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Corona-konforme Veranstaltung

Der Greifenseelauf wird zum Sechs-Tage-Rennen

Der Traditionsanlass findet auch heuer statt. Allerdings nicht in gewohnter Form.

Redaktion
Züriost
Donnerstag, 02. Juli 2020, 17:22 Uhr Corona-konforme Veranstaltung

«Flexibel sein und uns mit den neuen Gegebenheiten auseinandersetzen», das war die Devise von Greifenseelauf-Organisator Markus Ryffel seit Beginn der Corona-Krise. Und der einstige Weltklasse-Läufer legte früh dar: Er wollte den ursprünglich auf den 19. September angesetzten Lauf in jedem Fall über die Bühne bringen – in der bestmöglichen Form.

An dieser Haltung hielten die Organisatoren auch dann fest, als klar wurde, dass bis Ende August keine Laufveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen möglich sind. In welche Richtung ihre Pläne gingen, darüber hüllten sie sich in Schweigen. «Wir prüfen Alternativen», hiess es Anfang Juni. Und es gelte, «flexibel zu bleiben».

Am Donnerstag lüfteten die Veranstalter des bedeutendsten Sportanlasses der Region nun das Rätsel. Jetzt ist klar: Der Greifenseelauf findet in rund zweieinhalb Monaten tatsächlich statt – allerdings für einmal nicht im gewohnten Rahmen, nehmen üblicherweise doch über 10000 Läuferinnen und Läufer daran teil.

«Die speziellen Umstände erfordern ein spezielles Konzept», schreiben die Macher. Eines, das alle Vorschriften des Bundes berücksichtigt, «den Teilnehmenden aber dennoch ein aussergewöhnliches, individuelles Lauferlebnis am idyllischen See bietet», wie es in der Mitteilung heisst. 

Zurück zu den Wurzeln

Konkret heisst dies: Der Lauf dauert nicht nur einen Tag, sondern gleich sechs Tage, vom 14. bis 19. September. Jeder Läufer wählt auf der Website seine Startzeit selber und eine der angepassten Strecken. Im Angebot sind Distanzen über 7,3 und 17,9 Kilometer.

Damit kehrt der Lauf zu den Wurzeln zurück – es sind dieselben Distanzen wie bei der ersten Austragung 1980. Der Deutsche Thomas Wessinghage, der spätere Europameister über 5000 m, gewann damals auf der längeren Strecke in 57:32 Minuten.

«Nach rund einem halben Jahr Fastenzeit glaube ich, dass alle das Bedürfnis haben, die Stimmung eines Wettkampfes zu erleben.»

Markus Ryffel

Die mehrtägige Veranstaltung sei eine Herausforderung, schreiben die Veranstalter. Sie sei aber auch eine Verpflichtung gegenüber den treuen Teilnehmen der vergangenen Jahrzehnte.

Greifenseelauf-Gründer Markus Ryffel sagt: «Nach rund einem halben Jahr Fastenzeit glaube ich, dass alle wieder das Bedürfnis haben werden, die Stimmung und spezielle Atmosphäre eines Wettkampfes zu erleben.» Der 65-Jährige ist überzeugt: «Diese Möglichkeit bietet die 41. Austragung des Greifenseelaufs.» 

Gelaufen wird nun allein oder in Kleingruppen auf einer markierten Strecke mit Zeitmessung. Start und Ziel der längeren Distanz befinden sich in Niederuster, auf der kürzeren Distanz wird von Maur nach Uster gelaufen. Ein Volksfest, wie es jeweils im Stadtpark von Uster stattfindet, entfällt allerdings aus naheliegenden Gründen. 

Die Laufprominenz fehlt

Mit dem speziellen Konzept wird der Greifenseelauf heuer zum reinen Breitensportanlass. In den vergangenen Jahren hatten sich in den Rennen über die Halbmarathon-Distanz jeweils vorwiegend prominente Athletinnen und Athleten durchgesetzt.

Der aktuell beste Schweizer Langstreckenläufer Tadesse Abraham (LC Uster) gewann beispielsweise 2017 und 2018 bei den Männern, Nicola Spirig 2019 bei den Frauen, ein Jahr davor hatte die Wetzikerin Fabienne Schlumpf triumphiert.

Alle verkörpern sie internationale Klasse und sind Olympiateilnehmer. Oder wie im Fall von Triathletin Spirig mehr als nur Teilnehmerin, ist die 38 Jahre Unterländerin doch zweifache Medaillengewinnerin (Gold und Silber) an der wichtigsten Sportveranstaltung der Welt. 

Glamourös tönt immerhin der Name, den die Macher ihrer aussergewöhnlichen Greifenseelauf-Ausgabe verpasst haben. «The Special One» heisst sie im schönsten Werbesprech.

Der Besondere also, wobei dieser Name eigentlich vergeben ist, seit sich der portugiesische Fussballtrainer José Mourinho diesen Übernamen gleich selber verpasste.

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