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Volketswiler Tischtennis-Spielerin

Reust vor noch ungewissen Zielen

Die Volketswilerin Céline Reust hat ein Jahr nahezu ohne Wettkämpfe hinter sich. Für die Nummer 2 der Schweiz stellt sich auch die Frage nach den möglichen Perspektiven

David
Schweizer
Sonntag, 14. März 2021, 18:00 Uhr Volketswiler Tischtennis-Spielerin
Endlich wieder Ernstkämpfe: Céline Reust spielt im April wieder für den TTC Uster in der NLA.
Foto: René Zwald

Termine? Keine. Aktuell? #stayathomechallenge. News? Team-WM abgesagt. Die Menüleiste auf der Website von Céline Reust gibt situationsbedingt wenig her.

Der letzte Turnierbericht über die Volketswilerin ist bereits ein Jahr alt. Er stammt von den Schweizer Meisterschaften in Rapperswil-Jona, wo sie zweimal Silber (Einzel, Doppel) und Bronze (Mixed) holte. Erstmals bezwang sie dort im Einzel-Halbfinal ihre Nationalteam-Kollegin Rahel Aschwanden in einem wichtigen Wettkampf.

Und im anschliessenden Endspiel forderte sie der grossen Favoritin Rachel Moret einiges ab. «Das war ein cooler Höhepunkt», sagt Reust.

Und seither? Die Team-WM in Busan (KOR) wurde gleich dreimal neu angesetzt – zuletzt auf Ende Februar. Und dann doch ganz abgesagt. Reust spricht von einem «Mega-Dämpfer».

Als einzigen Ernstkampf bestritt sie im letzten Herbst mit den NLA-Frauen des TTC Uster drei Runden, bis die Meisterschaft unterbrochen wurde. Mitte April soll sie fortgesetzt werden. «Der Meistertitel ist weniger wert», sagt Reust. Denn im Gegensatz zu normalen Saisons spielen die meisten Teams ohne ausländische Verstärkungen. Die Liga ist dadurch zwar ausgeglichener, aber halt auch schwächer besetzt. Für einmal gibt es sogar keine Auf- und Absteiger.

Auf internationaler Ebene könnte für Reust im August die Universiade in Chengdu als Saisonhöhepunkt anstehen. Die 23-Jährige ist allerdings hin- und hergerissen, überhaupt nach China reisen zu wollen. «Lohnt sich der Aufwand, wenn man sich nur zwischen Hotel und Halle bewegen kann?, fragt sie sich. 

Jus-Studium im Fokus

Reust nutzte die letzten Monate, um ihr Jus-Studium zu forcieren. Im Herbst kann sie mit dem Master beginnen – falls vorher die zwei Prüfungen für den Bachelor erfolgreich sind. «Ich konnte ohne schlechtes Gewissen lernen. Dabei musste ich zuerst die richtige Balance zwischen Lernen und Training finden», blickt sie auf die letzten Monate zurück.

Wohin ihre sportliche Reise weitergeht, darüber ist sich die Volketswilerin noch nicht im Klaren. Reust spielte schon in ausländischen Ligen für Weil (GER) und Nîmes (FRA). Dazu bestritt sie mehrere Welt- und Europameisterschaften.

«Ich werde nie vom Tischtennis leben. Ich lebe von den Teilnahmen an den Grossanlässen.»

Céline Reust

Ihr grosses Ziel – die Olympischen Spiele – ist für sie allerdings frühestens 2024 in Paris ein Thema. Wie realistisch aber dann eine Qualifikation ist, steht aufgrund der offenen Kriterien in den Sternen. Reust ist Realistin und sagt: «Ich werde nie vom Tischtennis leben. Ich lebe von den Teilnahmen an den Grossanlässen.»

An diesen weiter mitwirken zu können, dürfte zunehmend schwieriger werden. Der Tischtennis-Weltverband krempelt derzeit seine Sportart um. Im Zentrum stehen grosse Turniere mit deutlich höheren Preisgeldern. Es sind zwar interessante Perspektiven für die Top-Spieler.

Es droht dadurch allerdings auch eine Zweiklassengesellschaft, selbst wenn Reust international zumindest an den WTT-Turnieren teilnehmen dürfte. «Sie sind unverhältnismässig teuer im Moment», sagt sie.

Die neue Serie heisst derweil «Grand Smashes». Das erste Turnier läuft derzeit in Doha. In diesem Jahr ist nicht eine Station in Europa geplant. Als einzige Schweizerin ist Reusts SM-Bezwingerin Moret in den Emirat am Persischen Golf gereist. Die Weltnummer 86 hofft, sich noch für die Olympischen Spiele von Tokio im Sommer zu qualifizieren.

Die Chancen auch nützen

Hinter Moret folgt im Ranking als nächste Schweizerin bereits Céline Reust auf Position 280. Sie hat in der Weltrangliste allerdings etwas Boden verloren. Der Grund: Reust ist schon länger nicht mehr international angetreten.

Ihre beste Rangierung datiert aus dem Frühling 2019 (180) nach der damaligen WM in Budapest. Entsprechend ist noch einiges nötig, um die 31-jährige Waadtländerin überflügeln zu können.

«Wenn die Chance da ist, gilt es, sie auch zu packen. Céline fehlt es in diesen Momenten noch etwas an Cleverness und Erfahrung.»

Pedro Pelz, Chef Nachwuchs und Nationaltrainer beim Tischtennis-Verband

«Wenn die Chance da ist, gilt es, sie auch zu packen», beschreibt Pedro Pelz eine mögliche Matchsituation gegen Moret, die sie noch nie in einem ­Direktduell bezwingen konnte. «Céline fehlt es in diesen Momenten noch etwas an Cleverness und Erfahrung.»

Pelz, Chef Nachwuchs und Nationaltrainer beim Tischtennis-Verband, betreut Reust seit rund vier Jahren – auch mit dem Blickwinkel, sie zur Nummer 1 der Schweiz zu machen. «Dank individuellem Training hat sie einen Sprung nach vorne gemacht», ist er überzeugt. Stützpunkt-Einheiten mit den Nationalspielerinnen und -spielern finden auch regelmässig in Uster und Dübendorf statt.

Pelz streicht im Besonderen Ehrgeiz und Athletik von Reust heraus. «Sie verfolgt ihre Ziele. Da ist Fleiss bei allem Talent unabdingbar. Ohne ihn ist es kaum möglich, Erfolge zu erzielen», sagt er und nennt den Sieg an einer Einzel-SM in zwei bis drei Jahren als möglichen Horizont. «Sie muss sich selbst nur noch etwas mehr zutrauen», findet Pelz.

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