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Oberländer BMX-Profi Simon Marquart

Dieses Jahr vergisst er nicht so schnell

Simon Marquart ist in der Saison 2021 in die Weltspitze gerast. Zweimal schrieb er gar Schweizer BMX-Geschichte.

Oliver
Meile
Donnerstag, 09. Dezember 2021, 13:48 Uhr Oberländer BMX-Profi Simon Marquart

Sieben Jahre ist eine lange Zeit. Und wenn man in dieser Spanne immer wieder an derselben Hürde scheitert, dürften die Zweifel mit jedem Mal wachsen, ob man sie überhaupt jemals meistern wird. 

So wie bei Simon Marquart. 2014 debütierte der aus Mönchaltorf stammende Fahrer im BMX-Weltcup. Als nicht einmal 18-Jähriger. Er gilt als Talent, der alles mitbringt, um erfolgreich zu sein. Erst im Mai 2021 aber – nach über 30 vergeblichen Anläufen – gelingt Marquart auf höchster Stufe erstmals der Vorstoss in den Final der Top 8. 

Mehr noch. Marquart gewinnt das Rennen in Verona. Als erster Schweizer überhaupt steht er im Weltcup zuoberst auf dem Treppchen. Im Siegerinterview direkt nach der Zieldurchfahrt ringt er noch nach Worten – überfordert von der neuen Situation.

Im Nachgang aber realisiert er: «Dieser Sieg löste den Knopf bei mir, nahm mir den Druck. Da sah ich, was möglich ist.»

Und es ist bei Marquart ein wenig wie bei einer Ketchup-Flasche: Lange kommt nichts. Obwohl man sie heftig schüttelt. Dann dafür plötzlich alles auf einmal.

Der Oberländer schnappt sich das zweite Schweizer BMX-Ticket für Tokio, erlebt in Japan seine Olympia-Premiere. Danach stösst er an den Weltmeisterschaften im holländischen Papendal in den Final vor. Und verpasst da als Vierter nur knapp eine Medaille. 

Das Beste aber kommt zum Schluss: Marquart hat beim letzten Weltcup-Rennen der Saison in der Türkei noch die Chance, mit einem Topresultat den in der Gesamtwertung führenden Kolumbianer Ramirez Yepes abzufangen. 

«All in», lautet seine Losung, auf Rechenspiele verzichtet Marquart. Er will um jeden Preis gewinnen. 

«Es wäre auch komisch, als Fünfter ins Ziel zu kommen und dann doch über den Gesamtsieg jubeln zu können.»

Von Talent zum Siegfahrer

Der Ansatz zahlt sich aus. Marquart lässt alle hinter sich. Und gewinnt als erster Schweizer den Gesamt-Weltcup. Die Freude darüber ist gross. Innerhalb weniger Monate ist aus dem Talent, dass sein Potenzial nicht ganz abrufen kann, ein Siegfahrer geworden.

Marquart ist in die Weltspitze vorgestossen. Er spürt die Anerkennung der Konkurrenz: «Die Wahrnehmung der Leute hat sich verändert.»

Der wichtigste Grund für den Aufstieg? Er ist Teil einer hochklassigen Trainingsgruppe, zu der auch Olympiasieger und Weltmeister Niek Kimmann gehört. Vom Holländer profitierte er.

Wie der Alltag des Weltklasse-Duos aussieht? Das von Niek Kimmann produzierte Video gibt einen Einblick. 

In seiner Heimat wird Marquart zukünftig nur noch gelegentlich anzutreffen sein. Der Oberländer, der zuletzt am Hauptsitz des internationalen Radsportverbands UCI wohnte, hat seine Zelte in der Westschweiz abgebrochen.

Marquart plant, im neuen Jahr jeweils mehrere Wochen am Stück in den USA zu verbringen, wo er Rennen fährt. Kehrt der 25-Jährige nach Europa zurück, lebt und trainiert er in Holland.

Sein grösstes Ziel: An den Olympischen Spielen 2024 in Paris eine Medaille zu gewinnen. Schon in Tokio hätte Marquart im Idealfall in den Kampf um Edelmetall eingreifen können. Doch er blieb in der Qualifikation hängen.

Es ist die einzige grosse Enttäuschung eines aussergewöhnlichen Jahres gewesen. Eines Jahres, das der BMX-Profi so schnell nicht vergessen dürfte. 

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