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Kevin Kuhns Genussfahrt

Gibswiler holt in Dübendorf WM-Silber

Kevin Kuhns Genussfahrt

Kevin Kuhn wird an der Radquer-WM in Dübendorf seiner Favoritenrolle gerecht und gewinnt im U23-Rennen die Silbermedaille. Der Gibswiler kostet seinen Erfolg schon vor der Ziellinie aus.

Redaktion
Züriost
Samstag, 01. Februar 2020, 15:49 Uhr Gibswiler holt in Dübendorf WM-Silber

Er war der grosse Hoffnungsträger von Swiss Cycling an der Heim-WM in Dübendorf: Kevin Kuhn. Und der Gibswiler wurde den Erwartungen im U23-Rennen vollauf gerecht.

Der 21-Jährige zeigte am Samstagmittag auf dem Dübendorfer Flugplatzareal einmal mehr, wie abgezockt er mit Druck umgehen kann. Kuhn legte einen starken Auftritt hin und war von Anfang an immer in den vordersten Positionen anzutreffen.

Letztlich musste der Tösstaler lediglich dem Holländer Ryan Kamp den Vortritt lassen, wobei der Rückstand in der Schlussphase noch auf über eine halbe Minute anwuchs.

Vor der Ziellinie in Feierlaune

Das aber war Kuhn egal. Er konnte es sich sogar leisten, auf der Zielgerade abzubremsen, die letzten Meter der Fahrt zu geniessen und seine Silbermedaille ausgiebig zu feiern.

Kuhn verneigte sich vor dem Publikum leicht, dann klatschte er mit einigen Fans ab, ehe er unter grossem Jubel die Ziellinie querte. 16 Sekunden hinter ihm sicherte sich der Holländer Mees Hendrikx die Bronzemedaille.

«Ich bin megahappy.»
Kevin Kuhn

«Ryan war der Stärkste heute», anerkannte Kuhn nach der Siegerehrung, die er sichtlich genoss. Der junge Oberländer trauerte keineswegs dem verpassten Weltmeistertitel nach, sondern freute sich über seinen 2. Platz. «Ich bin megahappy.»

«Es tut auch ihm weh»

Mehr als die Hälfte des Rennens durfte Kuhn auf Gold hoffen. Der dreifache U23-Weltcupsieger war Teil der mehrköpfigen Spitzengruppe, zu der erwartungsgemäss auch der Holländer Ryan Kamp sowie der Franzose Antoine Benoist gehörten.

In der vierten Runde aber lancierte Kamp den entscheidenden Angriff. Er distanzierte Kuhn und die restlichen Verfolger schnell um rund sieben Sekunden und hielt danach seinen Vorsprung konstant aufrecht.

«Ich habe trotzdem lange daran geglaubt, ihn noch einzuholen. Denn ich wusste, es tut auch ihm weh», sagte Kuhn hinterher. Kamp aber, der die zwei letzten U23-Weltcuprennen der Saison für sich entschieden hatte, zeigte keinerlei Schwächen mehr.

15 Jahre nach Zahner

Erwartungsgemäss mit der Entscheidung nichts zu tun hatte Felix Stehli. Der 19-jährige Gibswiler, der sich vorgenommen hatte, das beste Rennen der Saison zu zeigen, klassierte sich auf Rang 38. Kuhn ist derweil der zweite Oberländer, der eine U23-WM-Medaille holte. 2005 war Simon Zahner in St. Wendel Dritter geworden.

Wie Kuhn seine Medaille feiert, wusste er kurz nach Rennschluss noch nicht, wie er lachend sagte. «Aber es wird mir sicher etwas einfallen.» (Oliver Meile)

Der Liveticker von Oliver Meile und Florian Bolli zum Nachlesen:

 

Ticker

Holländerinnen räumen ab

Vor lauter Trubel um Kevin Kuhn ging das Elite-Frauenrennen etwas an uns vorbei. Eigentlich hatten die Veranstalter ja darauf gehofft, dass Jolanda Neff ihr grosses Aushängeschild sein würde – bis zum schweren Trainingssturz der St. Gallerin im Dezember. So hatten die Holländerinnen hier quasi freie Fahrt – und feierten einen Dreifachsieg: Gold ging an Ceylin del Carmen Alvarado (welch Name!), die sich im Sprint gegen Annemarie Worst durchsetzte. Dritte wurde mit zehn Sekunden Rückstand Lucinda Brand. Zina Barhoumi, die einzige Schweizerin, fuhr als 23. ins Ziel.

