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Sauber-Fahrer mit Glück im Unglück

Horror-Unfall geht für Hinwiler Team glimpflich aus

Carlos Sainz im Ferrari gewinnt in Silverstone erstmals ein Formel-1-Rennen. Doch das ist an diesem Sonntag nebensächlich. Der Unfall von Guanyu Zhou im Alfa Romeo überschattet alles.

Florian
Bolli
Sonntag, 03. Juli 2022, 19:03 Uhr Sauber-Fahrer mit Glück im Unglück

Der Unfall versetzt Silverstone in Schockstarre: Nur einen Augenblick nach dem Start des GP von Grossbritannien fliegt der Alfa Romeo von Guanyu Zhou durch die Luft. Funken sprühen, als der Hinwiler Bolide kopfüber über den heissen Asphalt schlittert.

Das Kiesbett in der grossen Auslaufzone der ersten Kurve vermag das Auto des jungen Chinesen nicht zu stoppen. Es wird sogar über die Reifenstapel hinweg katapultiert, die eigentlich einen Aufprall abfangen sollen, und prallt gegen den Fangzaun. 

Sofort ist klar: Rote Flagge, das Rennen wird abgebrochen. George Russell, dessen Mercedes von Pierre Gasly im AlphaTauri berührt wurde und so den Unfall ausgelöst hatte, hält nach einigen Drehern an, springt aus seinem Boliden und rennt zum Wrack, um nach Zhou zu schauen.

Ihm bietet sich ein Bild, das die TV-Zuschauer erst gar nicht zu sehen bekommen: Zhous Auto ist eingeklemmt zwischen Abschrankung und Reifenstapel, der Chinese sitzt noch im Cockpit. Russell springt auf die Reifenstapel, winkt Helfer herbei. 

Lange dauert es, bis Zhou endlich befreit und auf einer Trage abtransportiert wird. Nach den ersten Untersuchungen im Medical Centre der Strecke kann Sauber-Teammanager Beat Zehnder über Funk schon beschwichtigen: «Zhou ist bei Bewusstsein, er hat keine Knochenbrüche, und es geht ihm den Umständen entsprechend sehr gut.»

Und um 17.44 Uhr, rund hundert Minuten nach dem Unfall und während das Rennen längst wieder läuft, vermeldet das Team: «Zhou wurde für fit erklärt und aus dem Medical Centre entlassen.»

Sainz siegt, Bottas' Getriebe macht nicht mit

Sportlich gab es für das Hinwiler Team nach dieser guten Nachricht kein Happy-End. Valtteri Bottas war auf Punktekurs und lag auf Rang 8, als er über Getriebeprobleme klagte und das Rennen nach 20 von 52 Runden aus ebendiesem Grund aufgeben musste.

Den Sieg in Silverstone sicherte sich am Ende Carlos Sainz im Ferrari vor Sergio Pérez im Red Bull und Lewis Hamilton im Mercedes, der sich in einem packenden Fight um den letzten Podestplatz gegen Ferrari-Pilot Charles Leclerc durchsetzte. WM-Leader Max Verstappen beklagte im Red Bull technische Probleme und wurde Siebter. 

Für Sainz war es der erste Sieg überhaupt im 150. Grand Prix. Am Samstag hatte der Spanier im verregneten Qualifying schon seine erste Poleposition der Karriere herausgefahren.

«Halo hat mich gerettet»

Als die Fahrer nach dem Rennen die TV-Bilder des Startcrashs erstmals sahen, dürfte dem einen oder andern wieder bewusst geworden sein, wie gefährlich der Motorsport eigentlich ist.

Die wichtigste Nachricht des Tages kam letztlich von Zhou selber, der sich nach dem Rennen über Twitter mit den Worten meldete: «Halo hat mich heute gerettet.»

Gäbe es diesen 2018 eingeführten Bügel über dem Kopf des Fahrers nicht, hätte der 23-jährige Chinese in seinem 9. Formel-1-Rennen sein Leben verloren. 

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