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Wetziker Läuferin Fabienne Schlumpf

Sie hat den Marathon im Sturm erobert

Beim Debüt gelang ihr ein Schweizer Rekord, an Olympia verpasste sie das Diplom nur knapp: Besser hätte Fabienne Schlumpfs Wechsel auf die Marathonstrecke kaum laufen können.

Oliver
Meile
Mittwoch, 29. Dezember 2021, 08:30 Uhr Wetziker Läuferin Fabienne Schlumpf
Fabienne Schlumpf trainiert häufig im Engadin und verpasste sich da auch den Feinschliff für die Olympischen Spiele.
Archivfoto: Oliver Meile

Wenns läuft, läufts. Oder in ihrem Fall: Wenn sie läuft, läuft sie. Gleich drei Marathons bestritt Fabienne Schlumpf in der Saison 2021. 

Das besondere dabei: Die seit Jahren zu den Aushängeschildern der Schweizer Leichtathletik zählende Wetzikerin wechselte erst heuer auf ihre Traumdistanz. Nach einem mehrjährigen Aufbau. Und mit Blick auf Olympia 2024 in Paris.

Kein Frage: Die mit Risiken verbundene Neuausrichtung von Schlumpf und ihrem Trainer und Lebenspartner Michael Rüegg ist gelungen. Aus der erfolgreichen Steeple-Spezialistin, die sich 2016 in Rio für den Olympia-Final qualifizierte und 2018 in Berlin EM-Silber gewann, ist eine Top-Marathonläuferin geworden.

Die einzige Chance souverän genutzt

Schlumpf eroberte ihre neue Disziplin im Sturm. Am 3. April feierte sie ihre Premiere gleich mit einem Schweizer Rekord. Ausgestattet mit drei Tempomachern, brauchte die 31-Jährige in Belp für die 42,195 Kilometer 2:26:14 Stunden.

Ohne ans Limit gehen zu müssen. Und unter Druck, war das Rennen doch ihre einzige Chance, die Olympia-Limite zu knacken. 

Rund vier Monate später doppelte Schlumpf mit einer Selbstverständlichkeit nach, als ob es das einfachste auf der Welt wäre. Bei Temperaturen um die 30 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit glänzte sie an den Olympischen Spielen mit dem 12. Platz.

Der Rückstand auf den Diplomrang (8.) betrug am Ende rund anderthalb Minuten. Schlumpf aber war bei den schwierigen Bedingungen in Japan bloss rund fünf Minuten langsamer unterwegs als beim Rekord in Belp.

Das zeigt, wie stark ihre Leistung war. Und ist zugleich Beweis dafür, wie gut der Plan von Schlumpf und Rüegg aufging. Wobei sich die Zwei natürlich nicht immer einig sind, wie im Video zu sehen ist.

Rund fünf Wochen nach dem Olympiarennen in Sapporo schnürte Schlumpf ihre Wettkampfschuhe in Wien erneut, um ein drittes Mal die 42,195 Kilometer zu absolvieren. Warum sie sich nach den Anstrengungen in Asien keine längere Erholungsphase gönnte?

Weil ihre Planung langfristig ist. «Mein nächstes Ziel sind die Europameisterschaften im August 2022 in München und im kommenden Frühling wollte ich keinen Marathon mehr machen», begründete Schlumpf.

Somit sei für sie klar gewesen, dass sie einen zweiten Marathon aus dem Aufbau auf die Olympischen Spiele laufen würde.

Der Wettkampf in Wien hätte ihr erster schneller Städtemarathon sein sollen. Doch das Wetter spielte am 7. August nicht mit. Zumindest nicht für Topathletinnen und Athleten.

In der österreichischen Hauptstadt war es deutlich zu warm. Schlumpf verlor nach einer idealen ersten Hälfte noch etwas an Tempo. Sie wurde Vierte – 17 Sekunden fehlten zum eigenen Schweizer Rekord. 

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