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Ein Sport, der den Zeitgeist trifft

Korfball-Spielerin aus Binz

Ein Sport, der den Zeitgeist trifft

Louisa Carlisle aus Binz gehört beim jungen Korfball Club Zürich zur Gründungscrew. Der in den Niederlanden geborene Sport ist hier noch unbekannt. Dies soll sich ändern.

David
Schweizer
Mittwoch, 11. März 2020, 15:45 Uhr Korfball-Spielerin aus Binz

Gerademal 50 Korfballspielerinnen und -spieler gibt es in der Schweiz. Wachstumspotenzial ist aber durchaus vorhanden. Denn als gendergerechter Sport trifft er den Zeitgeist.

Louisa Carlisle aus Binz ist jedenfalls begeistert: «Es ist erfrischend, einen mit Frauen und Männern gemischten Sport zu spielen.» Die 24-Jährige kennt den Sport aus ihrer Heimat England, wo die Universitäten sogar Meisterschaften gegeneinander austragen.

Vom Netball zum Korfball

Carlisle spielte ursprünglich das dem Basketball ähnlichen Netball, ehe sie noch während ihres Studiums bei der Suche nach einer neuer Herausforderung schnell fündig wurde.

«Korfball ist schneller und aufregender. Es braucht Taktik und ­Geschick», sagt sie und streicht die soziale Dynamik im Team heraus. «Wem diese Mischung gefällt, sollte unbedingt den Sport ausprobieren.»

Je vier Frauen und Männer ­stehen beim zum Anfang des 20. Jahrhunderts in den Niederlanden entstandenen Korfball auf dem Feld.

Die physischen Unterschiede der Geschlechter erzeugen allerdings kein Ungleichgewicht, weil Frauen ausschliesslich gegen Frauen verteidigen, Männer spielen ausschliesslich gegen Männer (siehe Box).

Weitere Klubs sollen entstehen

Mittlerweile wird Korfball in über 60 Ländern gespielt. Hinter den Niederlanden haben sich Belgien, Taiwan, China und Deutschland als führende Nationen etabliert.

In der Schweiz begann der Sport erst seit Ende 2015 langsam Fuss zu fassen. Anfänglich wurden einzelne Trainings in Lausanne ausgetragen. Mittlerweile gibt es Vereine in Lausanne, Basel und Zürich.

Der Verein in Zürich besteht mittlerweile seit rund zwei Jahren. «Wir erwarten, dass in Bälde auch Klubs in Bern und Genf entstehen», sagt Fabienne Thöni vom Korfball Club Zürich.

Anfänglich mit dabei waren insbesondere ­Expats, die den Sport aus ihrer Heimat kannten. Je länger, je mehr stossen nun aber auch Schweizer dazu.

Im letzten Jahr wurde im Rahmen des sogenannten Alp Tournament erstmalig ein Meister erkoren. «Unser Ziel ist es, eine eigene Liga aufzubauen», blickt Thöni nach vorne.

Für EM-Endrunde qualifiziert

Zur Entwicklung beitragen will natürlich auch Louisa Carlisle. Die in Reading aufgewachsene Engländerin zählt nicht nur zur Zürcher Gründungscrew.

Sie gehörte im November auch zur erfolgreichen Schweizer Auswahl, die am European Korfball Championship in der Ukraine den zweiten Platz erreichte und sich damit erstmals für eine EM-Endrunde qualifizierte.

Diese findet im Oktober im ­polnischen Breslau statt. Carlisle spricht in diesem Zusammenhang sogar von ihrem grössten Erfolg. Sie will aber nicht nur die sich nun bietende Gelegenheit an der EM nutzen, um Korfball in der Öffentlichkeit etwas bekannter zu machen.

Carlisle leitete im Klub auch selbst bereits erste Trainingseinheiten. «Das gab mir ganz neue Perspektiven für das Spiel», sagt sie.

Der «Korf» hängt höher
Basketball, Korbball, Handball – Korfball ist von allem etwas. Im Unterschied zum Basketball finden sich der «Korf» aber nicht am Ende des 40 x 20 m grossen Spielfeldes, sondern etwa sieben Meter weiter im Feld. Ausserdem hängt er mit 3,5 m höher (Basketball: 3,05 m) und hat auch kein Brett hinter dem Korb.
Jeder Spieler und jede Spielerin hat einen direkten Gegner, wobei nur Gleichgeschlechtliche aufeinandertreffen. Das Feld wird in eine Angriffs- und Abwehrhälfte – mit je zwei Frauen und Männern – unterteilt. Nach zwei erfolgreichen Körben wechseln alle die Felder. Die Angreifer werden zu Verteidigern und umgekehrt. Wichtig auch: Korfball ist kein Kontaktsport. Ausserdem darf der Ball nur durch Passen zum Korb bewegt werden. Sprich: Mit dem Ball laufen oder dribbeln ist untersagt.
Der Korfball Club Zürich trainiert zweimal in der Woche. «Ich glaube, der Sport hat grosses Potenzial, sich langfristig als Breitensport zu etablieren», sagt Präsidentin Luzia Kathriner. (zo)
swisskorfball.ch

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