×
Wetziker Läuferin Fabienne Schlumpf

Lächelnd zum doppelten Triumph

Was für eine Leistung: Fabienne Schlumpf unterbietet bei ihrem Marathon-Debüt die Olympia-Limite und reisst zugleich den Schweizer Rekord an sich.

Oliver
Meile
Samstag, 03. April 2021, 12:01 Uhr Wetziker Läuferin Fabienne Schlumpf

Kurz vor dem Ziel wird sie von ihrem letzten verbliebenen Tempomacher Marcel Berni vorbeigewunken. Die abschliessenden Meter beim Marathon in Bern-Belp sollen Fabienne Schlumpf alleine gehören.

Es sind triumphale Sekunden für sie. Leichtfüssig und mit einem Lächeln im Gesicht beendet Schlumpf ihr Marathon-Debüt. Sie macht dabei einen so frischen Eindruck, als ob sie nur einen kurzen Lauf und nicht etwa 42,195 km absolviert hätte.

Ein paar Schritte spaziert sie hinter der Ziellinie noch weiter, dann bleibt sie abrupt stehen und stösst einen Jubelschrei in den bewölkten Berner Himmel.

«Es hat sich sehr lange sehr gut angefühlt.»

Fabienne Schlumpf

Schlumpfs Freude ist verständlich. Die Wetzikerin zeigt eine Topleistung. Sie unterbietet bei ihrem ersten Marathon mit der Zeit von 2:26:14 Stunden nicht nur die Olympia-Limite von 2:29:30 Stunden deutlich.

Die 30-Jährige entreisst gleich auch noch Maja Neuenschwander den Schweizer Rekord. Die EM-Zweite im Steeple und im Cross verbessert Neuenschwanders Bestwert aus dem Jahr 2015 um etwas mehr als eine halbe Minute.

Sehr konstant gelaufen

Es ist ein Rekord mit Ansage. Wie ein Schweizer Uhrwerk spult Schlumpf auf dem flachen Kurs mit den langen Geraden ihr Pensum ab  – perfekt unterstützt von ihren Tempomachern Marcel Berni, Simon Stützel und Simon Westermann.

Früh liegt die prognostizierte Endzeit im Bereich von 2:26:20 Stunden. Nach rund 32 Kilometer kann ihr Trainer und Freund Michi Rüegg noch immer zufrieden festhalten: «Sie macht einen guten Eindruck.»

Extrem konstant spult Schlumpf auch danach Kilometer um Kilometer ab, scheint am Schluss gar noch Reserven zu haben. «Es hat sich sehr lange sehr gut angefühlt», sagt sie nur Minuten nach dem Ende des Rennens.

Ihr Ziel sei es gewesen, sehr regelmässig zu laufen, sagt die Athletin der TG Hütten, die vor knapp zwei Wochen auch einen Schweizer Rekord im Halbmarathon aufgestellt hatte. Und sie lobt: «Ich hatte super Pacemaker. Sie machten einen herrvorragenden Job.»

Enttäuschung für Tesfay

Fast zwei Drittel des Rennens läuft es auch für Simon Tesfay ideal. Der in Uster lebende Eritreer ist in einer sechsköpfigen Gruppe unterwegs, in der sich der mit 1,92 m grossgewachsene Athlet «verstecken» und Kraft sparen kann.

Einer von mehreren Tempomachern der Gruppe ist überraschend Tesfays Klubkollege im LC Uster, Tadesse Abraham. Für den besten Schweizer Langstreckenläufer ist das Rennen in Bern lediglich ein Test – seinen Frühlingsmarathon plant der für Olympia qualifizierte Abraham am 18. April.

Nach einem bedächtigen Beginn steigert die Gruppe das Tempo und ist bald auf Kurs Richtung Olympia-Limite (2:11:30 Stunden). Kurz nach der Halbmarathon-Distanz steigt Abraham aus. Er hat seine Arbeit erledigt.

Einige Kilometer danach bekommt Tesfay Mühe. Er muss abreissen lassen und ist in der Folge auf sich alleine gestellt.

Zu diesem Zeitpunkt ist längst klar, dass der 36-Jährige weder seine ursprünglich angepeilte Zeit von 2:10 Stunden noch die 2:11:30 Stunden wird erreichen können. Tesfay verliert kontinuierlich weiter Boden auf den nach dem Ausstieg aller Tempomacher alleine vorne weg laufenden Adrian Lehmann.

Letztlich erreicht Tesfay nach 2:16:30 Stunden das Ziel. Das ist eine Enttäuschung für den LCU-Athlet. Er verpasst in seinem erst zweiten fertig gelaufenen Marathon, seine Debützeit von 2019 (2:15:43 Stunden) zu unterbieten.  

Kommentar schreiben