Spezieller Arbeitsort

Ein nicht ganz alltäglicher Arbeitsort für uns Journalisten: Das Fliegermuseum beherbergt das Mediencenter. Derzeit läuft das Elite-Rennen der Frauen – und hier drin ist wenig los. Das ändert sich nach der Zieldurchfahrt wieder. Und morgen dürften für das Eliterennen der Männer noch einige Medienvertreter mehr hier aufkreuzen. Wir sind ja mal gespannt, wies dann aussieht.

Kevin Kuhn im Interview

Endlich, endlich haben wir Kevin Kuhn vor unserer Kamera. Der Gibswiler zeigt sich kein bisschen enttäuscht über verpasstes Gold, sondern freut sich über Silber. «Darauf habe ich anderthalb Jahre hintrainiert», sagt der 21-Jährige. «Es war Mann gegen Mann, und am Ende war der Holländer stärker.» In der letzten halben Runde realisierte Kuhn, dass es für Gold nicht reichen würde – und genoss seine Fahrt zu Silber dafür umso mehr. «Es war ein ganz spezieller Moment, als ich ab der letzten Brücke fuhr und von oben all die Fans sah.»

Jeder will etwas vom Gibswiler Helden

Eigentlich wollten wir ja schon viel früher die erste Reaktion von Kevin Kuhn vermelden. Aber es dauerte lange, bis der Gibswiler in der Mixed Zone auftauchte, wo wir auf ihn warten mussten – mehr gönnt uns der TV-Rechteinhaber hier nicht. Dafür demnächst ganz ausführlich in Bild, Ton und Text, wie Kuhn das Rennen erlebte und wie seine Gefühlswelt nun aussieht.

Freudentränen und eine nasse Tastatur

Nur der Ordnung halber vermelden wir auch den WM-Dritten. Es ist der Holländer Mees Hendrikx. Denn eigentlich haben wir so viele Freudentränen in den Augen wegen der Silbermedaille von Kevin Kuhn, dass wir die Tastatur kaum noch sehen. Und die ist auch noch feucht. Unser Respekt vor dem jungen Gibswiler ist gross. Er stand vor dem Rennen gewaltig unter Druck – und hat diesem im grossen Stil Stand gehalten. Was für eine reife Leistung. Hätten wir einen Hut an, wir würden ihn nun ziehen!

WM-Silber für Kuhn

Der Holländer Ryan Kamp ist U23-Weltmeister! Absolute Topleistung aber auch von Kevin Kuhn. Der Gibswiler kann auf der Zielgeraden sogar Tempo rausnehmen, er verbeugt sich vor dem Publikum, klatscht mit einigen Zuschauern ab, bevor er als Zweiter die Ziellinie quert! Gratulation zu WM-Silber!

Eine halbe Runde noch

Eine halbe Runde bleibt noch. An der Spitze hat sich nichts verändert. Kuhn sieht den Führenden auf dem verwinkelten Kurs zwar immer wieder, an Kamp heranfahren dürfte er aber nicht mehr können.

Kuhn noch immer Zweiter

Für Gold dürfte es nun knapp werden! Der Holländer Kamp hat seinen Vorsprung gegenüber Kuhn ausgebaut und packt die letzte Runde mit einem Vorsprung von 16 Sekunden an. Kuhn wiederum hat eine satte Reserve gegenüber seinem ersten Verfolger, nämlich 22 Sekunden. Felix Stehli geht als 39. in die letzte Runde.

Kamp absolut souverän

Die zahlreichen Schweizer Fans hier in Dübendorf feuern Kuhn unablässig an. Aber der Holläder Kampf zeigt keinerlei Schwäche und führt weiterhin rund 8 Sekunden vor dem Gibswiler. Kann Kuhn diese Lücke nochmals zufahren?

Kuhn auf Medaillenkurs

So! Zeit für ein Zwischenfazit. Nach vier von sechs Runden und 12,7 km führt der Holländer Ryan Kamp. Kevin Kuhn ist noch immer auf Medaillenkurs, ist er doch Zweiter mit sieben Sekunden Rückstand. Gut für ihn: Er hat zwischen sich und dem drittplatzierten Franzosen Antoine Benoist bereits eine Differenz von elf Sekunden herausgefahren.

Fluchtversuch von Kamp

Ryan Kamp ist aus der führenden Gruppe weggefahren und hat einige Meter zwischen sich und den restlichen Topfahrern gelegt. Sechs Sekunden beträgt sein Vorsprung derzeit.

Kuhn ist wieder vorne dabei

Nach drei von sechs Runden hat Kuhn das kleine Loch wieder zugefahren. Bei der Zieldurchfahrt gestikuliert er wild. Was er seiner Konkurrenz damit wohl sagen will? Sie solle mehr Führungsarbeit verrichten?

