkt man schon an die neue Saison, kaum ist die alte zu Ende. Es war ja kein Frustentscheid und kein Kurzschlussentscheid, ich hatte mich schon länger damit befasst.

Was war schwieriger für Sie? Der Rücktritt als Trainer oder jener als Spieler?
Schon jener als Spieler. Ich war damals 36 und konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht weitermachen. Das Teamleben, die Kabine – das sind Dinge, die man als Trainer nicht mehr hat. Es war ein härterer Schnitt.

«Man muss als Zweitligatrainer ein Dompteur sein, den Spagat machen zwischen Drill und Nachlassen.»

Was fangen Sie nun mit all der frei gewordenen Zeit an?
In meinem neuen Leben muss ich mich erst noch zurechtfinden. Ich werde sicher nicht fünf Abende pro Woche daheim sein. Die Golfferien könnten länger werden, ich könnte mein Bike öfter bewegen. Vielleicht widme ich mich meiner kreativen Ader und belege Kurse – ich male gerne. Und im Winter werde ich mir sicher Spiele des EIE ansehen, aber auch öfter Spiele des EHC Winterthur (dort spielt Wiesers Sohn Tim – die Red.).

Es ist ihr dritter Rücktritt als EIE-Trainer. Ist er diesmal definitiv, oder könnte es dereinst ein Comeback geben?
Das weiss ich wirklich nicht. Eigentlich sah ich mich bei meiner letzten Amtszeit anfangs nur als provisorische Lösung, nun sind doch fünf Jahre daraus geworden. Das erste Mal war ich zurückgekehrt, weil es unter meinem Nachfolger nicht funktioniert hatte. Ich glaube aber nicht, dass Sportchef Mike Häbig bald einen Grund hat, mich wieder anzufragen. Ich habe vollstes Vertrauen in meinen Nachfolger Giorgio Giacomelli. Wir haben das Team zuletzt quasi als zwei Headcoaches geführt. Er weiss: Man muss als Zweitligatrainer ein Dompteur sein, den Spagat machen zwischen Drill und Nachlassen.

«Die Playoffserie gegen Dürnten war ein Highlight zum Abschluss, nicht nur, weil es eine Premiere war, sondern auch, weil wir auf Augenhöhe spielten. Das macht mich stolz.»

Wie schwer fiel es Ihnen, die richtige Mischung zu finden?
Es ist mein Wesen, mit Respekt auf die Leute zuzugehen. Ich kann ja nicht Respekt einfordern und ihn selber nicht zeigen. In der 2. Liga gibt es diverse Spieler, die eigentlich in der 1. Liga spielen könnten, aber den Aufwand nicht betreiben können, weil sie beispielsweise eine Ausbildung machen. Wenn einer der Mannschaft etwas bringt, aber nicht immer trainieren kann, dann bringt es nichts, einfach nur hart zu bleiben. Erfolg hat man, wenn man solchen Dingen Rechnung trägt.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die letzte Saison zurück?
Insgeheim hatte ich mir ja erhofft, dass sich der Kreis schliesst und ich mit einem Pokal abtrete (Wieser holte in seiner ersten Saison als EIE-Trainer den Zweitliga-Meistertitel – die Red.). Wir hätten in dieser Saison auch die Mannschaft dazu gehabt, da bin ich mir sicher. Leider hat es nicht geklappt – es hätte auch sehr viel stimmen müssen. Zufrieden bin ich trotzdem. Wir sind ein Ausbildungsverein, haben auch in dieser Saison junge Spieler eingebaut und Ausfälle mit eigenen Spielern kompensieren können. Die Playoffserie gegen Dürnten war ein Highlight zum Abschluss, nicht nur, weil es eine Premiere war, sondern auch, weil wir auf Augenhöhe spielten. Das macht mich stolz.

«Ein Trikot können sie für einen Trainer ja schlecht hochziehen. Vielleicht gibt es noch einen Blumenstrauss, das wäre mir auch recht.»

Also hinterlassen Sie Ihrem Nachfolger eine gute Basis?
Die Basis stimmt, ja, aber das liegt vor allem auch an Mike Häbig. Ich hätte mir keinen besseren Sportchef vorstellen können. Er ist dermassen strebsam und akribisch. Eigentlich hätte er es verdient, mal von einer höheren Liga abgeworben zu werden – dann muss der EIE mindestens sein Leibchen unters Hallendach ziehen.

A propos Leibchen unter dem Hallendach: Ist für Sie eigentlich auch eine Ehrung geplant?
Das weiss ich gar nicht. Ein Trikot können sie für einen Trainer ja schlecht hochziehen. Vielleicht gibt es noch einen Blumenstrauss, das wäre mir auch recht. Ich bin keiner, der solche Ehrungen braucht. Ich bin lieber im Hintergrund.

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