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Oberländer Turnvereine

Kreativ durch die Wartezeit

Die Turnvereine in der Region trifft die Corona-Krise schwer, ihr Vereinsleben steht praktisch still. Doch sie wissen sich zu helfen und sehen Licht am Ende des Tunnels.

Daniel
Hess
Donnerstag, 07. Mai 2020, 14:27 Uhr Oberländer Turnvereine
Turnen
Gemeinsam online statt in der Halle: Die Turnvereine der Region zeigen sich in der Coronavirus-Krise kreativ.
Fotomontage: Screenshots Instagram

Auch der Sport bleibt von der Corona-Krise bekanntlich nicht verschont. Mit am schwersten trifft sie die Turnvereine – schliesslich haben nur die wenigsten Aktiven eigene Geräte zu Hause. An ein normales Training ist deshalb nicht zu denken.

Die ambitionierten Kunstturnerinnen vom Satus Uster etwa können so zwar dennoch Sport betreiben. «Aber nicht den, den sie lieben», bedauert Patricia Huber, die Vizepräsidentin des Klubs, der unter anderem die Absage des Züri Oberland Cups zu verkraften hat, an dem jeweils mehrere hundert Turnerinnen teilnehmen.

«Am meisten vermissen wir alle die Gemeinschaft.»
Stefan Bachofner, Präsident TV Fehraltorf

Mehr noch als Übungseinheiten und Geräte fehlt insbesondere den Breitensportlerinnen und -sportlern aber etwas anderes: «Am meisten vermissen wir alle die Gemeinschaft», sagt Stefan Bachofner, Präsident des TV Fehraltorf.

Nicht anders ergeht es gemäss Vereinspräsident Marc Rivellini dem TV Rüti, der heuer für einmal nicht «dä schnällst Rütner» erküren kann.

«Ein Turnverein lebt von sozialen Kontakten und Aktivitäten.»
Dennis Mannhart, Präsident STV Wetzikon

«Uns fehlen die gemeinsamen Turnstunden, das gesellige Danach und das Zusammensein mit den Kollegen», sagt er.

Und auch Dennis Mannhart, sein Pendant vom STV Wetzikon, muss feststellen: «Ein Turnverein lebt von sozialen Kontakten und Aktivitäten. Deshalb ist das Vereinsleben zurzeit schwer am Leiden.» 

Stillsitzen liegt nicht drin 

So gross das Bedauern über die fehlenden gemeinsamen Trainingsstunden und das Zusammensein hernach auch sein mag: Einfach still sitzen können Turnerinnen und Turner natürlich nicht.

Deshalb und weil sich gemäss Rivellini «einige sicher zu Tode langweilen», hat man sich in den Vereinen einiges einfallen lassen, um sich die Wartezeit bis zur Einkehr der Normalität zu verkürzen. Abgesehen von den individuellen Aktivitäten, denen laut dem TVR-Präsidenten wohl jedes Mitglied nachgehe, um seine Fitness beizubehalten, sind verschiedene alternative Trainingsmöglichkeiten gefunden worden. 

Als besonders kreativ erweisen sich dabei die Fehraltorfer. Nicht nur treffen sie sich jeden Dienstagabend zu einer gemeinsamen Trainingseinheit über Zoom, ihre Oberturnerin und ihr Oberturner haben auch ein Homeworkout mit Videoanleitung zusammengestellt.

Gemeinsam Liegestützen und eine Handstand-Challenge

Überdies hat der TVF befreundete Vereine zu einer Fitness Challenge aufgerufen. Es wurde ein Video erstellt, in dem zu sehen ist, wie Fehraltorfer Turner zu einem Song gemeinsam Liegestützen machen. Gleichzeitig wurden die anderen Turnvereine dazu aufgefordert, ähnliche Clips zu produzieren, was diese denn auch prompt getan haben.

Ähnlich einfallsreich ist man beim TV Effretikon. Auch dort haben die Trainerinnen der Geräteriege ein Online-Training zusammengestellt und deren Topathletin Mia Hodel hat eine Handstand-Challenge initiiert. Die Männerriege ihrerseits sorgt bei ihren Mitgliedern jeweils wöchentlich nicht nur mit neuen Übungen, sondern auch mit Witzen und lustigen Videos oder Fotos für Unterhaltung.

«Diese Saison ist leider schon vorbei.»
Dennis Mannhart, Präsident STV Wetzikon 

Gleich mehrere Challenges wöchentlich erwarten die Ustermer Turnerinnen, die überdies Trainingspläne für daheim erhalten haben. Auch Turnerinnen selbst inspirierten ihre Kolleginnen zur Nachahmung, berichtet Vizepräsidentin Huber.

Auf das grösste Echo gestossen sei bis jetzt die Challenge, in der ein Vater seine Tochter wie im Kult-Film «Dirty Dancing» in der Luft hält und sich dabei dreht.

Wenig Hoffnung, grosse Vorfreude

Offiziell gestrichen sind zwar erst die Turnanlässe bis Ende August. Hoffnungen, dass sich das Heimtraining noch in diesem Jahr in Wettkämpfen bezahlt machen könnte, haben aber die Wenigsten.

Mannhart jedenfalls macht sich keine Illusionen: «Diese Saison ist leider schon vorbei», sagt der Präsident des STV Wetzikon, in dem man sich mit Online-Trainings fit hält. Immerhin erlauben es nun die weiteren Lockerungen der Massnahmen den Turnvereinen, nächste Woche unter Einhaltung der Schutzmassnahmen das gemeinsame Training wieder aufzunehmen.

«Wir werden mit Vollgas loslegen», kündigt Bachmann vom TV Fehraltorf an, und Mannhart hofft, «dass wir das Vereinsleben wieder hochfahren und uns auf die nächste Saison freuen dürfen.»

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