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Riediker Judoka

Das fast perfekte Märchen der Fabienne Kocher

Viel mehr Emotionen gehen fast nicht. Fabienne Kocher holt zuerst knapp das Olympia-Ticket – und erkämpft sich dann fast eine Medaille. Grund genug für die 28-Jährige vom Judo-Club Uster um nochmals Anlauf zu nehmen.

David
Schweizer
Sonntag, 26. Dezember 2021, 19:22 Uhr Riediker Judoka

«Ein perfekter Abschluss für eine unvergessliche Saison», schreibt Fabienne Kocher nach der erfolgreichen Titelverteidigung an den Schweizer Meisterschaften in der Kategorie bis 52 kg von Ende November.

Tatsächlich erlebt die Riedikerin ein Jahr voller Emotionen – und die pandemiebedingte Verschiebung der Olympischen Spiele ins 2021 spielte ihr dabei in die Karten.

Auf den letzten Drücker überholte sie Evelyne Tschopp in der Qualifikation, ihre grosse Konkurrentin um den Schweizer Quotenplatz, in dieser Gewichtsklasse.

Der Ratschlag des Nationaltrainers

Es ist ein Szenario, dass lange Zeit aufgrund des Vorsprungs der erfahrenen Baselbieterin eher unrealistisch scheint.

Nationaltrainer Alexej Budolin gibt Kocher bereits Anfang Jahr auf den Weg, sich nicht auf die Olympia-Qualifikation zu versteifen. Sein Ratschlag: Sie solle schlicht ein Top-Ergebnis an den Weltmeisterschaften im Fokus haben. Budolins Worte verfehlten seine Wirkung nicht.

Tatsächlich reüssiert Kocher an der WM in Paris und erkämpft sich Bronze, wodurch sie in extremis um mickrige sieben Punkte noch an der favorisierten Tschopp vorbeizieht und damit nach Tokio reisen darf.

Das lange Warten

Bis zum definitiven Bescheid muss sie allerdings nochmals fast einen Monat warten. «Ich versuchte, nicht daran zu denken. Und die Situation zu überspielen. Aber eine gewisse Grundspannung ist halt immer geblieben», sagt die 28-Jährige vom Judo-Club Uster.

Wie bereit Kocher ist, zeigt sie kurz vor der Abreise nach Japan mit ihrem Klub- und Nationalteamkollegen Nils Stump, beim Demonstrieren der gängigsten Judowürfe.

An den Olympischen Spielen stösst sie dann etwas überraschend nach drei überzeugenden Siegen sogar bis ins Halbfinal vor.

Für eine Medaille reicht es am Ende aber doch nicht ganz. Ihr Kampf gegen die topgesetzte Französin Amandine Buchard endet nach 16 Sekunden. Und auch im Duell um Bronze gegen die Britin Chelsie Giles zieht sie den Kürzeren.

Vom «Märchen ohne Happy End» ist deshalb später die Rede.

Ihre schweren Verletzungen (zwei Kreuzbandrisse), der Gewichtswechsel (vorher bis 57 kg) verbunden mit dem Zweikampf gegen Tschopp sowie die erwähnte späte Qualifikation sind die Gründe dieser Schlagzeile.

Natürlich ist auch Kocher im ersten Moment von Platz 5 schwer enttäuscht. «Wenn man im Halbfinal steht und ohne Medaille nach Hause muss, ist das der Worst Case», sagt sie. Doch schon bald drücken die positiven Gefühle durch.

Dass sie ihre Karriere fortsetzen will, war ihr schon vor dem Karrierenhöhepunkt im Mutterland des Judosports klar.

Der starke Auftritt gibt Kocher aber nun noch den «Extrakick», um gleich nochmals einen ganzen Olympia-Zyklus bestreiten zu wollen. Und bis Paris dauert es ohnehin für einmal nur drei Jahre.

Und nachdem sie so nahe an einer olympischen Medaille war, sagt sie erwartungsfroh: «So eine will ich auch holen.»

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