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Weisslinger Ultracyclerin

Darum ist die Feier ein Trostpflaster

Nicole Reist hat in Österreich Geschichte geschrieben. Ihr verrückter Plan aber ist nicht aufgegangen.

Oliver
Meile
Montag, 17. August 2020, 15:55 Uhr Weisslinger Ultracyclerin
In kleinen Happen aufwärts: Nicole Reist am Grossglockner.
Foto: PD

Das Wetter, nein, es war definitiv nicht auf ihrer Seite. In der ersten Rennhälfte dominierte die Hitze, herrschten Temperaturen über 30 Grad. Dazu musste Nicole Reist gegen viel Gegenwind anfahren.

Im zweiten, gebirgigen Teil des Nonstoprennens rund um Österreich hatte die Weisslinger Ultracyclerin dann dafür mehrfach gegen Starkregen zu kämpfen. Und als ob das nicht genügend Erschwernisse gewesen wären, kamen mehrere, kurzfristige Umleitungen mit Zusatzkilometern dazu. 

Am Samstagmorgen, kurz vor sieben Uhr, hatte Reist die happige Strecke mit knapp 2200 km und 34000 Höhenmeter dennoch hinter sich gebracht. Nach vier Tagen, zehn Stunden und 18 Minuten erreichte die Oberländer Langdistanz-Radrennfahrerin das Ziel im oberösterreichischen St. Georgen im Attergau. 

Sie verpasste zwar ihr Ziel, den eigenen Rekord aus dem Vorjahr von vier Tagen und neun Stunden zu unterbieten. Die 36-Jährige hatte dennoch mehrere Gründe, den Wettkampf als Erfolg zu werten.

So gewann Reist die Frauenkategorie beim Race Around Austria – sie war heuer allerdings die einzige Startende – zum bereits vierten Mal. Damit schrieb sie Geschichte. Und sie durfte sich als Fünfte im Overall Ranking über einen Spitzenplatz freuen.   

Jeden Handgriff einstudiert

In die Zufriedenheit über die eigene Leistung mischte sich aber auch Enttäuschung. Denn eigentlich war das Rennen in Österreich für Reist lediglich der erste Teil eines verrückten Plans gewesen.

So hatte sie vorgesehen, nach nur einer Nacht Pause gleich auch noch das Race Across France in Angriff zu nehmen. Und damit weitere 2600 km und 40000 Höhenmeter.

Dafür hätten die Oberländerin und ihr Team unmittelbar nach der Zielankunft in St. Georgen nach Nizza weiterreisen müssen. Ein logistischer Drahtseilakt, zu dem Teamchefin Beatrix Arlitzer sagt: «Wir haben uns alle minutiös auf dieses Abenteuer vorbereitet, für einen schnellen Transfer jeden Handgriff einstudiert und extra zusätzliche Crewmitglieder aufgeboten.» 

 «Unter diesen Voraussetzungen war es die richtige Entscheidung.»

Nicole Reist

Die Akribie war letztlich umsonst. Reist liess zusammen mit ihrem Team im Verlauf des Nonstopp-Rennens in Österreich den Plan fallen. Nicht etwa, weil der vierfachen Weltmeisterin die Kräfte ausgingen. Oder sie vor der Herausforderung plötzlich gekniffen hätte.

Sondern gezwungenermassen, da sich die Rahmenbedingungen verändert hatten. Kurzfristig teilte der französische Veranstalter mit, dass die Ultracycler den letzten Kilometer auf den Mont Ventoux sowie den ersten auf der anderen Seite herunter alleine zurücklegen mussten.

Die Begleitfahrzeuge hätten kurz vor dem Gipfel umkehren, diesen danach umrunden und auf der anderen Seite wieder hochfahren müssen. Oder wie von den Organisatoren vorgeschlagen, hätten am Fusse des Mont Ventoux auf die Athletinnen und Athleten gewartet.

Alleine ist es zu gefährlich

Den Streckenabschnitt ohne Begleitung zu befahren aber war der Weisslingerin und ihrer Crew zu riskant. Teamchefin Arlitzer sagt, man habe dies nicht verantworten können. «Diese kurvige Abfahrt auf einer schmalen Bergstrasse hat es schon unter normalen Umständen in sich.»

Reist wäre zu diesem Zeitpunkt aber müder gewesen als die Konkurrenz. Sie hätte nicht rund 400 Kilometer, sondern nach dem Rennen in Österreich bereits deren 2600 Kilometer in den Beinen gehabt.

Hinzu wäre gekommen, dass Reist den Abschnitt wohl in der Nacht hätte durchfahren müssen. Da ist das Begleitfahrzeug normalerweise wichtig, um die Strecke auszuleuchten. 

Der Verzicht auf das Race Across France schmerze sie, sagt Reist.  «Aber unter diesen Voraussetzungen war es die richtige Entscheidung.» Ein kleines Trostpflaster hat sie dafür erhalten. «Wir hatten die Möglichkeit den Sieg gebührend zu feiern.»

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