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Titelkämpfe in Zürich und Winterthur

Das müssen Sie über die Unihockey-WM wissen

Wer aus der Region an der Heim-WM eine Rolle spielt, ein Blick aufs Schweizer Team und seine Gegner sowie Fakten und Zahlen zum Grossanlass – das Wichtigste in komprimierter Form.

Oliver
Meile
Samstag, 05. November 2022, 10:30 Uhr Titelkämpfe in Zürich und Winterthur

Die Hotelzimmer in Glattfelden sind bezogen, das erste gemeinsame Training in der Swiss Life Arena ist absolviert. Der Tenor dabei: «Endlich geht es los!»

Die Vorfreude der Schweizer Unihockey-Nationalmannschaft ist gross. Zum dritten Mal nimmt die sie Weltmeisterschaften mit dem Heimrecht in Angriff.

Vom 5. bis 13. November finden die Spiele im neuen Stadion der ZSC Lions in Zürich-Altstetten sowie in der modernen Ballsporthalle in Winterthur statt. Also an Orten, die für Unihockeyfans aus dem Zürcher Oberland und Glattal einfach erreichbar sind. 

Soll die Lust am Besuch im Stadion wecken - der Teaser für die Titelkämpfe in der Schweiz. (Quelle: wfc2022)

Momentum – so heisst das Motto des Schweizer Nationalteams. Die Heimbühne soll zu grossen Taten inspirieren.

Gelingt es den Schweizern, im Land eine Euphorie zu entfachen? Um erstmals wieder seit 1998 in den Final zu surfen? Oder kann sich die Schweiz – mit der Kraft des Heimpublikums – gar endlich den langersehnten Traum vom Titel erfüllen?

Die nächsten Tage werden es zeigen. 

Das Schweizer Nationalteam

Das Team des Gastgebers ist in der Gruppe A eingeteilt, zusammen mit Vizeweltmeister Finnland, Norwegen und der Slowakei. Das zweite Gruppenspiel gegen Finnland dürfte für die Schweiz wegweisend sein. Mit einem Sieg könnten die Schweizer dem Gewinner der Gruppe B – mit grosser Wahrscheinlichkeit Weltmeister Schweden – aus dem Weg gehen.

Die Bilanz gegen Finnland lässt allerdings wenig Interpretationsspielraum. Von 75 Duellen gewannen die Schweizer nur elf. Das letzte Aufeinandertreffen im September endete aber unentschieden, wobei die von David Jansson gecoachte Schweiz einen guten Eindruck hinterliess. Für den Schweden ist es das letzte Turnier als Schweizer Nationaltrainer. Künftig soll er als «Swiss Way Coach» die sportliche Ausrichtung des Verbands mitprägen.

Jansson hat für sein letztes «Hurra» eine sehr erfahrene Mannschaft zusammengestellt. Sieben Spieler im Team sind über 30. Gleich 17 der 20 aufgebotenen Spieler waren schon an der WM 2018 dabei. Im letzten Moment noch aus dem Kader fiel Claudio Schmid vom UHC Uster. Die Zeit des erst 20-jährigen Stürmers im Nationalteam dürfte aber kommen.   

Die Spiele der Schweiz

Samstag, 5. November, in Zürich: Schweiz - Norwegen (17.00 Uhr).
Sonntag, 6. November, in Zürich: Finnland - Schweiz (14.00 Uhr).
Dienstag, 8. November, in Winterthur: Slowakei - Schweiz (20.00 Uhr).

Viertelfinals ab Donnerstag, 10. November

Alle Schweizer Partien sind live im Fernsehen auf SRF zwei zu sehen. 

Was trauen Sie der Schweiz an der WM zu?

Auswahlmöglichkeiten

Das Teilnehmerfeld

16 Mannschaften nehmen an der WM in Zürich und Winterthur teil.

Gruppe A: Finnland, Schweiz, Norwegen, Slowakei
Gruppe B: Schweden, Tschechien, Lettland, Deutschland.
Gruppe C: Estland, Kanada, Thailand, Singapur.
Gruppe D: Dänemark, Polen, Australien, Philippinen.

36 Teams bestritten zuvor die WM-Qualifikation, darunter als einzige Mannschaft aus Afrika die Elfenbeinküste. Die Schweiz musste sich als Gastgeber nicht fürs Turnier qualifizieren. Sie ist wie die anderen Mannschaften aus den Top 8 der Weltrangliste in die Gruppen A und B eingeteilt.

