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Grütner Töffprofi

Krummenacher und die Paukenschläge

Eigentlich wollte Randy Krummenacher in diesem Jahr einfach wieder Rennen fahren und an der Supersport-Spitze mitmischen. Doch es kam ganz anders.

Florian
Bolli
Dienstag, 28. Dezember 2021, 11:30 Uhr Grütner Töffprofi

2021 hörte auf wie es begonnen hatte: mit einem Paukenschlag. Randy Krummenacher fuhr in diesem Jahr doch auch noch Motorradrennen, er gewann sogar eines. Aber der Töffprofi aus dem Grüt, der 2019 Weltmeister in der Supersport-Klasse geworden war, sorgte vor allem neben der Strecke für Schlagzeilen. Und knüpfte damit eigentlich nahtlos an 2020 an – auch da gab es mehr Irrungen und Wirrungen als sportliche Erfolge.

Begonnen hatte alles durchaus positiv, durchaus optimistisch – und wie so oft hatte Krummenacher das Gefühl, im EAB-Team die richtigen Voraussetzungen vorzufinden, um wieder an der Spitze der Supersport-WM mitmischen zu können. «Jetzt bin ich auf den richtigen Zug aufgesprungen», sagte der Grütner im Interview kurz nach dem Jahreswechsel.

Alles sollte besser werden in diesem Jahr 2021, vor allem freute sich Krummenacher darauf, endlich wieder Rennen zu fahren. Denn das hatte er seit Anfang 2020 nicht mehr getan.

Etwas unsicher war er schon, wie schnell er nach der langen Pause wirklich noch sein würde. Er hoffte darauf, dass das Renngefühl schnell wieder zurückkommen würde – und sagte vor dem Saisonstart im Mai: «Es fühlt sich komisch an.»

 

Auf Touren kam Krummenacher zwar noch nicht gerade von Beginn weg, aber Ende Juli gelang ihm im holländischen Assen als Dritter erstmals wieder der Sprung aufs Podest.

Es schien ganz, als würden sich Krummenachers Hoffnungen bestätigen, als könnte er demnächst wieder zuoberst auf dem Podest stehen und dem Seriensieger (und späteren Weltmeister) Dominique Aegerter Paroli bieten.

Und tatsächlich gewann Krummenacher noch ein Rennen in dieser Saison – am 19. September in Barcelona. Allerdings nicht mehr für EAB, sondern für das italienische CM-Team, zu dem er am 13. September gewechselt hatte.

Das Türchen tat sich auf, weil sich der dortige Stammpilot verletzt hatte. Doch hätte Krummenacher die Gelegenheit auch dann ergriffen, wenn er mit EAB Erfolg gehabt hätte? Auf alle Fälle war es ein weiterer kleinerer Paukenschlag – doch ein grösserer sollte noch folgen.

Bei CM Racing schien er sich durchaus wohl zu fühlen – zwar gelang ihm kein weiterer Sieg, aber noch vor dem letzten Rennen der Saison hiess es, Krummenacher bleibe bei den Italienern. Ein Markenwechsel auf Ducati wurde angekündigt, der Oberländer sagte, das Projekt sporne ihn an.

Doch die Freude währte nicht einmal einen Monat. Dann stellte sich heraus, dass die weitere Zusammenarbeit zwar verkündet, aber noch nicht vertraglich fixiert worden war. Als Krummenacher den Vertrag sah, den er unterschreiben sollte, machte er einen Rückzieher – und überraschte alle.

Seine Karriere in der Supersport-WM ging mit diesem letzten Paukenschlag vorerst zu Ende. «Manchmal bin ich zu gutgläubig», sagte er, ehe für ihn ein neues Kapitel in der Karriere beginnt.

Unterdessen hat er ein Team für die Langstrecken-WM gefunden. Und womöglich wird er sich auch vermehrt als Coach um junge Fahrer kümmern.

«Für mich ist das auch der Sinn des Lebens: Wenn man das Glück hat, so viele Erfahrungen zu sammeln und daran zu wachsen, dann soll man das auch weitergeben», hatte er Ende September im Interview gesagt.

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