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Wetziker Extremradfahrerin Isabelle Pulver

Sieben Wochen nach Hirnblutung steht sie wieder am Start

Isabelle Pulver hat eine herausfordernde Zeit hinter sich. Nach einer potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung Anfang März ist sie aber schon zurück im Sattel.

Oliver
Meile
Freitag, 22. April 2022, 11:30 Uhr Wetziker Extremradfahrerin Isabelle Pulver
Die Wetziker Extremradfahrerin Isabelle Pulver startet am Samstag zur Saison.
In ihrem ersten Rennen der Saison spielt das Resultat für Isabelle Pulver für einmal keine Rolle.
Foto: Michael Schär

Vordergründig scheint alles normal. Am Samstag nimmt Isabelle Pulver zum dritten Mal das Race across Italy in Angriff. Einmal hat die Wetziker Extremradfahrerin das Nonstopp-Rennen über 775 km und 10000 Höhenmeter bereits gewonnen, einmal wurde sie Zweite.

Doch jetzt stellt sie schon vor dem Start klar: «Das Resultat spielt keine Rolle.» 

Dieser Satz lässt aufhorchen. Und ist ein starkes Indiz dafür, dass bei der Gewinnerin von verschiedenen Ultracycling-Wettkämpfen keine Normalität herrscht. Im Gegenteil. Dass sie das Rennen in Italien nur schon anpackt, ist aussergewöhnlich.

Pulver hat herausfordernde Wochen mit schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen hinter sich, wie sie in ihrem Newsletter schildert. Am 1. März erlitt die im bernischen Ittigen lebende Oberländerin eine Hirnblutung.

«Mir ist bewusst, dass zwischen diesem schweren gesundheitlichen Vorfall und der hohen Belastung, welcher ich mich in meinem Sport aussetze, in der Öffentlichkeit schnell ein Zusammenhang hergestellt werden kann.»
Isabelle Pulver

Das GZO Spital Wetzikon schreibt zum Krankheitsbild auf seiner Website: «Ein Schlaganfall, ein Schlag auf den Kopf oder eine Gefässmissbildung können dazu führen, dass ein Blutgefäss im Gehirn platzt – Blut tritt aus und kann wichtige Hirnfunktionen stören. Teilweise stirbt durch den Bluterguss auch Hirngewebe ab. Eine Hirnblutung ist ein absoluter medizinischer Notfall – jede Minute zählt bei der Diagnosestellung und den lebensrettenden Erstmassnahmen.»

Pulver hatte «riesiges Glück im Unglück», wie sie sagt. Dank der schnellen Reaktion ihres Mannes Daniel sowie der guten Betreuung durch Neurologen und Sportärzte unmittelbar nach dem Vorfall und bei der anschliessenden Genesung ist sie heute weiterhin in allen Belangen voll leistungsfähig.

Der falsche Rückschluss 

Man braucht nicht Sportarzt zu sein, um zu realisieren, dass sich Pulver in ihrer Disziplin enorme Strapazen auferlegt. Sich mental, aber auch körperlich im Grenzbereich bewegt. Zwei Beispiele dafür.

2015 gewann sie in den USA das Race Across America, eines der härtesten Radrennen der Welt. In zwölf Tagen kämpfte sie sich quer durch das Land. 5000 Kilometer und 50000 Höhenmeter absolvierte Pulver, wobei sie kaum mehr als zwei Stunden täglich schlief.

Ihre Bilanz: «Was ich hier durchmachte, ist ein ganzes Leben in komprimierter Form.»

Im August 2021 legte Pulver in Thun auf dem Rennvelo innerhalb von 24 Stunden knapp 725 Kilometer zurück – das ist Weltrekord. Nebenbei sammelte sie damals weitere neun Bestmarken.

Pulver sagt: «Mir ist bewusst, dass zwischen diesem schweren gesundheitlichen Vorfall und der hohen Belastung, welcher ich mich in meinem Sport aussetze, in der Öffentlichkeit schnell ein Zusammenhang hergestellt werden kann.»

Ihre Ärzte haben der  Ultraradfahrerin aber versichert, dass dem nicht so ist. Es sei viel eher so, dass sie die Erkrankung vor allem dank ihrer starken körperlichen Verfassung aussergewöhnlich gut überstanden und sich schnell erholt hat.

Was aber war der Auslöser des Hirnschlags? Pulver sagt: «Für die Krankheit ausschlaggebend dürfte eine familiäre Veranlagung gewesen sein.» 

Nur etwas zählt

Nur rund einen Monat nach der bedrohlichen Situation reiste Pulver bereits ins Trainingslager nach Spanien. Sie begann vorsichtig, ehe sie Umfang sowie Belastung steigerte.

Nach der Rückkehr aus dem Süden unterzog sich die Extremradfahrerin Tests. Und diese fielen so positiv aus, dass Pulver grünes Licht für das Nonstopprennen in Italien erhielt.

Wie lange die Oberländerin für den Kurs benötigt, ist für einmal zweitrangig. Es geht für sie nur um eines: Pulver will herausfinden, wie ihr Körper auf die Belastung reagiert. 

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