Die beiden Sieger und Zweitklassierten dieser Gruppen qualifizieren sich für die Viertelfinals, die jeweils Dritt- und Viertplatzierten spielen die weiteren Viertelfinalplätze mit den Besten der zwei restlichen Gruppen aus, in denen sich «Unihockey-Exoten» wie Thailand, Singapur und die Philippinen befinden. Im letztgenannten Team reisen 18 der 21 Spieler aber nicht etwa aus Südostasien an, sondern aus Norwegen und Schweden. 

Der Kreis der Medaillenanwärter ist klein, wobei die Top vier – Schweden, Finnland, Tschechien und die Schweiz – eng beieinander liegen. Zuletzt machten Schweden und Finnland achtmal in Folge den WM-Titel unter sich aus, insgesamt duellierten sich diese zwei Nationen in 11 der 13 bisherigen WM-Finals. Erst je einmal schafften es die Schweiz (1998) und Tschechien (2004) ins Spiel um Gold.

Die Schweizer Nationalmannschaft gehört zu den Top 4.
Da möchten die einheimischen Fans ihr Team sehen - vor dem gegnerischen Tor. (Foto: IFF/Esa Jokinen)

Fakten und Zahlen

Unihockey vermag im Schweizer Meisterschaftsalltag selten die Massen zu bewegen, die WM aber ist definitiv eine «grosse Kiste». Das zeigen die Dimensionen der Veranstaltung. 7 Millionen Franken beträgt das Budget – es ist fast dreimal höher als bei der letzten Männer-WM 2012. Die Infrastruktur ist mit den beiden neuen Arenen perfekt. 12000 Zuschauer passen ins Heimstadion der ZSC Lions, 2000 Plätze stehen im schmucken Kleinstadion in Winterthur zur Verfügung, wo Weltmeister Schweden alle Vorrundenspiele absolviert.

25000 Schulkinder sind eingeladen worden. Die Veranstalter peilen derweil die Marke von 150000 Zuschauern an. «Ein stattliches Ziel», weiss Daniel Bareiss, Zentralpräsident von Swiss Unihockey. Die Lust auf WM-Atmosphäre scheint aber durchaus vorhanden zu sein. Das Gros der Tickets für die entscheidenden Spiele am Finalwochenende in Zürich ist vergriffen, mindestens 8000 Zuschauer werden im Schweizer Eröffnungsspiel am Samstag gegen Norwegen dabei sein.   

Usters Daniels Janis Anis jubelt über einen Treffer.
Der für Lettland auflaufende Daniels Janis Anis ist einer von von zwei WM-Fahrern des UHC Uster. (Archivfoto: Christian Merz

Exponenten aus der Region

Sein letzter Einsatz knapp zwei Wochen vor der WM verlief alles andere als ideal. Der Goalie des UHC Uster dürfte jenes Spiel aber abgehakt haben. Nach 31 Minuten und sieben Gegentreffern wurde Jan Lemke damals erlöst. Wobei der Torhüter nicht etwa der Hauptschuldige an den vielen Gegentreffern gegen die Tigers Langnau war, sondern oftmals alleine gelassen wurde. Der 23-jährige Goalie tritt nach 2020 zum zweiten Mal mit Deutschland an einer WM an.

Lemke macht übrigens auch ohne Helm eine gute Falle – als Model. 2016 erreichte er beispielsweise den Final eines grossen Nachwuchsmodel-Wettbewerbs – dasselbe dürfte ihm mit dem deutschen Unihockey-Nationalteam nicht gelingen. Einen Spieler von Gruppengegner Lettland kennt Lemke sehr genau. Daniels Janis Anis spielt mit ihm zusammen im UHC Uster. Der 20-jährige Stürmer nahm schon an U19-Titelkämpfen teil, feiert jetzt aber seine WM-Premiere im Aktivbereich.

Anis steht noch am Anfang seiner Karriere, Lukasz Chlebda hingegen ist ein erfahrener Stürmer, der auf internationalem Parkett viel erlebt hat. Er nimmt seine bereits sechste WM in Angriff. Da der Stürmer im August zum Oberländer Erstligisten UHC Pfannenstiel wechselte, wird er eine Art Heim-WM bestreiten. 

Obwohl er nicht auf dem Feld steht, dürfte auch Jürg Kihm in den nächsten Tagen ins Schwitzen kommen. Kihm ist der dritte Vertreter des UHC Uster, der ab sofort in den WM-Tunnel eintaucht. Der Ustermer Assistenztrainer hat als Kommunikationschef des internationalen Unihockeyverbandes (IFF) beide Hände voll zu tun. Der Verband hat jüngst eine Medienplattform lanciert, auf der unter anderem kostenpflichtige Live-Streams aller 48 WM-Spiele angeboten werden. 

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