Kuhn verliert den Anschluss

Heikle Phase für Kevin Kuhn: Kamp und Benoist haben sich an der Spitze leicht abgesetzt. Nun muss der Gibswiler das Loch zufahren. Zum Glück sind es nur wenige Sekunden.

Ein Quartett nach zwei Runden in Front

Zwei Runden sind absolviert – und ein Quartett liegt an der Spitze, eigentlich wie erwartet mit Kuhn, dem Holländer Ryan Kamp und dem Franzosen Antoine Benoist sowie einem zweiten Holländer, Pim Ronhaar, mit dem man eher weniger rechnete. Sechs Sekunden beträgt ihr Vorsprung – und sie beschnuppern sich gegenseitig. Keiner will die Karten zu früh auf den Tisch legen.

Stehli schon weit zurück

Felix Stehli kann – wie erwartet – nicht mit der Spitze mithalten. Er hält sich im hinteren Drittel auf und fährt derzeit auf Rang 41, 1:18 Minuten hinter dem Führender, der derzeit Kuhn heisst.

Kleine Zäsur

Die Top 5 mit Kevin Kuhn machen Dampf. Und sie haben die Konkurrenz bereits etwas distanziert – um rund sieben Sekunden.

Kuhn führt nach der 1. Runde

Perfekter Rennauftakt für Kevin Kuhn: Der Gibswiler wartet zuerst etwas ab, nach rund drei Minuten übernimmt er dann erstmals die Führung. Und nach der ersten, bereits kräftezehrenden Runde geht er als Führender in die 2. Runde.

Das Rennen läuft

Das Rennen hat begonnen. Jetzt heisst es Daumen drücken für unser Gibswiler Duo – Kevin Kuhn und Felix Stehli.

Der Parcours im Bild

Sie wollen sehen, wie die Strecke genau aussieht? Wir haben keinen Aufwand gescheut, haben ein verstaubtes Cyclocross-Velo geschnappt, eine Kamera auf den Helm geschraubt und sind für Sie durch den Parcours gerotzt. Okay. Das ist geflunkert. Aber wir haben zumindest ein solches Video aufgetrieben.

Das sagt Streckenchef Daniel Gysling

Ein Radquer auf einem Flugplatz – alltäglich ist das nicht, und dass das möglich ist, liegt auch an Oberländern: Der Wetziker Daniel Gysling, der seit Jahren den Dürntner Elitefahrer Simon Zahner als Mechaniker begleitet, ist Streckenchef in Dübendorf. Wir sprachen mit ihm über den Parcours auf dem Flugplatzgelände, der nicht nur auf Gegenliebe stösst.

Holländische Junioren-Weltmeisterin

Das erste Rennen dieser WM ist übrigens schon vorbei – und es war eine Premiere im doppelten Sinn: Zum ersten Mal überhaupt wurden WM-Medaillen bei den Juniorinnen vergeben. Erste Weltmeisterin ist die Holländerin Shirin Van Anrooij. Sie setzte sich früh ab und siegte fast eine Minute vor ihrer Landsfrau Puck Pieterse. Bronze gewann die Amerikanerin Madigan Munro.

«Die Strecke war überraschend schwierig», sagt die Siegerin – bevor sie im Mediencenter Autogramme zu verteilen beginnt. Offenbar hatte auch sie im Vorfeld geglaubt, der Kurs verlange ihr nicht dermassen viel ab. Die Schweizerinnen konnten an der Spitze nicht mitmischen: Nicole Göldi war mit knapp dreieinhalb Minuten Rückstand als Elfte die Beste des Schweizer Quartetts.

Die Belgier kommen

Kein Weg ist den belgischen Fans zu weit. Und damit sie auch ein gutes Plätzchen ergattern, sind sie auch schon früh an der Strecke.

Wasser marsch!

Das hätte man auch gerne daheim: Jemand, der einem das verdreckte Velo säubert.

Ein bisschen Dampf muss sein

Um eine der Brücken passieren zu können, brauchen die Fahrer etwas Schwung.

Die Sonne lacht

Noch scheint die Sonne in Dübendorf – unsere Wetterapp hat allerdings bereits einen Sturm angekündigt.

Willkommen aus Dübendorf

Herzlich willkommen vom Flugplatz Dübendorf, wo die erste Radquer-WM in der Schweiz seit 25 Jahren stattfindet. «Züriost» berichtet ab 12.45 Uhr live vom U23-Rennen der Männer, in dem mit Kevin Kuhn und Felix Stehli gleich zwei Gibswiler an den Start gehen. Kuhn gilt gar als grosse Schweizer Medaillenhoffnung – mehr darüber aber später. Tickern werden für Sie Oliver Meile und Florian Bolli.

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