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Nachruf

Zum Gedenken an Heinz Minder

Florian
Bolli
Freitag, 02. Oktober 2020, 22:00 Uhr Nachruf
Jahrzehntelang schrieb Heinz Minder über die Fussballer und Eishockeyaner aus Illnau-Effretikon.
Foto: Oliver Meile

Es waren meistens epische Werke, und eigentlich schmerzte es, sie so stark kürzen zu müssen, dass daneben auf der Zeitungsseite noch etwas anderes Platz hatte.

Die Artikel, die Heinz Minder seit 1977 über Spiele des FC Effretikon und seit 1979 über solche des EHC Illnau-Effretikon verfasste, waren viel mehr, als es die Bezeichnung Matchbericht suggeriert. Minder bot in seinen Texten Einblicke in den Mikrokosmos der Klubs und der Teams.

Mehrere A4-Seiten umfassten Minders Texte jeweils. Sie erzählten nie einfach einen Match chronologisch herunter, sondern spiegelten seine Detailtreue, seine Begeisterung für den Amateursport, aber auch seine Leidenschaft für das Schreiben wider. Und sie waren nicht die Texte eines Fans, sondern jene eines kritischen Beobachters.

Leider hat er seinen letzten Text schon vor einer Weile geschrieben. Am 27. September verstarb Heinz Minder im Alter von 68 Jahren, nachdem er lange gegen eine unheilbare Krankheit angekämpft hatte.

«Ich habe keinen Vertrag, doch der läuft weiter», sagte Minder immer wieder, wenn es um seine Laufbahn als Berichterstatter ging. Sie beschränkte sich nicht nur auf die Klubs aus Illnau-Effretikon; zeitweise schrieb er für die Zeitung «Der Landbote» Rundenzusammenfassungen aus dem Regionalfussball. Auch seine Arbeit hatte mit Sport und der Region zu tun: Als Speditionskaufmann war er unter anderem für die Übersee-Transporte des Formel-1-Teams Sauber zuständig.

Das Schreiben, das war für ihn, der lange auch im Vorstand des FCE sass, immer lediglich ein Hobby – wenn auch ein sehr zeitintensives. «Vielleicht ist das mit ein Grund, warum ich ledig geblieben bin», sagte er, als der ZO/AvU ihn für die Regionalfussball-Beilage porträtierte. Wichtig war ihm, kein Hofberichterstatter, sondern eine unabhängige Stimme zu sein. Lobhudeleien waren ihm fremd. «Ich schreibe nicht beschönigend, sondern, was Sache ist», sagte er einmal.

Schreibstau, das kenne er nicht, sagte Minder dem Fussballmagazin «Zwölf» einst. «Es schreibt einfach. Schliesslich passiert immer etwas.» Und da wollte, ja musste er einfach dabei sein. Als etwa einst in Wil die Eishalle wegen einer Bombendrohung geräumt wurde, blieb er auf seinem Platz. «Ich musste schliesslich wissen, was passiert.»

In den letzten Jahren trat der «waschechte Illauer» Minder kürzer. 2014 musste er aus gesundheitlichen Gründen erstmals für eine Weile komplett pausieren. Er wolle seine Krankheit mit demselben Einsatz bekämpfen, wie er jahrelang auf den Sportplätzen unterwegs gewesen sei, teilte er der Sportredaktion damals mit. Ein Comeback gelang ihm damals ziemlich rasch. Ein zweites ist ihm nun leider verwehrt geblieben. Das macht uns traurig.

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