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«Ich gehe nicht als Maskottchen an die Weltmeisterschaft»

HCR-Captain über die Unihockey-WM

«Ich gehe nicht als Maskottchen an die Weltmeisterschaft»

Ab Samstag kämpft die Schweizer Unihockey-Nati um eine WM-Medaille. Über 200'000 Zuschauer werden in Prag erwartet. Nils Conrad, Captain des Winterthurer HC Rychenberg, schaffte den Sprung ins Schweizer Team.

Redaktion
Züriost
Dienstag, 27. November 2018, 12:42 Uhr HCR-Captain über die Unihockey-WM

Letzte Woche rang der HC Rychenberg vor 543 Zuschauern die Kloten-Dietlikon Jets 8:7 nach Verlängerung nieder. Danach packte der zweifache Torschütze Nils Conrad seinen Koffer und flog mit der Unihockey-Nati nach Dubai. Die ruhigen Tage sollen den Amateursportlern helfen, den Alltagsstress hinter sich zu lassen und sich voll auf die WM zu fokussieren.

Ab Samstag geht es für die Schweiz mit den Gruppenspielen gegen Deutschland, Lettland und Gastgeber Tschechien los. Ab den Halbfinals scheint dann alles möglich zu sein.

Wie sehr haben Sie um die WM-Teilnahme gezittert, bis Nationaltrainer David Jansson das Kader offiziell bekannt gab?
Nils Conrad: Ich war in den letzten zwei Jahren immer dabei und von Jansson stets über meinen Status informiert. Trotzdem war ich nicht sicher, ob es reichen würde. Ich bin happy, dabei zu sein.

Wie haben Sie vom Aufgebot erfahren?
Am Wochenende vor der Bekanntgabe traf ich Jansson per Zufall in der Halle, als ich ein U21-Spiel meines Bruders schauen ging. Da gratulierte er mir bereits – ich musste also nicht bis zur letzten Sekunde zittern. Er sagte mir, ich hätte in den letzten Länderspielen genau das gezeigt, was er von mir habe sehen wollen, das sei perfekt gewesen. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich etwas ruhiger schlafen können (lacht).

Manche Experten hat Ihre Nomination überrascht, da sie eher einen weiteren Stürmer im Kader vermutet hätten. Wie sehen Sie Ihre Rolle im Team?
Bisher wurde ich in verschiedene Formationen hineinrotiert. Jansson sagte mir aber, dass er mich sicher nicht als Maskottchen an die WM mitnimmt. Wenn ich meine Leistung zeige, kann ich am Finalwochendene dabei sein. Ich beherrsche beide Defensivsysteme, die wir praktizieren.

Und in der Offensive setzen Sie ja auch als Verteidiger immer wieder Akzente.
Dass ich in den letzten zwei Jahren im Spiel mit Ball und im offensiven Bereich grosse Fortschritte erzielt habe, verdanke ich auch der Nationalmannschaft. Beim HCR standen lange vor allem die Defensive und Konter im Vordergrund.

Wie gross ist die Vorfreude auf die WM?
Ganz ehrlich – ich war in den letzten Wochen mit vier Semesterarbeiten gleichzeitig beschäftigt und zwischen 8.30 Uhr und 22.30 Uhr jeden Tag unterwegs. Da konnte ich mir noch gar keine Gedanken machen, wie es sein wird, bald vor 14'000 Zuschauern zu spielen.

Seit der Bronzemedaille von 2016 hatte die Schweiz mit Tschechien Mühe, schlug aber dafür Weltmeister Finnland gleich dreimal und gewann erstmals überhaupt gegen Schweden. Was liegt an der WM drin?
Alles. Ich denke, dass erstmals wirklich alle daran glauben, dass alles drin liegt. Gleichzeitig wissen wir, dass wir die Maximalleistung abrufen müssen, sonst ist auch Rang 4 möglich – eine der vier Top-Nationen wird ohne Medaille bleiben. Wir kennen die Rezepte gegen alle Gegner. Es liegt an uns, sie umzusetzen.

Interview: Damian Keller

 

Nils Conrad
Geburtsdatum: 27.9.1994
Wohnort: Weinfelden
Beruf: Student (Betriebswirtschaft)
Verein: HC Rychenberg
Position: Verteidiger
Statistik: 18 Länderspiele, 10 Skorerpunkte

 

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