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Kindlers Hoffnungen ruhen auf dem Playoff

Pfäffiker NLA-Handballgoalie

Kindlers Hoffnungen ruhen auf dem Playoff

Der Pfäffiker Jonas Kindler bestreitet seine neunte und vielleicht letzte Saison als Torhüter des NLA-Teams von St. Otmar St. Gallen.

Redaktion
Züriost
Freitag, 08. März 2019, 17:19 Uhr Pfäffiker NLA-Handballgoalie

Kindler/Kindle – vor vielleicht zehn Jahren kam der Gedanke auf, ob das der einprägsame Name von Pfadis Torhüterduo der Zukunft sein könnte. Jonas Kindler, Jahrgang 1990, debütierte mit 17 im NLA-Team der Winterthurer. Als beide Stammtorhüter ausfielen, war der Pfäffiker im April 2008 im Halbfinal des Challenge Cups gegen den HC Hard plötzlich die Nummer 1. Pfadi schied trotz ordentlicher Leistung seines Talents gegen die Österreicher aus. Kindler besass eine Doppellizenz mit Yellow, stieg mit dem «zweiten» Winterthurer Klub 2009 in die NLA auf und bestritt dessen letzte Saison in der höchsten Klasse.

2010 fand seine Winterthurer Zeit ein Ende. «Die Rolle, die er bei uns wollte, konnten wir ihm nicht anbieten», erinnert sich Adrian Brüngger, damals wie jetzt Pfadis Trainer. Denn man setzte auf Martin Pramuk, den Routinier, und auf Matthias Baur, den Juniorenweltmeister aus Deutschland, der sich bei Pfadi aber nicht behaupten sollte. «Ich hätte Jonas gerne behalten», blickt Brüngger zurück. «Denn er ist ein guter Goalie und Typ.»

Vertrag läuft aus

Kindler, der vom TV Uster zu den Pfadi-Junioren gestossen war, wechselte zu St. Otmar St. Gallen. Im Januar 2010 machte er, der 56 Einsätze in Schweizer Nachwuchsauswahlen absolviert hatte, sein erstes Länderspiel. Vier Jahre später folgte sein viertes und seither letztes. In St. Gallen musste er sich oft mit der zweiten Rolle begnügen, drei Jahre lang stand ihm Martin Galia vor der Sonne, jetzt ist Aurel Bringolf die Nummer 1.

Simon Kindle, Jahrgang 1992 und ziemlich genau zwei Jahre jünger als Kindler, debütierte 2010 für Pfadi in der NLA, zwischen 2013 und 2017 spielte er 15-mal fürs Nationalteam. Chronische Hüftprobleme bremsten die Karriere und beendeten sie. Als Kindle nach zwei Operationen wieder bereit war, verzich­tete Pfadi auf seine Dienste, via Gossau landete er 2016 bei den Kadetten Schaffhausen, mit de­nen er zweimal Meister wurde.

Seit dieser Saison pariert Kindle die Bälle nicht mehr, sondern wirft sie in der 1. Liga als Rückraumschütze der Seen Tigers. Kindler seinerseits bestreitet schon die neunte Saison im Tor von St. Otmar, seine fünfte als Captain. Kindler und Kindle, die vermeintlichen Winterthurer Torhüter der Zukunft, sind zwei der einstigen Pfadi-Junioren, die zwangsläufig irgendwann in einem anderen Klub gelandet und seither ferngeblieben sind.

Ende Saison läuft Kindlers Vertrag in St. Gallen aus. Mag sein, dass sein langjähriger Verein ­Primoz Prost, den slowenischen Routinier vom Bundesligisten Göppingen, als Goalie neben Bringolf holt. Kindler sagt, es sei «noch offen», was er nach dieser Saison mache. Sein Ziel bleibt Handball in der NLA. Seit 2008 spielt er in der höchsten Liga, mit seinen 28 Jahren stünde er erst jetzt im besten Torhüteralter.

Ausgeglichene Meisterschaft

Die St. Galler haben sich unter Spielertrainer Bo Spellerberg durchaus positiv entwickelt. Derzeit belegen sie, zehn Punkte hinter Leader Pfadi, den 5. Platz. Nur eine der bisher neun Niederlagen war wirklich deutlich: das 20:30 in Schaffhausen. «Wir haben ein paarmal dumm verloren», erklärt Kindler.

In diese Kategorie fallen die beiden Heimniederlagen gegen Pfadi sowie das 31:34 von letzten Mittwoch in Winterthur. Im vierten Saisontreffen mit Pfadi setzte es da die vierte knappe Niederlage ab. Die St. Galler führten in der AXA Arena 24:17, verloren die letzten 23 Spielminuten jedoch 7:17 und mussten sich 31:34 geschlagen geben. «Plötzlich gab es einen Bruch in unserem Spiel», sagt Kindler. «Wir haben die klaren Chancen nicht genutzt und hinten einfache Tore kassiert.» Die Abwehr, welche die Torhüter unterstützen würde, war, anders als noch in Thun, keine Hilfe.

«Manchmal fehlte uns einfach auch das Glück.»

Jonas Kindler, NLA-Goalie aus Pfäffikon

«Manchmal fehlte uns einfach auch das Glück. Die Meisterschaft ist offen wie schon lange nicht mehr», ergänzt Kindler. «Jeder kann jeden schlagen.» Das macht gewisse Hoffnung fürs Playoff, das im April mit Viertelfinals beginnt. «Hart trainieren», nimmt sich Captain Kindler für sein Team vor. «Wichtig ist, dass wir im Playoff bereit sind.»

Mit drei Heimniederlagen waren die St. Galler in die Finalrunde gestartet. Anschliessend bezwangen sie zu Hause den BSV Bern 38:32 sowie vor einer Woche auswärts Meister Wacker Thun 24:17. «Wenn jeder kämpft, ist etwas möglich. Das haben wir in Thun gemerkt», sagt Kindler. Bringolf war mit 19 Paraden der Mann jenes Abends. Kindler kam nicht zum Einsatz; er ist der ­Einzige seiner Mannschaft, der bereits 2010, beim zuvor letzten St. Galler Sieg in Thun, mit dabei war.

Einen Titel hat er mit St. Otmar noch nicht geholt, der Playoff-Final 2015 und der Cup-Final 2016 waren die Höhepunkte. Beide Male hatte man keine Chance gegen die Kadetten.

Kein Duell Kindler/Kindle

Nach einem Aufenthalt in St. Gallen wohnt Kindler mittlerweile wieder in Winterthur – in der Nähe der Eulachhalle, Pfadis ehemaliger Heimhalle. Die Anreise zum Ostschweizer Derby wäre vor einem Jahr gut zu Fuss möglich gewesen, nun steigt er ins Auto zur gut drei Kilometer entfernten AXA Arena.

Jonas Kindlers Familie wohnt noch immer in Pfäffikon. Zum TV Uster habe er «fast keinen Kontakt mehr». Selten sieht er sich ein Spiel seines jüngeren Bruders ­Marius an, der für den TVU in der 1. Liga antritt. 40 Tore in 16 Partien hat Marius Kindler diese Saison erzielt. Zu einem Treffen Kindler/Kindle kams allerdings nicht, denn der Ustermer ver­passte beide Erstliga-Spiele gegen die Seen Tigers. (Urs Stanger)

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